Lokalsport

Auf den Spuren des Spargelbein-Weltmeisters

Mit 15 Jahren reist er schon durch ganz Europa, aktuell gar nach China. Luca Berti aus Filderstadt ist der beste Speedskater seiner Altersklasse im Land.

Filderstadt. Er ist 1,80 Meter groß, blond und wiegt 65 Kilo – eine richtige „Bohnenstange“, könnte man meinen. Aber Luca Berti aus Filderstadt-Plattenhardt ist ein Kraftpaket, auch wenn man es ihm nicht ansieht. Seine Leidenschaft ist das Speedskaten. „Das ist wie Eisschnelllauf, das kennt man ja aus dem Fernsehen“, erklärt er. „Der Unterschied ist, dass wir auf Rollen fahren und auf verschiedenen Bahnen, die ganz entfernt so aussehen wie die beim Bahnradfahren.“ Es gibt Sprintrennen über 300, 500 und 1 000 Meter sowie Rennen über die Langdistanzen 3 000, 5 000 oder 10 000 Meter.

Ein guter Speedskater sollte nicht nur schnell und ausdauernd sein, er muss auch gut sprinten können. Außerdem sind Cleverness und taktisches Denken gefragt. „Speedskaten ist ein Ellenbogensport, ein gefährlicher, bei dem bis zu 50, 60 Stundenkilometer erreicht werden können“, schildert der 15-Jährige sein Hobby. Mutter Sabine nickt, als ihr Sohn von Massenstürzen beim Start und von seinem schlimmsten Erlebnis erzählt. Ein Konkurrent hatte ihn einmal in Holland unschön aus der Bahn geworfen, im wahrsten Sinne des Wortes. „Es war übel, wie er durch die Luft geflogen und dann bei diesem Tempo über den Belag gerutscht ist. Seine komplette Seite war offen“, erzählt die besorgte Mama. Da sind Platzierungen Nebensache, „Hauptsache er bleibt heil.“

Lässig plaudert der 15-Jährige nicht nur von seinem Pech, sondern auch von seinen Erfolgen: Vergangenes Jahr zwei Mal Deutscher Vize-meister über die 10 000 Meter und im 5 000 Meter-Punkterennen. Dieses Jahr vier Mal Süddeutscher Meister, Sieger in allen Klassen seines Alters. Außerdem überraschend Deutscher Vizemeister im Halbmarathon über 21 Kilometer in Leipzig.

Das Highlight 2016: die Nominierung zur Europameisterschaft im holländischen Heerde. Auch dort konnten sich die Ergebnisse sehen lassen. Vier Mal angetreten, vier Mal Resultate in den Top 20. „In meiner Altersklasse bin ich schon ein Star“, lacht der Blondschopf. Überhaupt ist er ein sympathischer junger Sportler, der auf dem Boden geblieben ist und für den es neben der Realschule in Bonlanden und dem Training in Heilbronn auch noch seine Freunde aus Plattenhardt gibt. „Wenn ich mal Zeit habe, fahren wir zusammen nach Stuttgart oder wir chillen einfach“, erzählt Luca.

Zeit – das ist ein bisschen sein Problem, denn an sechs Tagen in der Woche fährt er mit Papa, Mama oder seinem Skater-Kollegen Fabian nach Heilbronn zum Training. Dort wartet der ehemalige deutsche Bundetrainer der Speedskater, Bernd Rumpus, auf den Filderstädter. Da kommt es schon mal vor, dass der Realschüler seine Hausaufgaben im Auto macht oder auf der Fahrt Englischvokabeln paukt. „Meistens habe ich donnerstags frei, da ist dann Pausentag“, sagt er ganz geschäftsmäßig. Nur wenn Wettkämpfe oder Trainingslager anstehen, ist es anders.

Die Liste seiner Reisen passt eher zu einem internationalen Top-Manager, als zu einem 15-jährigen Schüler. „In den beiden letzten Jahren war ich viel in Deutschland unterwegs, aber auch in Belgien, Österreich, Holland, Madeira, Italien und Zypern.“ Bis jetzt hat es ihm in Heerde am besten gefallen, was aber weniger am Ort lag, sondern daran, dass er als einer von vier Deutschen für die EM nominiert wurde. „Hoffentlich schaffe ich das auch im nächsten Jahr“, wünscht sich Luca. In zwei, drei Jahren soll es dann zur Weltmeisterschaft gehen. „Das ist mein Traum.“ Und der ist absolut realistisch. Denn dann startet Luca Berti bei den Junioren A, die an Welttitelkämpfen teilnehmen dürfen.

Davor fliegt der Filderstädter aber nach China. Zusammen mit seinem Trainingskollegen Fabian und Trainer Rumpus wurde er vom Veranstalter zum „Zhongning International Skating Open“ eingeladen, das noch bis Montag stattfindet – inklusive Flug und Übernachtung. „Ich laufe dort meinen ersten Marathon über 42 Kilometer. Das ist echt der Hammer“, sagt Luca freudestrahlend. Vergangenes Jahr waren bei dem Event rund 1 000 Skater aus 20  Ländern am Start.

Ob er dort auch sein Idol Bart Swings aus Belgien treffen wird? Das ist der mehrfache Europa- und Weltmeister mit den „Spargelbeinen“, sagt Luca. Von ihm will er sich auf jeden Fall noch einiges abschauen. „Ich muss vor allem noch an meiner Kurventechnik arbeiten, da habe ich zu viele Rollphasen“, sagt er kritisch.

Aber dafür hat das Nachwuchstalent ja noch Zeit. Vor fünf Jahren ist er sein erstes Rennen gefahren: „Da war ich immer Letzter und wollte aber trotzdem aufs Treppchen“, erzählt er schmunzelnd. Nach zwei Jahren dann der erste ersehnte Pokal, weitere zwei Jahre später bereits Deutscher Vizemeister. Schnell ist er, dieser Luca Berti, wahrlich.Foto: Yavuz Dural

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