Lokalsport

Bescheidenheit vor der Zäsur

Der TSV Weilheim steht in der Fußball-Landesliga vor dem großen Umbruch

Bescheiden ist das letzte Ziel, das sich der TSV Weilheim in der Fußball-Landesliga vor dem Heimspiel morgen gegen den TSV Buch gesetzt hat – ein Platz unter den ersten Fünf.

TSV Weilheim (rot) - SV Ebersbach (blau),Michele Latte beim Elfmeter zum 3:0
TSV Weilheim (rot) - SV Ebersbach (blau),Michele Latte beim Elfmeter zum 3:0

Weilheim. Trainer Chris Eisenhardt und sein Assistent Danell Stumpe sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden, wenn sie nach dem Rücktritt von Chefcoach Alexander Hübbe die Regie übernehmen. Für sie gilt es dann, ein ganz neues Team zu formen. Einige Spieler werden den Verein verlassen. Andere bewährte Kräfte hängen ihre Kickstiefel an den Nagel.

So Emrah Polat, der gerade zum zweiten Mal Vater geworden ist und sich künftig mehr der Familie widmen möchte. Auch Bastian Treiber, Hannes Ihring und Martin Kirschmann hören auf. Offen ist die sportliche Zukunft von Lukasz Majowski, Servet Isik, Salvatore De Rosa und André Kriks. Letzterer will bis Montag bekannt geben, ob er bleibt oder nicht. „Wir würden ihn gerne halten“, versichert Eisenhardt.

Definitiv verabschieden wird sich Michele Latte – er wechselt zum vo­raussichtlichen Bezirksliga-Aufsteiger TSV Oberensingen. „Nach zwei schweren Verletzungen ist der Aufwand in der Landesliga für mich zu groß. Außerdem brauche ich mehr Freiraum für die Meisterschule. Es war eine schöne Zeit in Weilheim, aber der Beruf geht vor.“ Am 3. Juni wird die Platte aus seinem lädierten Fuß entfernt. Möglicherweise wird er sich danach noch der zweiten Mannschaft des TSV zur Verfügung stellen, wenn es zu Relegationsspielen zur Kreisliga  A kommt. Vier weitere Spieler aus dem Landesliga-Kader sollen jetzt schon mithelfen, den Aufstieg zu schaffen (Uttikal, Isik, Salzer, Stiefelmeyer).

In Anbetracht des ausgedünnten Aufgebots stellt sich Eisenhardt gegen Buch ausnahmsweise noch einmal als Spieler zur Verfügung. Sein letzter Einsatz in der Aufstiegs-Relegation gegen Ravensburg liegt ein Jahr zurück. Das Hinspiel in Buch hat Weilheim 2:0 gewonnen. Als „eine Mannschaft, die bis zur letzten Sekunde kämpft“ bezeichnet der Comebacker den stark abstiegsbedrohten Gegner.

Im Blickpunkt des 27. Spieltags steht das Gipfeltreffen zwischen dem Zweiten SV Ebersbach und Spitzenreiter Calcio Leinfelden-Echterdin­gen. „Für uns ein Endspiel. Wenn wir verlieren, sind wir weg vom Fenster. Das wäre schade. Dann hätten wir uns um die Früchte einer sehr guten Saison gebracht“, betont Pressewart Oliver Konya. Ebersbach war lange Primus der Staffel 2, schwächelte aber zuletzt. Ausgenommen die Abwehr. Das Problem der Filstäler liegt im Angriff. 39 Tore sind für einen Titelkandidaten zu wenig. Selbst die Aufsteiger Hofherrnweiler und Nürtingen haben mehr erzielt (je 44). Calcio hat vier Punkte Vorsprung und würde selbst bei einer Niederlage noch von der Spitze grüßen.

Ganz entspannt beobachtet der TSV Bad Boll die weitere Entwicklung. Hält sein momentaner Aufwärtstrend an, dürfte die Mannschaft der Stunde auch die Hürde Ebnat ohne Schwierigkeiten überspringen. Die Teilnahme an der Aufstiegsrunde, sogar die Meisterschaft ist möglich, denn Calcio und Ebersbach müssen noch nach Boll. „Wir sind in einer Situation, in der wir noch nie waren. Völlig unerwartet, für uns alle unfassbar“, sagt Spielleiter Günther Ascherl.

Aber will der TSV überhaupt nach oben? Zweifel sind angebracht. Kaum noch Derbys dann. Weniger Zuschauer. Weitere Wege. Höhere Kosten. All das schreckt ab. „Auch müssten wir uns die Frage stellen, ob unser brutal junger Kader verbandsligatauglich wäre“, meint Ascherl. Das hört sich nicht gerade nach wachsender Begeisterung für die Verbandsliga an.

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