Lokalsport

Aufbruch im Täle

Die SG Lenningen vor dem Comeback in der Landesliga

Die Teckregion hat ein neues Aushängeschild in Sachen Handball. Die Rückkehr der SG Lenningen in die Landesliga gilt vielen Experten als Hoffnungszeichen. Der wohl triftigste Grund dafür: eine Vielzahl junger Talente. Ein anderer heißt Markus Hornung, der neue Mann auf der Trainerbank.

Lenningen. Es gibt kaum einen Job, den er in seinem Sport nicht schon gemacht hätte. Als Spieler im Trikot seines Heimatvereins, dem TSV Wolfschlugen, als Landestrainer am HVW-Stützpunkt auf den Fildern oder als Geschäftsführer und Chefcoach der Zweitliga-Handballerinnen des TV Nellingen. Mit gerade mal 40 Jahren ist Markus Hornung handballerisch mit allen Wassern gewaschen. Nach überstandenen Krisenjahren mit den Hornets in der zweiten Bundesliga sollte 2015 endlich Schluss sein. Das eigene Häuschen auf der Alb, Zeit für Privates, Handball allenfalls zum Zuschauen.

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Das mit dem Eigenheim hat geklappt, privat hat sich vieles verändert, doch der Handball ist geblieben. Das mag an seinen vielen Kontakten liegen, an Lebensgefährtin Sandra, einer ehemaligen SG-Handballerin oder einfach daran, dass ihm Entwicklung immer wichtiger war, als der persönliche Erfolg. Das Gerücht, wonach ihm Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht den Bauplatz in Hochwang nur unter der Bedingung überließ, dass er die SG mit Rat und Tat unterstütze, ist unbestätigt. Tatsache ist: Hornung ist neuer Trainer, und er nimmt die Sache ernst.

Wie ernst, das haben seine Spieler in der Vorbereitung erfahren. Weil die Lenninger Halle in der Ferienzeit dreieinhalb Wochen geschlossen blieb und der Mannschaft wegen der Relegation ohnehin nur eine verkürzte Vorbereitung zur Verfügung stand, hat Hornung seinen Jungs eine Art Trainings-Konzentrat verabreicht, um die verlorene Zeit wettzumachen. Nicht nur durch besonders effektive Trainingsformen, auch mit zwei Einheiten pro Tag. Die erste morgens um halb sechs, droben auf dem Bühl. Keiner hat gemurrt – im Gegenteil: Es hat zusammengeschweißt und dem Trainer signalisiert: Die Mannschaft will.

Und Hornung nimmt alle mit. 23  Kandidaten standen im ersten Training in der Halle, das abschließende Trainingslager vor zwei Wochen hat er mit 44 Spielern bestritten. Bis zuletzt blieb offen, wer aus dem erweiterten Kreis der zweiten Mannschaft seine Chance bekommen wird. Inzwischen stehen Markus Hornung und Co-Trainer Bruno Rieke ein 17-köpfiger Kader zur Verfügung, der das Unternehmen Klassenerhalt in Angriff nehmen soll. Vielleicht das größte Pfund, mit dem die SG in der ersten Saison in der Landesliga wird wuchern können. „Die Mannschaft ist klein gewachsen und körperlich den meisten Gegnern unterlegen“, sagt Hornung. „Dafür sind wir unglaublich ausgeglichen, können jede Position ohne großen Leistungsverlust neu besetzen.“ Vielleicht das größte Plus: Die Mannschaft ist eingespielt, bleibt im Kern fast unverändert. Auch wenn sie mit Ricki Austen, der nach einer Schulter-OP mindestens bis zur Rückrunde fehlen wird, auf einen ihrer gefährlichsten Torschützen verzichten muss. Hinzu kommen junge Talente wie Tobias Baumann, dem Hornung den größten Entwicklungssprung in der Mannschaft attestiert und der parallel noch in der A-Jugend aufläuft. Das gleiche gilt für Luca Bächle, ebenfalls noch Jugendspieler, oder Luca Schweikert, ein Allrounder und bissiger Abwehrstratege, der nach einem Kreuzbandriss zuletzt lange pausieren musste. Dass die Mannschaft über ein spielerisches Gedächtnis verfügt, hat das Turnier in Wolfschlugen gezeigt. Nicht Platz drei war die eigentliche Überraschung, sondern vielmehr die Tatsache, dass die SG ohne eine einzige Trainingseinheit in der Halle ins Turnier gegangen war.

Wenn Hornung von der „schlechtesten Vorbereitung“ während seiner Zeit als Trainer spricht, meint er nicht die Qualität der Inhalte, sondern den vorgegebenen Rahmen. Dass Spieler wegen Urlaubs fehlen, eine Halle wochenlang nicht zur Verfügung steht, für einen, der jahrelang für den Sportbetrieb in der zweiten Bundesliga verantwortlich war, ist das zwangsläufig fremdes Terrain. „Er kommt aus einem Bereich, der mit dem Breitensport nur schwer vereinbar ist“, sagt SG-Abteilungschef Jochen Häußler. Halten würde man ihn trotzdem gerne längerfristig, zumal Hornung von Beginn an auch als Jugend-Koordinator vorgesehen war.

Die Saison wird zeigen, wohin die Reise in Lenningen geht. Als Aufsteiger kann das Ziel nur Klassenerhalt heißen. Für Häußler realistisch: „Wir sind eine starke Heimmannschaft mit tollem Publikum, das hat die Vergangenheit gezeigt.“ Des Trainers Rechnung passt da gut ins Bild: Unterhalb der Top fünf alle Heimspiele gewinnen plus die eine oder andere Überraschung,“ meint Markus Hornung. „Das müsste reichen.“