Lokalsport

Auch Riesen waren früher Zwerge

Für die kleinsten Basketballer des VfL Kirchheim hängen die Körbe in der Halle noch hoch

Auch wer im Basketball ein Großer werden will, muss klein anfangen. Am Besten in der U 10 des VfL Kirchheim. „Basics“ heißt das Einsteigerprogramm des VfL, in dem schon Sechsjährige den Umgang mit Ball und Gegner erlernen.

Basics-Trainer Jonathan Gritschke lässt sich vom kleinen Ben den Ball abluchsen. Bei den Basketball-Einsteigern ab sechs Jahren
Basics-Trainer Jonathan Gritschke lässt sich vom kleinen Ben den Ball abluchsen. Bei den Basketball-Einsteigern ab sechs Jahren geht es noch nicht um Punkte und Rebounds. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Man muss das Rad nicht jeden Tag neu erfinden, auch wenn Ideenreichtum im Kampf um schwindenden Nachwuchs in den Sportvereinen Gold wert ist. Beim VfL Kirchheim hat man den Großen im Geschäft über die Schulter geschaut. In der Basketball-Bundesliga sind umfangreiche Schulprogramme und vereinsinterne Leistungszentren für den Nachwuchs Standard. In 41 Berliner Grundschulen bietet der achtmalige deutsche Meister Alba Berlin Basketball-AGs an. In Kirchheim sind es immerhin fünf, die die Profis der Knights und die Vereins-Basketballer des VfL gemeinsam betreuen.

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Über eine solche Schul-AG ist auch Ben bei den Basics gelandet. Dort hängen die Körbe noch hoch, jede Menge Spaß gibt es trotzdem. Ben ist acht und bei den Basics fast schon ein alter Hase. Seit zwei Jahren ist er dabei und so etwas wie ein echter Allrounder. Importartikel aus den USA haben es dem aufgeweckten Blondschopf angetan. Deshalb grinst Micky Mouse von seinem grünen T-Shirt und deshalb spielt Ben nicht nur Basketball, sondern nebenbei auch noch Baseball bei den Indians aus Aichelberg. Macht unterm Strich sechs Mal pro Woche Sport, die Basketball-AG in der Schule inklusive. Wenn dann noch Zeit bleibt, wird mit den Kumpels am Nachmittag gekickt. Zu viel? „Nö, das macht Spaß“, meint Ben. Nur am Freitag wird‘s ein bisschen stressig. Dann geht es direkt vom Schul-Basketball zum Baseball. Immerhin hat er somit den direkten Vergleich, und der fällt eindeutig aus: „Basketball ist spannender“, meint er. „Beim Baseball steht man zu viel rum.“

„Rumgestanden“ wird bei den Mini-Basketballern in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte tatsächlich ­wenig. Dafür sorgen die beiden Trainer Marco Wanzke und Jonathan Gritsch­ke. Beide spielen für den VfL in der Oberliga und wissen, worauf es ankommt. Ballbehandlung, Koordination, Spielverständnis, das alles lernen schon die Kleinsten. Wie oft kann man in die Hände klatschen, ohne dass einem der zuvor hochgeworfene Ball auf die Nase fällt? Wie angle ich mir den Ball des Nebenmannes, ohne dass ich ihn dabei aufs Kreuz legen muss?

Wer bei den Basics Talent zeigt, dem stehen schon mit sieben Jahren die Türen in die U 10 offen. Mit großem Ernst geht es auch dort noch nicht zur Sache, doch immerhin wird dann schon übers große Feld auf zwei Körbe gespielt. Körperliche Grundvoraussetzungen gibt es bei den Einsteigern nicht. Schließlich ist aus manchem Zwerg im Lauf der Jahre schon ein Riese geworden. „Es gibt Bundesliga-Klubs, die schicken Talente schon im frühen Alter zum Arzt, um Wachstumsprognosen zu erstellen“, weiß Marco Wanzke. Er selbst achtet mehr auf das, was er als „erkennbaren Basketball-IQ“ bezeichnet. Im Wesentlichen geht es um eine sportliche Grundausbildung, der Rest folgt später. Wanzke selbst ist erst mit 14 Jahren beim Basketball gelandet, davor hat er Fußball gespielt. Allrounder tun jeder Sportart gut. Bis hierher macht Ben also alles richtig.