Lokalsport

Chapeau VfL!

Früher war alles besser. Der Arbeitsalltag, der Verkehr, das Wetter sowieso. Auch der Fußball. Der war noch aus Leder, Kicker-Idole keine Millionäre und Weltmeisterschaften wurden noch nicht in die Wüste geschickt. Und wenn man sich samstagabends zur Sportschau frisch gebadet vor den Fernseher hockte, dann spielte dort verlässlich der VfB. Dass sich die Zeiten selten zum Besseren hin ändern, Moral und Sportsgeist ständig im Abseits stehen – schon schlimm.

Wer Trost sucht, sollte sich ab und an unters Zuschauer/innenvolk in der Frauen-Bezirksliga mischen. Unbedingt. Die Herren der Zunft mögen nun unken, die fußballlose Zeit während der Sommerpause reichte ihnen bereits. Was dort jedoch an Sportsgeist leibhaftig wird, davon könnte sich mancher Thekenkicker zwei fette Scheiben abschneiden. Die Fußballerinnen des VfL Kirchheim jedenfalls leisten in der Bezirksliga Bemerkenswertes: Neun Spiele haben sie bisher bestritten, kein einziges Tor geschossen, dafür 90 kassiert. N-e-u-n-z-i-g! Satte 28 davon alleine im Heimspiel vor drei Wochen gegen den Göppinger SV. Heimtabelle, Auswärtstabelle, Kreuztabelle – völlig wurscht. Der VfL steht immer dort, wo – wenn man‘s umdrehen würde – oben wäre. Nur in der Fairplay-Tabelle, da sind sie Dritte.

Dabei hätten sie guten Grund, die frustgesteuerte Blutgrätsche auszupacken. Der VfL hat die Unterzahl zum saisonalen Spielprinzip erhoben. Nicht aus taktischen Überlegungen he­raus, sondern aus Verletzungspech. Acht Freundinnen müsst ihr sein, manchmal sind es auch nur sieben. Gerade so viel, wie die Verbandsregularien als Minimum akzeptieren. Das Besondere daran: Andere hätten die Kickstiefel wohl längst an die Kabinentür genagelt. Die Mädels machen einfach weiter. Woche für Woche, Spiel für Spiel, Klatsche für Klatsche. Irgendwann kommen bessere Zeiten. Die Mannschaft will beisam­menbleiben – und nächstes Jahr wird alles gut. Mir bleibt da nur, den Hut zu ziehen. Chapeau VfL!

Randnotiz Bernd Köble über unbeugsame Fußballerinnen

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