Lokalsport

Auch der Verband hat ein Auge auf das neue Spielsystem

Das 51. Teckbotenpokal-Turnier kommt ohne Achtel- und Viertelfinale aus – ​Erfinder Maier will „Leistungsgerechtigkeit“

Auch der Württembergische Fußball-Verband verfolgt neuerdings das 51. Teckbotenpokal-Turnier in Neidlingen: Falls das von Christoph Maier (31) frisch kreierte Spielsystem ohne klassisches Achtel- und Viertelfinale den Geschmack der Spieler und Zuschauer trifft, wird es Auswirkungen auf die derzeit gültigen WFV-Turnierbestimmungen haben.

Teckbotenpokal 2013 in NeidlingenChristoph Maier
Teckbotenpokal 2013 in NeidlingenChristoph Maier

In Neidlingen bestreiten die 24 teilnehmenden Mannschaften insgesamt 58 Spiele – so viele wie nie seit dem Wettbewerbsstart 1961. Die hohe Quantität an Partien ist einem Spielplan geschuldet, der völlig anders gestrickt ist als die Vorgänger: Erfinder Christoph Maier (31) hat beim Erstellen des Tableaus auf die klassischen Achtelfinal- und Viertelfinal-Spielrunden verzichtet und dem Halbfinale stattdessen eine Zwischenrunden-Qualifikationsrunde sowie eine Zwischenrunde mit vier Dreiergruppen vorgeschaltet. Was kompliziert klingt, ist kompliziert. Nicht jeder Zeitgenosse begreift den Modus, der stellenweise sogar den offiziellen Turnierstatuten des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) widerspricht, auf Anhieb.

Auch der Macher selbst ist gespannt, wie gut sein Erstlingswerk die Bewährungsprobe bestehen wird. Am morgigen Freitag, wenn in der Zwischenrunden-Qualifikation die Gruppenzweiten auf die -dritten im K.-o.-System prallen, wird Christoph Maier etwas schlauer sein. Da folgt nämlich der wohl diskutabelste Part seiner Regularien: Endet ein Spiel nach 60 Minuten unentschieden, kommt automatisch jene Mannschaft weiter, die in der Vorrunde besser platziert war. Das sonst obligatorische Elfmeterschießen entfällt. „Dieser Modus ist leistungsgerechter als der normale K.-o.-Modus, in dem es erfahrungsgemäß so manchen Sieger gibt, der einfach nur Glück gehabt hat“, behauptet Maier. Bei der Spielplanerstellung trieb ihn vor allem der Gerechtigkeitsgedanke um: Ein Zufalls-Endspiel soll es in Neidlingen nach seinem Willen partout nicht geben. Selbiges war im Übrigen offenbar auch der Wunsch des Neidlinger Teckbotenpokal-Komitees, das den Maierschen Spielplan bei der entscheidenden Abstimmung im Herbst 2012 ohne lange Diskussionen abgesegnet hatte. Ausschussmitglied Reiner Kuch: „20 Leute saßen im Gremium, und es ging darum, ob wir spielplantechnisch einen neuen Weg einschlagen oder den klassischen Modus beibehalten. Gegen Christophers Modell gab es keine Gegenstimme.“ Auch deshalb, weil sechs Zusatz-Partien dem Verein ja auch wirtschaftliche Vorteile bringen.

Nach dem Verein musste Christopher Maier auch noch den WFV davon überzeugen, dass sein neuartiges Turnierkonzept einen Versuch wert ist. Schließlich hatte der TVN-II-Fußballer und Diplomingenieur an der Uni Stuttgart jenes Glück, das ihm nach zig unbezahlten Arbeitsstunden in seiner Freizeit auch zustand: Der Fußballverband lässt sein außergewöhnliches Spielsystem nach interner Beratung im Spielausschuss als Modellversuch bei Privatturnieren zu. „Sollte es beim Teckbotenpokal erfolgreich sein, werden wir unsere Turnierstatuten flexibilisieren“, kündigte Jose Macias von der Abteilung WFV-Spielbetrieb an. Christoph Maier wird‘s freuen: Neben den Fans in Neidlingen sind sie auch in Stuttgart auf das neue Spielsystem gespannt.

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