Lokalsport

Achterbahnfahrt mit Schrecksekunde(n)

Lenninger Handballer verlieren nach einem dramatischen Spiel 33:34 in Wasseralfingen und steigen auf

Die Lenninger Handballer haben den Aufstieg in die Landesliga perfekt gemacht. Im allesentscheidenden Relegations-Rückspiel bei der SG Hofen/Hüttlingen gab es eine 33:34 (14:15)-Niederlage – damit war der Triumph aufgrund des Drei-Tore-Polsters aus dem Hinspiel (26:29) perfekt.

Jubel. Trubel, Heiterkeit bei den Spielern in der Kabine, Euphorie auf den Zuschauerrängen - für die Lenninger geriet der Samsta
Jubel. Trubel, Heiterkeit bei den Spielern in der Kabine, Euphorie auf den Zuschauerrängen - für die Lenninger geriet der Samstagabend zum Feier-Abend. Großen Anteil daran hatte der achtfache SG-Torschütze Marc Bächle (links oben).Fotos: Markus Brändli (1), privat (2)

Aalen. Die heimischen Zuschauer trauten ihren Augen kaum, als sie am Samstag in die Wasseralfinger Talsporthalle kamen. Nahezu die Hälfte der Plätze war bereits von Lenninger Fans belegt. Mit drei Reisebussen und mehreren Pkws waren rund 200 SGL-Fans auf die Ostalb gereist, um die Mission Aufstieg zu erleben. Unterstützt von einer Abordnung des Musikvereins Unterlenningen war auch akustisch einiges geboten. So wie die verbale Spielerunterstützung ungefähr ausgeglichen war, entwickelte sich auch auf dem Spielfeld eine sehr ausgeglichene Partie.

Beide Teams starteten mit einer defensiven 6:0-Abwehrreihe. Die Gastgeber bauten ihre breit angelegten Angriffe mit sehr dynamisch angelegtem Laufspiel auf. Immer wieder konnten sie dadurch die Lücken in der SG-Defensive ausnutzen. Vor allem der spielstarke Nicolai Narciß war über die gesamte Spielzeit von der Lenninger Defensive nicht zu stoppen – mit 14 Treffern wurde Narciß auch der beste Werfer des Abends. Auf Lenninger Seite waren die Angriffe wesentlich kürzer angelegt und mehr von Einzelaktionen geprägt. Bei der SG zeichneten sich in der Anfangszeit Marc Bächle, Ricki Austen und Chris Rieke mit Treffern aus. In der 25. Minute warf Phillip Müller den 12:12-Ausgleichstreffer. In kurzer Folge setzte er noch vier weitere Treffer von der Rechtsaußenposition und war mit 100-prozentiger Wurfquote ein wichtiger Aktivposten im SG-Angriff.

Kurz danach eine Schrecksekunde für die Lenninger: Marc Bächle musste nach einem harten Zweikampf mit Nasenbluten vom Feld. Die anschließende Hinausstellung für den Gastgeber-Spieler war eine von insgesamt 21 Zeitstrafen, die die teilweise überfordert wirkenden Unparteiischen in den 60 Minuten verteilten. Dadurch kam es vor allem in der Schlussphase zu viel Hektik und turbulenten Szenen. 14:15 hieß es bei Halbzeit.

Nach Wiederbeginn führte die SGL nach zwei Treffern 16:15, doch die Gastgeber antworteten prompt. Sie stellten ihre Abwehr auf 5:1 um und erschwerten damit die Laufwege für Austen und Co. Eine kurzzeitige Orientierungslosigkeit in der SG-Abwehr nutzten die Gastgeber zum 25:21 )(42.) – der Lenninger Aufstieg war zu diesem Zeitpunkt wieder verspielt.

Lenningens Coach Rehkugler reagierte und nahm eine Auszeit. In der Folge erzielen Austen Müller und Marc Bächle weitere Tore für die SG, doch die Gastgeber antworten postwendend mit ihren bekannten Werfern.

In der 47. Minute hieß es 28:24 – die Lenninger waren weiterhin weg vom (Aufstiegs-)Fenster. Jetzt folgte nach einer unübersichtlichen Situation ein Tohuwabohu auf dem Spielfeld mit mehreren Minuten Unterbrechung. Hofens Spieler Röhrer erhielt die Rote Karte wegen eines Foulspieles, Phillip Müller von der SGL seine dritte Zeitstrafe und somit die Rote Karte. Der SGHH-Trainer erhielt ebenfalls eine Zeitstrafe wegen Meckerns. Die Talsporthalle kochte, das Publikum hielt es nicht mehr auf den Plätzen. Die SG ließ sich davon aber wenig beeindrucken. Marc und Max Bächle hielten die SG mit ihren Würfen von Halblinks im Rennen und verkürzten den Rückstand wieder auf zwei Tore. Doch die Aalener SG biss genauso auf die Zähne. Über den Kreis und schnelle herausgespielte Aktionen im Rückraum konterten sie immer wieder. Der Atem stockte den SG-Fans dann einmal mehr: In der 57. Minute nutzte Hofens Wengert einen Passfehler der Lenninger zum 33:29. Erneut standen die Lenninger vor dem Aus.

20 Sekunden später gab es einen Strafwurf für die Lenninger nach Foulspiel. Max Bächle stellt sich der psychischen Herausforderung. Äußerlich cool, versenkte er die Lederkugel knallhart zum 30:33. Jetzt waren wieder die Täles-Cracks in der Landesliga.

Keinen der Zuschauer hielt es nun auf seinem Platz. Ricki Austen fischte kurz danach geschickt ein Abspiel der Gastgeber ab und verkürzte auf 31:33. In der letzten Minute hielt der erstarkte SG-Torhüter Matthias Carrle einen Wurf von Rechtsaußen und Ricki Austen und Robin Renz konnten mit letzter Kraft noch zwei Treffer für die SG zum 33:33 unterbringen. Das letzte Tor zum 34:33 Endstand ging im kollektiven Jubel der Spieler und Fans unter. Fazit eines aufwühlenden Spiels: Dramatik und Spannung gab es zuhauf, und das alles für 3,50 Euro Eintritt.

Mit dem Landesliga-Aufstieg hat das Team sein lang ersehntes Ziel erreicht. Außerdem hat die Handballregion um die Teck ein neues alleiniges Aushängeschild in der kommenden Saison. Jetzt heißt es für die ebenso erfolgreichen wie ausgelaugten Lenninger Spieler auszuruhen und ein paar Wochen weder eine Sporthalle noch einen Handball zu sehen.

SG Hofen-Hüttlingen: Steinacker, Kramer – Pfründer (2), Oppold, Narciß (14/6), Kraus, Ulmer (2), Wengert (2), Röhrer (6), Bäuerle, Harsch, Pfeilmeier (5), Strobel (1), Funk (2)

SG Lenningen: Carrle, Lamparter- Born , Müller (5), Max Bächle (3/1), Rieke (3), Renz (5), Schmid, K. Ringelspacher (1), Austen (7), Baumann, Haid (1), Fiegenbaum, Marc Bächle (8/3)

Zuschauer: 600

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