Lokalsport

Breite Brust statt angelegte Ohren

Handball Mannschaft und Trainer der SG Lenningen glauben vor dem heutigen Relegations-Hinspiel in Kornwestheim an eine lösbare Aufgabe. Von Bernd Köble

Jetzt heißt es zusammenstehen: Für die SG Lenningen ist der heutige Samstag vorentscheidend im Kampf um den Einzug in die zweite
Jetzt heißt es zusammenstehen: Für die SG Lenningen ist der heutige Samstag vorentscheidend im Kampf um den Einzug in die zweite Relegationsrunde.Foto: Markus Brändli

Teil eins vom Schlussakt: Die Handballer der SG Lenningen können heute Nachmittag in Kornwestheim ab 16 Uhr den Grundstein legen fürs Weiterkommen in der Relegation. Der Aufstieg in die Landesliga, er käme nach eigenen Worten überraschend. An Selbstbewusstsein mangelt es den Lenningern in dieser Runde allerdings längst nicht mehr. Die Saison war zwar lang und kräftezehrend, motivieren muss SG-Trainer Peter Schmauk keinen einzigen von seinen Jungs. „Wir haben geschafft, was wir nicht erwartet hätten“, meint der Trainer. „Alle wollen jetzt auch den letzten Schritt machen.“ Alle heißt wirklich: alle. Die SG tritt heute in Bestbesetzung an.

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Lockerheit und Selbstvertrauen ist zum Kennzeichen des Vizemeisters in der Bezirksliga geworden. Bestes Beispiel dafür ist Robin Renz. Der 27-jährige Kapitän und emotionale Leader auf dem Spielfeld sagt: „Wir sind topmotiviert und werden diese erste Hürde nehmen.“ Warum, verrät er gleich mit: „Ich bin in der Form meines Lebens“, meint er und lacht. Wer so drauf ist, kann eigentlich nicht verlieren.

Gewöhnungsbedürftige Abwehr

Dabei könnte gerade auf den Kapitän und Kreisläufer heute Nachmittag das härteste Stück Arbeit warten. Die zweite Mannschaft des SV Kornwestheim, Zweiter des Bezirks Enz-Murr, ist zwar als Gegner gänzlich unbekannt, doch Geheimnisse gibt es im Videozeitalter keine mehr. Ergebnis der Analyse von Trainer und Mannschaft: Der Gegner spielt eine extrem offensive Abwehr, nicht als taktische Finte, sondern im Regelbetrieb - und er macht das richtig gut. Mit einem 4-2- oder gar 3-3-System in der Defensive hat die SG in dieser Saison so gut wie keine Erfahrung. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nicht ohne Chancen. Robin Renz am Kreis und die torgefährlichen Außen Chris Rieke, Luca Bächle und Timo Haid werden dadurch vermutlich Räume bekommen. Schmauk ist optimistisch: „Wir werden darauf eine Antwort haben“, sagt er. „Ich als Trainer würde eine solche Abwehr gegen uns nicht spielen.“

Die Frage, wer überhaupt spielt aufseiten des Gegners, ist die einzige Variable. Schmauk, früher Trainer in Pflugfelden und noch immer mit guten Kontakten in die Region, hört das Gras wachsen. Dass der SV sich für heute Beistand von oben holen wird, gilt als ausgemacht. Tim Scholz, 20-jähriges Talent im rechten Rückraum des Drittligisten, wäre ein Kandidat für den Kurzzeitjob. Der Linkshänder mit beachtlichen Spielanteilen in der „Ersten“ könnte die SG auf halbrechts vor Probleme stellen. „Auch darauf werden wir vorbereitet sein“, verspricht Lenningens Coach.

Sein Wunschergebnis: mindestens ein Unentschieden. Der Rest ließe sich am Himmelfahrtstag in eigener Halle wohl erledigen. Trotz aller Erfahrung ist es für Schmauk erst seine zweite Relegation als Verantwortlicher auf der Bank. Vor mehr als zwei Jahrzehnten ging es um den Abstieg. Damals mit der TG Nürtingen, die er erst sechs Spiele vor Schluss übernommen hatte. Am Ende stand der Klassenerhalt in der Landesliga. Ein Trainer mit einer - wenn man so will - hundertprozentigen Erfolgsbilanz in der Relegation. Was soll da noch schiefgehen?

Vom Aufstieg kalt erwischt

Der SV Kornwestheim schwimmt mit seinen Handballern in dieser Saison auf einer Erfolgswelle. Die zweite Mannschaft spielt gegen Lenningen um den Landesliga-Aufstieg, die „Erste“ des Salamander-Klubs ist Tabellenführer der Südstaffel in der dritten Liga und hätte sich damit das Aufstiegsrecht bereits gesichert.

Zu viel Erfolg auf einmal: Diese Woche hat sich die Vereinsführung schweren Herzens entschieden, auf einen Lizenzantrag für die zweite Bundesliga zu verzichten. Begründung: Der Aufstieg kam zu überraschend. „Mit dieser rasanten sportlichen Entwicklung konnte keiner rechnen, sie war nicht absehbar“, sagt SVK-Abteilungsleiterin Daniela Assmann. Ziel sei es gewesen, möglichst schnell den Klassenerhalt zu schaffen und sich mittelfristig in der dritten Liga zu etablieren. Der SV also vom Erfolg überrascht. Weil die finanziellen Mittel für die zweite Liga fehlen, habe man eine Entscheidung treffen müssen, die wirtschaftlich vertretbar sei, heißt es.bk