Lokalsport

Bienenstich setzt Schaf schachmatt

Kirchheimer Sprinter verpasst WM-Qualirennen

Wenn heute die deutsche 4 x 100-Meter-Staffel den Flieger Richtung Moskau zur WM besteigt, wird einer nicht dabei sein: Kirchheims Alex Schaf wurde vor dem entscheidenden Qualirennen im wahrsten Sinne des Wortes ausgestochen.

Hätte sich beim Ausscheidungsrennen in Weinheim eine Zeit um 10,20 Sekunden zugetraut: Alex Schaf. Foto: Ralf Görlitz
Hätte sich beim Ausscheidungsrennen in Weinheim eine Zeit um 10,20 Sekunden zugetraut: Alex Schaf. Foto: Ralf Görlitz

Kirchheim. Eine Biene hat den Kirchheimer 100-Meter-Sprinter Alex Schaf womöglich um ein Ticket zur Leichtathletik-WM in Moskau gebracht. Einen Tag vor dem letzten Ausscheidungsrennen in Weinheim vergangenen Freitag, stach das schwarz-gelbe Insekt den VfB-Sprinter – an sich eine harmlose Sache, hätte sich die Einstichstelle nicht so heftig entzündet, dass Schaf vom Arzt krank geschrieben werden musste und eine Ration Antibiotika verordnet bekam. „An Training oder Wettkampf war nicht mehr zu denken. Dabei war ich wieder richtig gut drauf“, ärgert sich Schaf.

Nach eher schleppendem und von diversen Verletzungen geprägtem Saisonbeginn war der 26-Jährige Mitte Juli endlich in Schwung gekommen. Beim Abendsportfest in Köngen hatte Schaf seine Saisonbestzeit auf 10,35 Sekunden verbessert, wähnte sich auch vor dem Hintergrund abklingender Verletzungsbeschwerden wieder auf einem guten Weg. „In Weinheim hätte ich eine Zeit um 10,20 laufen können“, glaubt er, der damit schlagartig in den Kreis der Staffelanwärter für Moskau gekommen wäre.

Auszuschließen wäre diese Steigerung nicht gewesen, schließlich sind beim Meeting in Weinheim vor fünf Tagen nahezu alle deutschen Topsprinter regelrecht explodiert. Der Leipziger Martin Keller schrammte in 10,07 Sekunden nur eine Hundertstel am deutschen Uraltrekord von Frank Emmelmann aus dem Jahr 1985 vorbei, Julian Reus (Wattenscheid) war in 10,08 Sekunden nur unwesentlich langsamer. In beider Sog hatten sich der Wolfsburger Sven Knipphals auf 10,20 und der Berliner Lukas Jakubczyk auf 10,21 Sekunden gesteigert. Just der Zeitbereich, den sich auch Alex Schaf zugetraut hätte.

Doch auch ohne eine bessere Zeit wäre eine Nominierung Schafs für den Moskauer Staffelkader nicht abwegig gewesen. Immerhin nimmt der DLV mit Matthias Lindner (SC Magdeburg) und Maximilian Kessler (SSC Berlin) zwei international unerfahrenere Ersatzläufer mit, die leistungsmäßig jedoch auf Schafs Augenhöhe sind. Lindner hat als Saisonbestleistung eine 10,33, Kessler sogar nur eine 10,37 stehen. Beide waren diese Zeiten Anfang Juli bei der deutschen Meisterschaft in Ulm gelaufen.

Alex Schaf grämt sich ob des stichbedingten WM-Aus oder seiner Nichtberücksichtigung jedoch nicht. „Ich drücke den Jungs natürlich trotzdem die Daumen. Wenn sie ins Finale kommen, ist alles möglich.“ Das DLV-Quartett reist heute mit der weltweit drittschnellsten Zeit zur Vorbereitung nach Moskau, wo am Sonntag in einer Woche (18. August) die Staffelwettbewerbe ausgetragen werden. Im 2 500 Kilometer entfernten Kirchheim wird der VfB-Sprinter Vorläufe und Finale am Fernseher verfolgen und schon wieder von eigenen internationalen Einsätzen träumen. Wenn das Antibiotikum abgesetzt ist, will Schaf („die Saison ist noch lange nicht rum“) rasch wieder mit dem Training beginnen. Sein Ziel: Die Europameisterschaft der Sportsoldaten am 1. September im westfälischen Warendorf.

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