Lokalsport
Am Himmel über Kirchheim geht’s wieder rund

Segelflugsport Nach fast dreijähriger Flaute startet der renommierte Hahnweide-Wettbewerb wieder durch. Vom kommenden Samstag an herrscht unter der Teck acht Tage lang internationales Flair. Von Reimund Elbe

Als am späten Abend des 1. Juni 2019 in den Fliegerhallen auf der Kirchheimer Hahnweide fleißige Helfer das Licht ausmachten, ahnten sie noch nicht, dass dieser simple Routineakt zum Ende des Hahnweide-Wettbewerbs zu einem mit großer Symbolik werden würde: Fast drei endlos wirkende Jahre ohne den Kirchheimer Veranstaltungsklassiker sollten folgen.

Niedergeschlagenheit und Nachdenklichkeit weichen nun kollektiver Freude, denn es besteht kein Zweifel mehr: Vom kommenden Samstag bis 28. Mai kehrt das international renommierte Event auf die große Bühne des Segelsports zurück. Im dritten Anlauf die 54. Auflage. „Alles wird so sein wie früher“, sagt Wettbewerbsleiterin Laura Maciej.

Wie früher – das bedeutet ein hochkarätiges Starterfeld mit Pilotinnen und Piloten aus Europa und Übersee, zig Welt- und Europameister am Start plus viel gesellschaftliches Leben neben der Start- und Landefläche. „Ende März waren wir zunehmend optimistisch, dass es in diesem Jahr wieder klappen könnte“, erinnert sich Maciej an den Wechsel von der Zweifel- in die Zuversichtsphase. „Manche Unterlagen mussten wir in der Vorbereitung allerdings zweimal in die Hand nehmen“, beschreibt Sportleiter Rainer Rauch die teils verloren gegangenen Automatismen im Team, bedingt durch die Zwangspause. Statt zwei großen Vorbereitungstreffen habe es diesmal ein halbes Dutzend gegeben.

Nun vermeldet Rauch kurz vor dem Auftakt einen Organisationsgrad von „weit über 90 Prozent“. Nur noch Kleinigkeiten müssten geklärt werden. Die großen Aufgaben, wie das Ausleihen von Schleppmaschinen von anderen Klubs ergänzend zu den zwei klubeigenen Gerätschaften, seien längst erledigt.

110 Flugzeuge stehen beim Hahnweide-Wettbewerb auf der Meldeliste sowie rund 135 Pilotinnen und Piloten. „Das Meldeergebnis ist hervorragend, zudem haben wir eine hohe Internationalität und Leistungsdichte“, ordnet Segelflug-Weltmeister Tilo Holighaus die nackten Zahlen ein. Insbesondere in der 18-Meter-Klasse, mit 39 Flugzeugen am stärksten besetzt, tummeln sich internationale Größen der Segelflugszene. Ausgeschrieben sind insgesamt fünf Klassen.

„In unserem Sport herrscht gerade eine regelrechte Aufbruchstimmung, alle haben ein Grinsen im Gesicht“, berichtet Holighaus, der in seiner Funktion als Bundestrainer in diesem Jahr bereits grenzüberschreitend unterwegs war. Diese Freude und der Tatendrang werde auch in Kirchheim zu spüren sein, vermutet er.

Die Segelfliegerinnen und Segelflieger dürften in der Teckregion auf professionelle Verhältnisse treffen. 40 Helferinnen und Helfer kümmern sich seitens der Fliegergruppe Wolf Hirth täglich um die Teilnehmenden sowie die Abläufe vor Ort. „Im Vorfeld spielen wir einen Veranstaltungstag mit allen Details durch“, lässt Sportleiter Rauch hinter die Kulissen blicken. Die Generalprobe reiche von der Streckenwahl, dem Ausarbeiten der fliegerischen Aufgaben bis hin zur Auswertung. „Bis alle Ergebnisse feststehen, kann es schon mal 23 Uhr werden“, weiß Laura Maciej. Die Wettbewerbsleiterin kann und darf das Thema Pandemie noch nicht ganz beiseite schieben. „In den Büros und in Bereichen, in denen wenig Abstand möglich ist, raten wir dazu, eine Maske zu tragen“, sagt sie.

In der Fliegergruppe Wolf Hirth steigt jedenfalls, auch wegen der langen Zwangspause zuvor, die Anspannung. „Doch wir haben ein tolles Team“, gibt Sportleiter Rauch den Motivator – eine gute Basis, um das Comeback des Hahnweide-Wettbewerbs zu einem der erfolgreichen Sorte werden zu lassen.

Der Wettbewerb in den Sozialen Medien

In den fast drei Jahren Hahnweide-Pause haben die sozialen Medien weiter an Bedeutung gewonnen – was auch für den Wettbewerb Folgen hat. „Wir wollen, dass sich noch mehr jüngere Leute für die Veranstaltung interessieren“, betont Sportleiter Rainer Rauch von der Fliegergruppe Wolf Hirth. Ds gesteigerte Interesse soll deshalb eine junge Frau stillen, die frisch vom Abitur kommt: Amelie Holighaus wird beim Wettbewerb tagtäglich Instagram, Facebook und YouTube mit Geschichten füttern. Dass sie weiß, wovon sie schreibt und redet, steht außer Frage: Die Tochter von Weltmeister Tilo Holighaus schwebt regelmäßig selbst als Pilotin durch die Lüfte. rei