Lokalsport

Allein unter Männern

Volleyball Lyubka Sharalieva trainiert seit knapp drei Monaten die Männermannschaft der SG Volley Neckar-Teck.

Sie hat hier das Sagen: Lyubka Sharalieva trainiert seit Ende November die Oberliga-Volleyballer der SG Neckar-Teck.Foto: Carste
Sie hat hier das Sagen: Lyubka Sharalieva trainiert seit Ende November die Oberliga-Volleyballer der SG Neckar-Teck.Foto: Carsten Riedl

Dettingen. Mit ihren rosa Sportschuhen und den langen braunen Haaren fällt sie zwischen all den durchtrainierten Männern auf. Doch das war’s auch schon fürs Erste mit den typisch femininen Merkmalen, denn man merkt schnell: Sie hat hier das Sagen.

Lyubka Sharalieva trainiert seit knapp drei Monaten das Oberliga-Volleyballteam der SG Volley Neckar-Teck. Das Besondere: Es ist eine Männermannschaft. Was im Fußball oder Basketball trotz aller Emanzipation noch immer eine Sensation wäre, ist im Volleyball inzwischen angekommen - wenn auch höchst selten.

Eines ist klar: Lyubka Sharalieva ist eine Frau, die Eindruck macht. Mit ihrer Größe von 1,80 Metern verschafft sich die 29-Jährige allein schon optisch Respekt. Ganz zu schweigen von ihrer sportlichen Kompetenz. Sharalieva spielt selbst im Regionalliga-Team der Dettinger Frauen und hat auch zuvor schon jahrelang höherklassig Erfahrung gesammelt. Sie ist Kumpeltyp und Chef in einem. Die Spieler duzen sie - „Coach“ oder „Trainer“ ist auch okay.

„Ich war schon immer verrückt nach Volleyball. Und das merken auch die Jungs, dass da jemand an der Seite steht, der für den Sport brennt“, sagt Sharalieva. Neuland ist das Trainergeschäft für die 29-Jährige keineswegs. Als sie vor zehn Jahren studienbedingt aus Bulgarien nach Konstanz zog, begann sie als Jugendtrainerin. Später zog es sie ins Schwabenländle, erst nach Fellbach, anschließend nach Schmiden - stets in der Kombination als Spielerin und Trainerin.

Ursprünglich war geplant, dass die Bulgarin schon vor der Saison das Zepter bei der SG Volley Neckar-Teck übernehmen sollte. Wieso das nicht zustande kam, zeigt deutlich wie Lyubka Sharalieva tickt. Ihre vorherige Station, die zweite Damenmannschaft Schmidens, hatte noch keinen Nachfolger für sie parat, „deshalb wollte ich das Team nicht von heute auf morgen im Stich lassen und habe eben so lange mit dem Wechsel gewartet, bis sie einen Trainer gefunden hatten.“

Überrascht von der Anfrage eine Männermannschaft zu trainieren, sei sie hingegen nicht gewesen. Nicht zuletzt deshalb, weil im regionalen Volleyball verfügbare Trainer rar sind. „Durch meine Erfahrung und die Kontakte im Verein war diese Lösung naheliegend. Lieber eine Frau als Trainer als gar keinen, dachten sich vielleicht auch die Jungs“, scherzt die Esslingerin.

Ihre Spieler wissen das Engagement der Bulgarin jedenfalls zu schätzen. „Wir sind sehr glücklich mit ihr. Sie kann uns noch einiges beibringen, weil sie enorm viel Wissen und Erfahrung hat. Allein dadurch genießt sie großes Ansehen“, sagt Zuspieler Stephan Lehmann. Besonders zwei Eigenschaften mache die hauptberufliche Informatikerin aus. „Sie ist verrückt nach taktischen Kniffen und analysiert jeden Spielzug bis ins kleinste Detail. Außerdem bleibt sie während des Spiels immer total cool.“

Fünf- bis sechsmal die Woche steht die 29-Jährige in der Halle. Der Mix aus aktiver Spielerin und Trainer-Dasein bereitet ihr keine Probleme. Ganz im Gegenteil. „Ich habe seitdem viel mehr Verständnis für die jeweils andere Seite.“

Hochzeit mit „Gegner“ steht an

Erst Rivalen, dann Partner fürs Leben: Am letzten Spieltag der Saison empfängt die SG Volley Neckar-Teck Ende März die SV Remshalden. Auf dem Feld steht für die Gäste dann auch Alexander Rund, der Verlobte von Lyubka Sharalieva. Zumindest für diese Zeit dürfte der Haussegen dann etwas schief hängen, denn während die SG Volley noch auf den Aufstieg schielt, geht es für die Remshaldener um den Klassenerhalt. „Das wird sicher komisch. Aber Mitgefühl gibt es da während des Spiels nicht, wir wollen selbst unbedingt gewinnen“, kündigt die Bulgarin ehrgeizig an. Eines ist jedoch trotz allem sicher: Selbst wenn Lyubka Sharalieva mit ihrem Team an diesem Tag ihren Verlobten zum Abstieg schießen sollte - in der wohlverdienten Sommerpause steht die Hochzeit der beiden ins Haus.

Wie es kommende Saison weitergeht, ist derweil unklar. Sharalieva jedenfalls würde gerne weitermachen: „Wir haben noch keine Gespräche geführt, deshalb weiß ich nicht, was der Verein plant. Aber ich kann mir ein weiteres Jahr gut vorstellen.“ Max Pradler

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