Lokalsport

Bronze-Spatz ist besser als Silber-Taube

Mountainbike Manuel Fumic wird bei den Europameisterschaften im italienischen Darfo Boario Terme Dritter und sorgt so für die einzige deutsche Medaille. Von Erhard Goller

Entscheidung am letzten Anstieg: Manuel Fumic zieht am Franzosen Stephan Tampier vorbei und sichert sich so EM-Bronze. Foto: And
Entscheidung am letzten Anstieg: Manuel Fumic zieht am Franzosen Stephan Tampier vorbei und sichert sich so EM-Bronze. Foto: Andreas Dobsalff

In der Anfangsphase war man sich nicht so sicher, wie das Rennen für Manuel Fumic ausgehen würde. Bei Temperaturen von über 30 Grad tummelte sich der Cannondale-Profi zwischen Position acht und elf, sein Rückstand auf die Spitze betrug dabei rund 25 Sekunden. Das Risiko, ins Hintertreffen zu geraten, nahm er bewusst in Kauf. „Mir war klar, dass man taktisch klug fahren muss. Und so habe ich versucht, so viel wie möglich an Energie zu sparen“, erklärte Fumic

Damit machte er offenbar nicht viel falsch. Als das Rennen in der fünften von sieben Runden in die entscheidende Phase ging, war der Kirchheimer vorne präsent. Gemeinsam mit Titelverteidiger Julien Absalon war er nach vorne gefahren, und dessen französischer Landsmann Stephan Tempier, der schon mit 30 Sekunden Vorsprung geführt hatte, begann zu schwächeln. Der Spanier David Valero übernahm in der vorletzten Runde die Spitze, doch er hatte wenig Freude daran. Der Iberer erlitt einen Schaltungsdefekt und schied aus.

So ging der Schweizer Florian Vogel gemeinsam mit Tempier in die Schlussrunde. Noch auf der Flachpassage hängte er Tempier aber ab. Julien Absalon passierte ebenfalls Tempier und lag zehn Sekunden dahinter und Fumic weitere acht auf Platz vier. Dahinter schien vom Italiener Daniele Braidot noch Gefahr zu drohen, doch als es in den Anstieg hineinging, vergrößerte Fumic die Lücke und fuhr an Tempier vorbei.

„Ich habe dann Bronze abgesichert und nicht mehr viel riskiert“, bekannte Fumic - nach vielen Misserfolgserlebnissen mag man den Bronze-Spatz in der Hand doch etwas lieber als die mögliche Silber-Taube auf dem Dach. „Ich bin sehr froh, mal wieder eine internationale Medaille gewonnen zu haben und dass ich endlich mal wieder was in der Hand habe. Zuletzt lief es für mich ja nicht nach Wunsch, aber der DM-Titel vor einer Woche hat mir Schub und Selbstvertrauen gegeben“, kommentierte Fumic, der 2015 schon mal EM-Bronze geholt hatte.

Dass sein Mannschaftskollege Edelmetall gewonnen hatte, das war Christian Pfäffle erst mal entgangen. Er passierte die Ziellinie mit 5,54 Minuten Rückstand als 22. Damit übertraf er die Erwartungen, die er sich vorher gemacht hatte. Der Neuffener vom

MTB Teck knüpfte mit seiner Leistung schon fast an die Saison 2016 an - abgesehen vom Start, der ihm erneut nicht gut gelang. So war er nach der verkürzten ersten Runde nur 35. „Dann lief es aber von Runde zu Runde besser. Jedes Mal, wenn ich zu einem aufgefahren bin, konnte ich gleich vorbeigehen“, erklärte Pfäffle. So kam er auch noch dem zweitbesten Deutschen, dem Essener Ben Zwiehoff, sehr nahe. Nur zwölf Sekunden lagen zwischen ihm und Zwiehoff, der 20. wurde.

„Ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden. Leider hat sich das Feld ziemlich auseinandergezogen, sodass es immer gedauert hat, bis man eine Position gut machen konnte. Woran ich noch arbeiten muss, das ist der Start“, kommentierte Pfäffle - nächste Gelegenheit ist der Weltcup im kanadischen Mont Sainte Anne am kommenden Wochenende.

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