Lokalsport

Am Mittwoch gegen die Bayern

Basketball Nach der verheerenden Niederlage in Heidelberg halten die Knights noch immer alle Trümpfe in der Hand – vorausgesetzt, sie nutzen ihren Heimvorteil. Von Bernd Köble

Jetzt ist der Psychologe gefragt: Das dritte Spiel am Mittwoch zu Hause könnte für Michael Mai und seine Mannschaft bereits vore
Jetzt ist der Psychologe gefragt: Das dritte Spiel am Mittwoch zu Hause könnte für Michael Mai und seine Mannschaft bereits vorentscheidend sein.Foto: Tanja Spindler

Es ist die Arbeitsleistung einer ganzen Saison. Jetzt muss sich zeigen, was der so mühsam erkämpfte Heimvorteil in der Endrunde wert ist. Für Kirchheims Cheftrainer Michael Mai gilt es morgen Abend nicht zum ersten Mal, böse Geister zu verscheuchen. Der Auftritt seiner Mannschaft am Sonntag in Heidelberg, wollte man irgend etwas Positives daraus ziehen, dann wohl dies: alles schon mal da gewesen, alles wenig rätselhaft. Müde Krieger? Nein, sagt der Coach. Die Tendenz, in den Energiesparmodus zu schalten, sobald der größte Druck nachlässt, ist ein Wesenszug seines Teams, der ihn schon seit Monaten beschäftigt. Erwischt der Gegner einen Glanztag - so wie am Sonntag - tut es richtig weh. Michael Mai vertraut darauf, dass auch der Umkehrschluss gilt: Auf wachsenden Druck hat das Team bisher meist mit Leistung reagiert. Was das für das morgige dritte Spiel in eigener Halle (20 Uhr) bedeutet? „Wir werden eine andere Mannschaft sehen als am Sonntag“, verspricht der Coach. „Das wird für beide Teams das Schlüsselspiel.“

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Eine ganz andere Frage, die sich stellt: Wie viele werden überhaupt die Mannschaft sehen? Kirchheim gegen die Bayern. Basketball gegen Fußball. Der Champions-League-Klassiker live im Fernsehen gegen Titelverteidiger Real Madrid ist ernst zu nehmende Konkurrenz im Kampf um eine ausverkaufte Halle. Die Play-offs schwächeln. Nicht nur in Kirchheim, wo im Auftaktspiel am Freitag knapp tausend Fans das Spiel verfolgten. An den ersten beiden Spieltagen blieben alle acht Vertreter, was die Zuschauerzahlen betrifft, unter dem Jahresschnitt.

Dagegen hilft Spannung. Legen die Kirchheimer am Mittwoch vor, können sie spätestens an Ostermontag zu Hause alles klar machen. „Wir müssen jetzt ganz schnell den Speicher löschen“, meint Kapitän Andreas Kronhardt, der genug Play-off-Erfahrung hat, um zu wissen, was nun zählt. „Es war klar, dass wir hier nicht mit 3:0 durchmarschieren“, sagt er. „Dafür sind die Heidelberger viel zu stark.“ Welche Narben die 71:96-Niederlage am Sonntag hinterlassen hat? Kronhardt sagt nur so viel: „Am Mittwoch werden die Uhren neu gestellt.“

Heidelbergs Coach Frenkie Ignjatovic dürfte in der Unistadt am Neckar indes nicht der einzige sein, der bedauert, dass in der Finalserie die Punktedifferenz nichts zählt. „Keiner verliert gerne dreimal hintereinander gegen den gleichen Gegner“, sagt der Coach. „Für uns war es wichtig, endlich diesen Fluch zu besiegen.“ Und wie. 31 Punkte betrug der größte Vorsprung seiner Mannschaft Mitte des dritten Viertels. Schon beim 30:11 nach zehn Minuten war klar, dass dieser herrliche Frühlingssonntag für die Ausflügler aus Kirchheim trübe enden würde. Academics-Forward Bernard Thompson, der in der Saison bisher noch wenig in Erscheinung getreten war, machte das Spiel seines Lebens, verwandelte zehn von zwölf Würfen, davon drei jenseits der Linie. Sein Coach freut sich: „Wir hatten lange Geduld mit ihm“, sagt Ignjatovic. „Die hat sich nun ausgezahlt.“ Thompson war nicht der einzige aus der zweiten Reihe, der einen Glanztag erwischte: Dem 21-jährigen Niklas Ney genügten 18 Spielminuten, um zehn Rebounds einzusammeln. Günstiger Nebeneffekt: Ignjatovic konnte sich den Luxus leisten, Stammkräfte wie Vance Hall, Devin White oder Phillipp Heyden fürs Spiel am Mittwoch länger zu schonen.