Lokalsport

Ausgebremst und ausgelaufen

Der Hohenneuffen-Berglauf ist das nächste Opfer des Coronavirus: Die Veranstaltung am 21. Juni ist abgesagt. Archiv-Foto: privat
Der Hohenneuffen-Berglauf ist das nächste Opfer des Coronavirus: Die Veranstaltung am 21. Juni ist abgesagt. Archiv-Foto: privat

Die hiesige Laufsportszene steht still. In Internetforenbeiträgen geht nach dem Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August mittlerweile die Sorge um, dass wegen der Corona-Problematik in diesem Jahr überhaupt kein offizieller Straßen- oder Volkslauf mehr über die Bühne gehen könnte. Eine nicht ganz unbegründete Befürchtung, kommen sich doch beim Laufen Hunderte oder gar Tausende Teilnehmer ganz besonders nah - ob beim Warmmachen, im engen Startbereich und später auf der Strecke. Ein bis zwei Meter Abstand? Mehr Theorie als gängige Praxis.

Frank Klass kennt sich mit der aktuellen Lage bestens aus. Mitte März hatte der Beurener zu den Ers­ten gehört, die kapitulierten. Den traditionellen Bärlauchlauf musste der 41-Jährige absagen, just nachdem die baden-württembergische Landesregierung die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung nochmals verschärft hatte. Nun wurde er zwangsläufig zum Wiederholungstäter. Der für 21. Juni geplante Hohenneuffen-Berglauf ist ebenfalls abgesagt. „Wir bitten um Verständnis und hoffen, euch alle wieder zahlreich am 13. Juni 2021 begrüßen zu können“, heißt es dazu auf der Homepage der Veranstaltung, die wie der Bärlauchlauf zur vier Events umfassenden Serie um den Tälescup zählt. Die dritte und vierte Station am 3. Oktober (Kirchertlauf) und 1. November (Käppelelauf) sind bislang von virusbedingten Absagen verschont.

An einen dünnen Strohhalm klammern sich auch noch die Veranstalter des Notzinger Panoramalaufs - weil jener erst Ende Juli über die Bühne gehen soll. „Doch zu 99 Prozent müssen wir wohl absagen“, gibt Organisator Wolfgang Groß den Realo. Zumal das Geschehen in und um den Eichert stark von Schülerläufen geprägt sei. „Schulen und Kitas sind aktuell zu“, betont Groß, es sei unwahrscheinlich, dass in solch­ einem Umfeld die Bewerbung überhaupt Resonanz finden würde. „Wenn die Durchführung nicht möglich ist, dann ist es eben so“, sagt Groß. Eine Terminverschiebung in den Herbst sei ausgeschlossen, zumal überhaupt nicht sicher sei, ob dann gestartet werden dürfe.

Beim TSV Wendlingen herrscht derzeit vorsichtiger Optimismus, was die Austragung des Stadtlaufs am 7. August betrifft. „Wir sind in den Vorbereitungen“, berichtet Bernd Baumann, Chef der Wendlinger Leichtathleten. Eine Verlegung in den Herbst sieht Baumann skeptisch. „Dort wird es terminlich schon jetzt sehr eng, weil schon zig andere Veranstalter ihre Events verschoben haben“, so der Wendlinger.

Derweil rollt die Absagewelle. „Der Kirchheimer Waldlauf fällt aus“, gibt Oliver Helstab vom TSV Ötlingen offiziell bekannt. Die am 9. Mai vorgesehene Veranstaltung werde auch zu keinem späteren Zeitpunkt im Jahr stattfinden. Der für den 8. Mai geplante Nürtinger Stadtlauf, eine Benefizveranstaltung mit meist über 2 000 Startern, soll dagegen womöglich zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr über die Bühne gehen. „Doch wer weiß schon, wie es in der zweiten Jahreshälfte aussieht“, relativiert Heinz Weyrich aus dem Nürtinger Helferteam.

Haustür als Startlinie

Auf den Herbst verschoben wird der Barbarossa-Berglauf in Göppingen. „Wir suchen einen Alternativtermin“, erklärt Lisa Hartleb von der Eventagentur Staufen Plus. Als augenzwinkernde Alternative gibt es nun zumindest einen virtuelle Variante. „Die Haustür ist die Startlinie“, erklärt Hartleb. Jeder könne dann in seiner direkten Umgebung alleine eine ganz individuelle Strecke starten, die Zeitnahme laufe auf Vertrauensbasis. Per Smartphone-App oder Pulsuhr würden die GPS-Daten aufgezeichnet und dem Wettkampfbüro übermittelt. Laufen in der Region: während der Coronakrise alles andere als ein Gemeinschaftserlebnis. Reimund Elbe

Der finanzielle Schaden hält sich in Grenzen

Die Absagewelle rollt, doch der finanzielle Schaden dürfte sich bei den lokalen Laufveranstaltern in einer überschaubaren Größenordnung halten. „Der Notzinger Panoramalauf ist eben eine reine Freizeitveranstaltung“, unterstreicht Organisator Wolfgang Groß, es würden keine nennenswerten Kosten bei einer Absage auflaufen. Durch fehlende Bewirtschaftung und Startgelder fehlen den Notzingern freilich jene Einnahmen, die jedes Jahr ein Plus im mittleren dreistelligen Eurobereich in die Vereinskasse spülen.

Frank Klass musste derweil schon zähneknirschend eine Rechnung von mehreren Hundert Euro für Werbeflyer begleichen - eine Investition, die sich vor dem Hintergrund der Absage des Hohenneuffenlaufs nicht lohnt. „Aber insgesamt hält sich der finanzielle Schaden im Rahmen“, erklärt Klass.

Ein Schachzug bewahrte unterdessen den TSV Ötlingen vor zusätzlichem Unbill. „Erstmals haben wir in diesem Jahr unsere Veranstaltungs-Shirts ohne Jahresdatum beflocken lassen“, berichtet Oliver Helstab. Nachdem der Kirchheimer Waldlauf nun ausfalle, könnten die Hemdchen im kommenden Jahr verwendet werden - clever. rei

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