Lokalsport

Ausverkauf in der Kaderschmiede

Mit Besnik Bekteshi verlässt das nächste Talent die Neckar Riesen

Viel Aufwand für Aufzucht und Hege, doch die Ernte fahren am Ende andere ein. Von diesem Dilemma sind derzeit Ludwigsburgs Basketballer betroffen. Nach den Internatsschülern Stefan Ilzhöfer und Robert Zinn verlässt nun auch Besnik ­Bekteshi die Neckar Riesen.

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Ludwigsburg. Einst waren sie Zimmergenossen im Vollzeit-Internat der Ludwigsburger, jetzt gehen sie getrennte Wege. Die beiden Kirchheimer Stefan Ilzhöfer (18) und Besnik Bekteshi (20) planen ihre Zukunft – ohne die Neckar Riesen. Bekteshi, dessen Vertrag sich mit dem Abstieg der Ludwigsburger zum Saisonende erledigte, hat die Chance zum Ausstieg genutzt. Eine Entscheidung, die man bei den Neckar Riesen offenkundig bedauert. „Wir hätten Besnik gerne behalten“, sagt Pressesprecher Björn-Lars Blank. Man müsse die Entscheidung akzeptieren. „Es zeigt, wie umkämpft der Markt für deutsche Nachwuchsspieler derzeit ist“, meint Blank.

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Die Ludwigsburger büßen derzeit fast die volle Ernte ihrer jahrelangen Nachwuchsarbeit ein. Ilzhöfer zieht es zu den Frankfurt Skyliners, der 18-jährige Robert Zinn findet beim Deutschen Meister in Bamberg eine neue sportliche Heimat, schon vor Wochen hat Knights-Kooperationsspieler Jonathan Maier seinen Abschied verkündet und nun auch noch Bekteshi. Nur Power Forward Johannes Joos, der im Januar seine Volljährigkeit feierte, hält seinem Ausbildungsverein die Treue. Am Dienstag vor dem U18-Länderspiel gegen Frankreich posierte das Trio Ilzhöfer, Zinn und Joos letztmals gemeinsam für den Fotografen – mit der roten Backsteinfassade des Internats im Hintergrund.

Vergangenheit. Warum die Zukunft andernorts verheißungsvoller erscheint, ist eine Frage, mit der man sich in Ludwigsburg derzeit intensiver beschäftigen muss. „Dass wir noch immer nicht mit letzter Sicherheit wissen, in welcher Liga wir in der neuen Saison spielen werden, spielt uns sicher nicht in die Karten“, meint Blank. Trotzdem werde man sich vom seitherigen Weg in der Nachwuchsarbeit nicht abbringen lassen. Die Hoffnung auf eine Bewährungschance in der ersten Liga, von der die Neckar Riesen seit vergangenem Freitag wieder träumen dürfen, scheint beim eigenen Nachwuchs jedenfalls gering zu sein. Besnik Bekteshi könnte vermutlich einen Roman darüber schreiben. Er, der als eines der größten deutschen Talente seines Jahrgangs gilt, kam auch in seiner dritten BBL-Saison in Ludwigsburg über die Rolle des Bankdrückers nie hinaus.

Das Eigengewächs des VfL Kirchheim hat die Reset-Taste gedrückt. Er hat einen neuen Agenten, sucht einen neuen Arbeitgeber und musste vor wenigen Monaten sogar das Gehen neu erlernen. Nach seiner schweren Knieverletzung, die er sich Ende März als „Leiharbeiter“ im Spiel der Knights gegen Heidelberg zuzog, ist der 20-Jährige von einer Rückkehr aufs Spielfeld noch meilenweit entfernt. Frühestens 2014 ist nach Einschätzung der Ärzte an reguläres Training zu denken. Damit dürfte die kommende Saison für den Kirchheimer, der eine Rückkehr zu seinem Heimatverein offenbar kategorisch ausgeschlossen hat, schon jetzt gelaufen sein.

Nicht beendet soll die Zusammenarbeit beider Klubs in Ludwigsburg und Kirchheim sein. Nachdem sich deutlich abzeichnet, dass der Klassenunterschied auch in der neuen Saison bestehen bleibt, wollen beide Seiten in den kommenden Wochen den Dialog suchen. Zwar gibt es derzeit nichts, was eine Kooperation mit Leben füllen könnte, nachdem die Neckar Riesen zuletzt nur Abgänge zu verzeichnen hatten, doch der Wille ist vorhanden. Erste Sondierungsgespräche vor zwei Wochen verliefen vielversprechend. Die Chemie zwischen den beiden Trainern John Patrick und Frenkie Ignjatovic scheint zu stimmen. „Er ist einer, der eine klare Vorstellung hat, für den es keine halben Sachen gibt“, sagt Ignjatovic über seinen Ludwigsburger Kollegen. Nachdem die Trainingszeiten der Kooperationsspieler in der Vergangenheit häufiger Streitthema war, könnte es diesmal also heißen: Ganz oder gar nicht.