Lokalsport

Auch ohne Corona herrscht Krise

Skisport Der schneelose Winter hat in der Teckregion einen negativen Trend beschleunigt: Es fehlt an rennsportbegeistertem Nachwuchs. Von Martin Moll

Schneemangel sorgt in der Region für schwindendes Interesse am Skisport - mit dramatischen Folgen für die Vereine. Foto: Jean-Lu
Schneemangel sorgt in der Region für schwindendes Interesse am Skisport - mit dramatischen Folgen für die Vereine. Foto: Jean-Luc Jacques

Der alpine Skirennsport steckt nicht nur wegen der Corona-Pandemie in der Krise. Die Entwicklung im gesamten Schneesport in der Region ist beängstigend und hinterlässt Spuren. Nicht erst in diesem schneelosen Winter ist das Potenzial von sportlich skifahrendem Nachwuchs in den Teckvereinen derart zurückgegangen, dass ein Vakuum zu befürchten ist, das sich immer schwerer füllen lässt.

Zumal sämtliche heimischen Rennveranstaltungen wie der Teckpokal, die Tälesmeisterschaften, Vereinsmeisterschaften, Bezirksrennen und Bezirksmeisterschaften, die Leki-Race-Challenge oder die legendären Abfahrtsrennen um den Reußenstein- und Bläsibergpokal wegen Schneemangels abgesagt werden mussten oder gar nicht erst angesetzt wurden.

Nur die Verbände mit ihren Spitzenläufern sind mit einem blauen Auge davongekommen. Die wichtigsten Rennen und alle Meisterschaften konnten auf dieser Ebene durchgeführt werden, bevor das Coronavirus nach der letzten Veranstaltung am 8. März mit dem „Sölden-Gedächtnisrennen“ die Saison, die noch bis Anfang April gelaufen wäre, jäh gestoppt hatte.

Interesse an Wintersport sinkt

Der schneelose Winter nicht nur auf der Schwäbischen Alb, sondern bis hoch in die unteren Mittelgebirgslagen bedeutete auch für die gut gerüsteten heimischen Skischulen eine Katastrophe, die die Problematik der Nachwuchsgewinnung der Vereine zusätzlich verstärkt. Die unkalkulierbare Schneesituation wirkt sich nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich und finanziell belastend aus. Wenn kein Schnee in unmittelbarer Nähe vorzufinden ist, wird niemand großes Interesse verspüren, Wintersport, insbesondere Rennlauf zu betreiben. Ein paar Urlaubstage im Schnee verbringen oder sich an kommerziellen Ausfahrten erfreuen, wird zur Regel. Der weitere Schritt zum alpinen Rennlauf mit dem hohen Aufwand wollen nur noch ganz wenige betreiben. Außerdem wird aufgrund der geografischen Lage viel zu viel Zeit auf der Straße verbracht für gute Trainingsmöglichkeiten im Allgäu oder in den Gletscherregionen.

Der Schwäbische Skiverband (SSV) sowie die Leistungssport GmbH der drei Baden-Württembergischen Skiverbände (SBW) als national zweitstärkster Landesverband hinter Bayern sind mit ihren neu entwickelten Nachwuchsförderkonzepten und mit ihrer strukturellen Ausrichtung gut aufgestellt. Jetzt kommt es auf die regionalen Stützpunkte an, die eng mit den rennsportwilligen Vereinen zusammenarbeiten sollen, um den Nachwuchs zu sichten und zu fördern.

Doch nicht nur aus den Vereinen der Teckregion kommt immer weniger Potenzial. Es lohne sich einfach nicht mehr, wegen ein bis zwei Athleten solch zeitintensiven Aufwand zu betreiben. Vom Idealismus früherer Zeiten ist nicht mehr viel übrig geblieben. Es fehlen die heimischen Idole, die das Rad weiter drehen.

Renngemeinschaften als Lösung?

Bleibt eigentlich nur noch der Schulterschluss. Bereits bestehende Trainings- und Renngemeinschaften müssen wieder mehr gelebt und ausgebaut werden. Dies bedarf jedoch mehr Struktur. Vor rund zehn Jahren speisten die Teckvereine VfL und SVL Kirchheim, TSV Jesingen, TSV Weilheim, TV Neidlingen, SF Dettingen, TV Unterlenningen, TSV Schopfloch und die SLA Lenningen die Schüler- und Jugendkader des ehemaligen Bezirks „Mittlere Alb“ mit rund 25 Rennläufern, die über die Bezirksrennen hinaus auch an Verbandsmeisterschaften teilnahmen. Diese Zahl hat sich mittlerweile weit mehr als halbiert.

Teckläufer überzeugen mit Titeln und Topplatzierungen

Die rennsportliche Bilanz der wenigen Läuferinnen und Läufer aus der Teckregion fällt für die zu Ende gegangene Saison gut aus. Neben drei schwäbischen Titeln, zwei durch Pascal Bischof (SF Dettingen) im Riesenslalom und Slalom und Emely Schäfer (TSV Jesingen), die Jugendmeisterin im Riesenslalom wurde, überzeugte Titelverteidiger Pascal Bischof als Dritter im Gesamtklassement des Deutschlandpokals.

Mit den Zwillingen Thore und Rosa Reiser aus Ötlingen, die für den TSV Weilheim starten, sowie dem Kirchheimer Paul Schweiss (SVL Kirchheim) war man im Schülerbereich gut aufgestellt. Die drei Verbands-Kaderläufer konnten etliche Podestplätze einfahren. Für punktuelle Highlights sorgten auch Marc André Bischof (SF Dettingen), Jasmin Linha (TSV Jesingen) und Paul Weimper (SC Wiesensteig).mm

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