Lokalsport

Ausweichen kommt in Mode

Kreisligafußball Die Vereine in der Teckregion helfen sich immer häufiger untereinander, um die Zahl der witterungsbedingten Spielausfälle wie gestern zu reduzieren. Von Reimund Elbe

Sportplatz gesperrt? Wohl dem, der helfende Nachbarvereine hat. Symbolbild: Carsten Riedl
Sportplatz gesperrt? Wohl dem, der helfende Nachbarvereine hat. Symbolbild: Carsten Riedl

Nie war er so wertvoll wie heute: Der Kunstrasenplatz an der Jesinger Allee wurde am gestrigen Sonntag gleich für drei Klubs zum Rettungsanker. Um 12.15 Uhr eröffnete der TSV Jesingen II bei Tauwetter den Kickertriathlon mit der B6-Partie gegen den TSV Beuren. Anschließend duellierten sich in der Kreisliga A2 der in seiner angestammten Umgebung kickende Tabellendritte AC Catania Kirchheim und der TSV Altdorf, abschließend B-Ligist TG und die SG Linsenhofen/Neuffen.

Der Frost der vergangenen Tage schweißte die Klubs der Teckregion enger zusammen. Nachbarschaftshilfe war angesagt. So feierte der TSV Jesingen mit seiner B-Liga-Partie auf dem VfL-Kunstrasenplatz gar eine Premiere als Gast in dortigen Gefilden. „Wir haben auf dem Hauptplatz in den Lehenäckern aktuell ein Wurmproblem, und der Platz ähnelt einer Marslandschaft, auch der Nebenplatz ist aktuell für ein Punktspiel ungeeignet“, erläuterte Peter Martsch aus der Jesinger Fußballabteilungsleitung den ungewöhnlichen Geländewechsel. Dabei stießen die Jesinger gestern geschickt in den einzig freien Zeitkorridor zwischen 13 und 15 Uhr.

Dass übrigens die Jesinger „Erste“ nicht für ihre Partie gegen die SpV 05 Nürtingen auf jenen freien Termin auswich, hatte laut Martsch einen simplen Grund: „Wir wollen das Kreisliga A-Heimspiel auch zu Hause austragen, es ist für uns einfach lukrativer.“ Neuer Termin für das Duell gegen die Nürtinger ist der 15. März.

Der miserable Zustand mancher Rasenplätze nach Dauerfrost, anschließendem Tauwetter oder anderweitigen Problemen wie in Jesingen entschärfte noch mehr traditionelles Konkurrenzdenken. So fand das Kreisliga B5-Team des TSV Kohlberg gestern erstaunlicherweise ausgerechnet beim Erzrivalen VfB Neuffen für sein Punktspiel Unterschlupf. Hintergrund: Der Bau des eigenen Kunstrasenplatzes in Kohlberg ist ins Stocken geraten, das Wort in dieser Causa haben aktuell Gutachter und Juristen. Der Rasenplatz ist wie meist am Winterende unterm Jusi unbespielbar. „Deshalb dürfen wir bereits in unserer Not aktuell beim VfB auf dessen neuem Kunstrasenplatz trainieren“, erklärt Kohlbergs Spielleiter Marco Medel.

So waren die Wege kurz. Zum Wochenanfang hatte Medel die Idee, das Match gegen Marsonia Frickenhausen im Nachbarort zu verlegen, zumal in Neuffen keine VfB-Heimspiele anstanden. TSVK-Trainer Martin Schaich kontaktierte schließlich Neuffens Funktionsträger Lars Flammer, der den Weg zur Austragung der Partie unbürokratisch ebnete.

Auch beim FC Frickenhausen „mietete“ sich gestern ein Gast ein. Der TV Tischardt duellierte sich in den Abendstunden im Tischardtegart auf Kunstrasen mit der SG Ohmden/Holzmaden.

Das Kreisliga A-Topspiel zwischen dem TSV Grafenberg und der SF Dettingen fiel gestern derweil gänzlich ins Wasser, wie viele andere Partien auch. „Unser Sportplatz liegt sehr schattig, der Boden war tagelang hart gefroren, ist folglich nicht mehr rechtzeitig bespielbar geworden“, sagte Grafenbergs Sprecher Tobias Gugel. Bis kommenden Donnerstag soll alles wieder im Lot sein. Die Wetteraussichten stimmten ihn optimistisch. Anfragen für einen Kunstrasenkick auf anderen Sportgeländen hatten die Grafenberger erst gar nicht abgeschickt. „Wir wollen ein Topspiel wie gegen die Dettinger nicht irgendwo auf einem kleinen Kunstrasenfeld spielen“, betonte Gugel, „dann warten wir lieber ab, bis das Wetter wieder mitspielt.“

Falls ja, wird der Hit am Donnerstag um 19 Uhr in der Sportanlage Buckenwiese angepfiffen.

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