Lokalsport

„Aushängeschilder der Stadt“

Sportlerehrung 350 Gäste und 222 Ausgezeichnete. Die Kirchheimer Veranstaltung gerät zum Besuchermagnet. Matt-Heidecker: Hallenbad kommt vorerst nicht. Von Reimund Elbe

Gute-Laune-Matinee: Die Kirchheimer Sportlerehrung machte den Gästen sichtlich Spaß.Fotos: Tanja Spindler
Gute-Laune-Matinee: Die Kirchheimer Sportlerehrung machte den Gästen sichtlich Spaß.Fotos: Tanja Spindler

Ein Königreich für einen Sitzplatz. Die Kirchheimer Sportlerehrung in der Kirchheimer Stadthalle war gestern derart gut besucht, dass einige Nachzügler die Traditionsveranstaltung stehend verfolgen mussten. „Wir waren an der Kapazitätsgrenze“, bekannte Organisator Franz Sziebert nach dem zweistündigen, meist kurzweiligen Feier-Marathon in der tageslichtlosen Halle. Einer der Hauptgründe für den Run auf das gesellschaftliche Ereignis: Mit 222 Personen galt es diesmal „eine Rekordzahl an Sportlerinnen und Sportlern“ (SfL-Vorsitzender Hermann Schnizler) zu ehren.

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Nur wenige Absagen hatten sich die diesjährigen Organisatoren - DLRG-Ortsgruppe und Reit- und Fahrverein Kirchheim - eingehandelt. Unter den Fehlenden war freilich jener Akteur, der für die hochkarätigste Ehrung (Simonsiegel in Gold) vorgesehen war: Weltklasse-Segelpilot Holger Karow (Fliegergruppe Wolf Hirth), Sieger des World Grand Prix im südafrikanischen Potchefstroom, lebt in Bayern und war als professioneller Airberlin-Pilot beruflich verhindert. SfL-Vorsitzender Schnizler wirkte angesichts des regen Interesses am städtischen Ehrungsklassiker in seinen Begrüßungsworten sichtlich entspannt. „Sie alle sind Aushängeschilder der Stadt Kirchheim“, betonte der SfL-Chef an die zu Ehrenden gewandt. Wer in Kirchheim auf die Bühne will, muss mindestens Erfolge auf württembergischer Ebene vorweisen können.

Wie viele Sportarten dabei von Kirchheimern aktuell erfolgreich betrieben werden, erstaunt offenbar auch Stadtoberhaupt Angelika Matt-Heidecker immer wieder aufs Neue. „Steinstoßen, Thaiboxen, Bowling, traditionelles Bogenschießen“, nannte sie als Beispiele sportlicher Vielfalt in der Teckstadt. Die Oberbürgermeisterin umkurvte in ihrer Rede zwar galant das Thema VfL-Vereinszentrum, andere heikle Themen freilich nicht. Wenig Hoffnung machte sie („es werden weiterhin viele Optionen geprüft“) auf einen Hallenbadneubau. Die Kooperation mit Dettingen bleibe bestehen. Was Steffen Bock am Mikrofon - er moderierte zusammen mit Tobias Stein vom RFV Kirchheim - zu einem kleinen Konter verleiten ließ. „Wir sind auf ein Hallenbad für unsere Aktivitäten angewiesen“, lautete der Kommentar des DLRG-Vorsitzenden der Ortsgruppe Kirchheim vor den rund 350 Gästen. Bock und Co. hatten unter anderem 2014 mit der Ortsgruppe und weiteren Unterstützern eine viel beachtete Unterschriftenaktion pro Kirchheimer Hallenbad durchgeführt.

Durchaus Zündstoff bietet auch die verzweifelte Suche der Monkey-Crosser für ein neues Vereins- und Trainingsgelände. „Wir ringen um einen Lösung“, sagte Matt-Heidecker, ohne Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung zu machen. Dass die Monkey-Crosser vom Rad- und Kraftfahrverein Kirchheim nicht unbedeutend in der Teckstadt sind, zeigte die Anzahl der Geehrten - über ein Dutzend Motorsportler des RKV lieferten im vergangenen Jahr Topleistungen ab. Die Oberbürgermeisterin thematisierte zudem, dass die Zuschüsse für die SfL-Vereine „um rund 440 00 Euro für die Jugendarbeit“ erhöht wurden, die Betriebskostenbeteiligungen für die Vereine bei Hallen- und Platznutzungen „allerdings auch um 33 000 Euro“ gestiegen seinen.

Weniger diskussionswürdig waren die Leistungen der geehrten Sportlerinnen und Sportler im vergangenen Jahr. Der mit dem Simonsiegel in Silber geehrte Thai-Boxer Bernardo Martorana rückte sogar mit ganz frischen Lorbeeren an: Tags zuvor hatte der 24-Jährige Kirchheimer in Nürtingen den Deutschen Meistertitel geholt. Im Smalltalk auf der Bühne gab zudem Top-Segelflieger Mario Kießling einen kurzen Einblick in wichtige technische Errungenschaften („die Kollisionswarnsysteme reduzieren die Gefahr von Zusammenstößen in der Luft drastisch“), Rasenkraftsportler Ralf Mutschler zog Parallelen zu anderen Disziplinen („wir haben Gemeinsamkeiten mit Speerwerfen, Kugelstoßen und Hammerwurf“), Kunstturner Simon Paul weihte die Besucher detailliert in die Wertungen des Kunstturn-Mannschaftswettbewerbs ein. Die deutsche Jugendmeisterin Anna Gabric („mein Traum sind die US-Open“) investiert laut eigenen Angaben rund drei bis vier Stunden Tennistraining pro Tag, um diese Vision irgendwann in die in die Realität umsetzen zu können. Die von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen ausgelobten Sonderpreise für besonders talentierte Nachwuchssportler, überreicht von KSK-Regionalbereichsleiter Dietmar Ederle, gingen diesmal an Alina Dutt (Rhythmische Sportgymnastik) und Lasse Pörtner. Wobei Letztgenannter aus guten Grund fehlte: Der junge Tennisspieler kämpfte zeitgleich bei den süddeutschen Hallenmeisterschaften bereits um neue sportliche Meriten.