Lokalsport

Bloß nichts übers Knie brechen

Der Weilheimer Speerwerfer Ricko Meckes peilt nach Verletzungspause ein Comeback auf leisen Sohlen an

Vor drei Jahren klopfte er an die deutsche Junioren-Spitze im Speerwurf an, dann war er reise- und verletzungsbedingt so gut wie weg vom Sport-Fenster. Jetzt feilt Ricko Meckes aus Weilheim mit neu gewonnener Lockerheit an einem Comeback, das vor allem den größten Fan des 23-Jährigen freut.

„Wenn dir drei Operationen keine Lehre waren, hast du was falsch gemacht“: Ricko Meckes hat einen neuen Zugang zum Speerwerfen g
„Wenn dir drei Operationen keine Lehre waren, hast du was falsch gemacht“: Ricko Meckes hat einen neuen Zugang zum Speerwerfen gefunden.Foto: Jacques

Weilheim. Keine Gratulation, kein Ständchen, kein Schulterklopfen: Als Louis Ehrhart am 23. Geburtstag seines Enkels auf der Familienfeier erscheint, fragt er erstmal nur gerade heraus: „Wann wirfst du wieder? Vielleicht morgen?“ Das Glitzern in den Augen seines 84-jährigen Großvaters war mit ein Grund, warum Ricko Meckes einen Tag später beim Unterlenninger Bühlbergfest das machte, was seinen Opa seit Jahren begeistert. „Er ist mein größter Fan“, lacht der erfolgreichste Speerwerfer der Teckregion beseelt, „es ist einfach nur schön, wenn ich ihm Glücksmomente verschaffen kann.“

Einen solchen konnte der rüstige Senior anderntags in vollen Zügen genießen, als sein Enkel auf dem Bühl mal eben nahtlos an die Erfolge aus seinen besten Tagen anknüpfte. Bemerkenswerter als der Tagessieg mit 65,72 Metern war die Tatsache, dass Ricko Meckes im Dress der LG Teck zum ersten Mal seit knapp drei Jahren wieder bei einem Wettkampf antrat.

Im Sommer 2012 hatte der gerade dem Jugendalter entwachsene Weilheimer auf dem vorläufigen Zenit seiner Laufbahn die Spikes an den Nagel gehängt. Als süddeutscher Vizemeister der Männer und Fünfter der Junioren-DM verabschiedete sich der Abiturient nach Australien. Mindestens ein halbes, wenn nicht ein ganzes Jahr wollte Meckes Down Under jobben und danach noch Asien bereisen. Den Vorsatz zu fassen, sich für die Zeit nach der Rückkehr fit zu halten und weiter an Form und Technik zu feilen, war für den passionierten Leichtathleten selbstverständlich.

Dass daraus nur bedingt was wurde, lag an seinem rechten Knie. Durch zwei Operationen im Teenageralter, die ihn mit 15 fast zum Sportinvaliden gemacht hätten, war der Knorpel immer so etwas wie Meckes‘ Achillesferse. Als während einer Wanderung in Australien die Verletzung wieder aufbrach, war klar: Heim nach Deutschland und wieder unters Messer. „Ich wollte das lieber zu Hause operieren lassen“, so Meckes, der somit im April 2013 früher als geplant wieder unter der Limburg aufschlug. Es folgte die dritte OP am lädierten Knie und erste Gedanken an den endgültigen Abschied vom Leistungssport. „Das Thema Speerwerfen war fast abgehakt“, erinnert sich Meckes. Zumal Ärzte ihm von seiner Gelenke belastenden Disziplin abrieten.

So verlagerten sich die Prioritäten erst einmal. Im Herbst 2013 trat Meckes ein Psychologie-Studium im pfälzischen Landau an, brachte gleichzeitig mit Vater Steffen und Freunden ein lokal konzentriertes Networking-Konzept auf den Weg, das in Form von Workshops an interessierte Firmen, Vereine und Privatpersonen herangetragen wird. Der Schwerpunkt liegt auf präventiver Gesundheitssorge – ein Thema, das Ricko Meckes infolge seiner Knieprob­leme besonders am Herzen liegt. „Nach der erneuten OP habe ich einen anderen Zugang zu meinem Körper und zum Sport gefunden.“

Denn ganz ohne Speerwerfen ging es für den 1,90-Meter-Mann dann doch nicht. Konnte er seinem liebsten Hobby während der Rekonvaleszenz nur durch das Betrachten von Würfen der tschechischen Legende Jan Zelezny auf dem Smartphone frönen, war Meckes bald drauf auch im Weilheimer Lindachstadion zu entdecken. „Nur mit dem Speer über den Rasen und die Bahn zu gehen, hat mir viel gebracht“, beschreibt er die fast schon meditativen Momente mit dem 800-Gramm-Wurfgerät.

Trotz aller auf diesem Wege aufkeimenden Gedanken an ein Comeback, war ihm klar, dass er den Sport nie mehr so ausüben würde wie vor seinem Australien-Trip. „Wenn dir drei Operationen keine Lehre waren, hast du was falsch gemacht“, beschreibt seine neue Herangehensweise. Weniger trainieren, dafür intensiver und mit mehr Augenmerk auf Spaß und Gesundheit – der Erfolg gab ihm, der sich selbst als Intuitivsportler bezeichnet, nicht nur beim Bühlbergfest recht. Beim Werfertag in Igersheim vergangenes Wochenende übertraf er seine Siegerweite von Unterlenningen nochmals, lag mit 68,02 Metern sogar nur knapp unter seiner persönlichen Bestweite (68,67).

Dass er damit quasi aus dem Stand die drittbeste Weite in Württemberg in diesem Jahr erzielte und sich als ernst zu nehmender Konkurrent für die Freiluftsaison 2016 empfahl, ist für ihn eher nebensächlich. „Klar freut‘s mich, dass das Ding wieder so weit fliegt“, so Meckes, „aber deswegen wieder von Titeln und Meisterschaften zu reden, ist Quatsch.“ Von Kadertraining ganz zu schweigen – das Kapitel Leistungssport hat Ricko Meckes abgeschlossen. „Diesen Preis bin ich nicht mehr bereit zu zahlen.“ Dann doch lieber ohne etwas übers Knie zu brechen bei ausgewählten Wettkämpfen antreten und schauen, was dabei rauskommt – den Opa wird‘s am meisten freuen.

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