Lokalsport

Alb-Scharmützel um eine Handvoll Euro

Fußball Noch hat der TSV Kohlberg von der TG Kirchheim keinen Cent Schadenersatz erhalten. Die Zahlungen nach dem Randale-Nachmittag stehen aus. Von Thomas Pfeiffer

Zwei Tage vor Nikolaus flogen die Fetzen. Demolierte Wände im Umkleideraum, eine kaputte Tür, eine umgeworfene Kasse, fliegende Fäuste zwischen wütenden TG-Spielern und Zuschauern, verbal beleidigte Kohlberger Helferinnen. Als die Polizei mit vier Streifenwagen zum großen Durcheinander am 4. Dezember aufs Kohlberger Sportgelände anrückte, hatte sie ganze Arbeit zu leisten. Das Sportgericht Neckar/Fils hatte beim Herausarbeiten der Schuldfrage nach dem Kreisliga-B5-Fußballspiel ebenfalls jede Menge am Hals. Am Ende, vor wenigen Tagen erst, gab es von den ehrenamtlichen Justiziaren ein einmütiges Votum. Fünf TG-Fußballer sind ab sofort gesperrt und bleiben selbiges bis zu sieben Monate, drei Kicker müssen zur WFV-Gewaltprävention, und 350 Euro gilt‘s vom Verein als Geldbuße in die Neckar/Fils-Kasse einzubezahlen. Die Schuld eines halben Dutzends TG-Spieler beim Randalenachmittag unterm Jusi war für die Mistreiter des Sportgerichtsvorsitzenden Siegfried Bippus (Unterensingen) eindeutig.

Hinzu kommt, dass die TG Kirchheim auch noch zweimal Schadenersatz leisten soll: Kohlberger Extra-Rechnungen über 649 Euro (für eine neue Tür) und 761 Euro (Malerarbeiten im Umkleideraum) gingen dem Verein über das WFV-Postfach bereits zu. Summe eins hat TG-Abteilungsleiter Costa Ciacobbe inzwischen abgenickt („die Tür bezahlt der verantwortliche TG-Spieler“), bei Summe zwei stellt er sich noch quer. Als „zu teuer“ empfindet er die Lackierarbeiten. Alternativ würde er deshalb lieber eine kostengünstiger arbeitende Fachfirma aus seinem persönlichen Dunstkreis wählen. „Die würde es für den halben Preis machen“, sagt Ciacobbe.

In Kohlberg vermuten sie: Dem Kirchheimer Gegenspieler geht‘s allein ums Geld. „Erst meldet sich fast drei Monate lang keiner von der TG bei uns wegen der Schadensregulierung, und dann melden sie sich und wollen nicht bezahlen“, unterstellt Arthur Rehm, der in der TSVK-Gesamtvorstandschaft für die sportlichen Belange zuständig ist, dem Teckstadt-Verein unlautere Absicht. Fußball-Spielleiter Marco Medel pflichtet dem bei.

Doch der Vorwurf, der auf seinen Verein derzeit herunterprasselt, lässt Ciacobbe kalt. „Dass die TG Kirchheim nicht so schnell reagiert hat - beim Sportgericht wie beim TSV Kohlberg - liegt allein daran, dass wir unser WFV-Postfach nicht geleert haben. Unser zuständiger Mitarbeiter befand sich zu diesem Zeitpunkt im Urlaub.“ Ergo sei die Fußballabteilung über die Entwicklung nicht im Bilde gewesen.

Wie‘s weitergeht im Geplänkel um die Finanzleistungen von Kirchheim nach Kohlberg? „Ich werde mich erkundigen, welche juristischen Möglichkeiten es gibt“, sagt Rehm. „Wir werden in den nächsten Tagen intern beraten, wie es weitergeht“, sagt Ciacobbe. Sein Trainer-Nachfolger Tiago Santos-Araujo, seit kurzem Chef der TG-Zweiten, hat ganz andere Sorgen: In Brasilien ist sein 25-jähriger Bruder bei einem Autounfall tödlich verunglückt. „Im Mai werde ich in meine Heimat zurück reisen“, sagt Santos-Araujo.

Für ihn gibt es derzeit Schlimmeres als die Nachzahlung von ein paar Hundert Euro.

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