Lokalsport

„Alle sind zum Diskurs bereit“

Sportpolitik Das erste Treffen des Kirchheimer Stadtverbands für Leibesübungen (SfL) mit Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader hinterlässt auf beiden Seiten einen positiven Eindruck. Von Helge Waider

Unterwegs mit den städtischen E-Bikes im Rahmen der Sportentwicklungsplanung (v. l. n. r.): Christoph Kerner (Sachgebiet Grünflächen), Hans-Joachim Brenner (Stadtverband für Leibesübungen), Gabriele Huttenlocher (Abteilung Bildung), Dr. Stefan Eckl (Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung) und Marco Wanzke (Abteilung Bildung). Foto: privat

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - das gilt auch für die lokale Sportpolitik im Allgemeinen und für den Kirchheimer Stadtverband für Leibesübungen (SfL) im Besonderen. Die Rede ist vom Antrittsbesuch der Sportfunktionäre bei Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader. Eigentlich hätte der Termin zeitnah nach der Amtseinsetzung des Stadt­oberhauptes im März erfolgen sollen. Covid-19 grätschte quasi, um im Sportjargon zu bleiben, dazwischen und eroberte den (Erd-)Ball.

Nun, da sich die Pandemie­lage angesichts optimistischerer oder - je nach persönlicher Einstellung - realistischerer Einschätzungen ob der Gefährlichkeit des Virus etwas entspannt hat, unternahmen die SfL-Funktionäre unter Führung des Vorsitzenden Hans-Joachim Brenner den Besuch, präsentierten sich dem Oberbürgermeister und suchten den Dialog. Schließlich herrscht auch im Rathaus wieder mehr oder weniger „business as usual“.

Dass der Gesprächstermin nun im Kirchheimer Vogthaus, dem einstigen Domizil des Stadtvogtes - quasi des städtischen Sachwalters - stattfand, war freilich nur ein Zufall und einem dort verfügbaren, ausreichend großen Raum geschuldet.

Gesprochen und diskutiert wurde über einige wichtige Punkte, die den Arbeitstitel „10-Punkte-Plan“ hatten. Der SfL-Vorsitzende Hans-Joachim Brenner wollte dies jedoch nicht dogmatisieren: „Wir wollen hier keinen fixen Plan umsetzen, sondern lediglich mit dem Oberbürgermeister über die von uns zu Papier gebrachten Punkte sprechen.“

Eines der zentralen Themen waren dabei die Zuschüsse, die aktuell mit rund 120 000 Euro pro Jahr zu Buche stehen und deren Verteilungsschlüssel wohl nicht zufriedenstellend ist. Die Stadtverwaltung wird hier einen neuen Entwurf einbringen. Zusätzlich wurde dieses Thema auch auf die Agenda der „Kanzelwandtagung“ (siehe Info-Kasten) genommen.

„Runde Tische“ in Planung

Ebenfalls eine Überarbeitung soll der Katalog der Hallenbelegungskriterien erfahren. Hintergrund sind bestehende Engpässe bei der Sporthallenbelegung in der kalten Jahreszeit. Zusätzlich appellierten SfL wie Stadtverwaltung auch an die sporttreibenden Gruppen, flexibler in puncto Übungszeit zu reagieren. Im selben Zusammenhang stand auch die Wiederbelebung der sogenannten „Runden Tische“ in den Schulsporthallen, womit nichts anderes als die regelmäßigen Zusammenkünfte aller in dieser Halle agierenden Schulen und Vereine gemeint ist.

Eine der zentralen Errungenschaften für die Stadt Kirchheim war die Anfang der 2000er-Jahre vom SfL im Zuge einer „Kanzelwandtagung“ ins Leben gerufene Sport-Entwicklungsplanung. Zur Fortschreibung dieser Planung trafen sich im Juli Teilnehmer aus Stadtverwaltung, Vereinen und dem damals wie heute mit der wissenschaftlichen Begleitung betrauten Stuttgarter Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung zu einem Workshop sowie einer Radrundfahrt entlang sämtlicher städtischer Außenanlagen. Auch dieser Punkt wird sich auf der Agenda der Tagung im Kleinwalsertal wiederfinden.

Ein Reizthema ist schon seit vielen Jahren der Neubau eines städtischen Hallenbades, das bis 2030 fertiggestellt sein sollte - ein Thema, das dem SfL besonders am Herzen liegt und das auch im OB-Wahlkampf 2019 von großer Bedeutung war. Folgerichtig schaffte es auch dieser Punkt auf die Agenda im VfL-Haus. Vorab versicherte Dr. Pascal Bader aber bereits, dass ein Projektplan in Arbeit sei und bis 2024 für die Planung im städtischen Haushalt 100 000 Euro eingestellt werden.

Entwarnung gab es hingegen beim Bike-Park in der Jesinger Halde, um dessen Pflege sich der SfL Sorgen gemacht hatte. Das Gelände werde, so die Stadtverwaltung, sehr gut angenommen und die Biker selbst übernehmen, koordiniert vom Projekt „Be Part“, die Pflege.

Kein Wunder also, dass der SfL-Vorsitzende Hans-Joachim Brenner abschließend ein optimistisches Fazit zog: „Alle Gesprächspartner sind zum Diskurs bereit.“

Kanzelwandtagung wird wiederbelebt, Sportlerehrung auf Eis gelegt

Während öffentliche Veranstaltungen mit Publikum nach wie vor die Ausnahme sind, hat der SfL zwei Termine, die im Tagungsmodus unter strikter Einhaltung der vorgegebenen Regeln laufen sollen, festgezurrt. Die Mitgliederversammlung des Verbands, der aktuell 34 sporttreibende Vereine in Kirchheim vertritt und ursprünglich Mitte April angesetzt war, findet am morgigen Donnerstag in der Stadthalle statt.

Gleichfalls fixiert wurde auch die Klausurtagung von Stadtverwaltung, Gemeinderat und Sportvereinen im VfL-Haus in Riezlern. Die Veranstaltung auf der rückwärtigen Bergseite von Oberstdorf hat als „Kanzel­wandtagung“ eine lange Tradition und war in der Vergangenheit Keimzelle für viele erfolgreiche Sport­projekte in Kirchheim. Zuletzt war die Tagung, bei der auch die zwischenmenschliche Komponente ihren Platz hat, vor allem bei den jüngeren Mitgliedern der SfL-Vereine auf wenig Resonanz gestoßen. Die Tagung 2018 war aus diesem Grund in das Vereinssportzentrum des VfL verlegt worden. Als neuer Termin wurde nun das Wochenende vom 25. bis 27. September festgelegt.

Die Sportlerehrung muss der Pandemie geschuldet hingegen vorerst gestrichen werden. Bekanntlich werden Ende Januar eines jeden Jahres in der Stadthalle gewöhnlich die verdienten Sportlerinnen und Sportler der Teckstadt und ihrer Vereine für herausragende Leistungen im abgelaufenen Jahr geehrt. Die Ehrung für 2020 wird jedoch coronabedingt ausgesetzt. Die Leistungen sollen entsprechend bei der Veranstaltung im Januar 2022 gewürdigt werden - sofern es die Verhältnisse bis dahin zulassen. wai

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