Lokalsport

Comeback mit Hindernissen

Leichtathletik Nach zweimonatiger Corona-Pause dürfen die Vereine seit dem gestrigen Montag unter Auflagen wieder zum Training bitten. In der Region läuft der Betrieb allerdings noch auf Sparflamme. Von Reimund Elbe

Schneller, weiter, höher - seit gestern dürfen Leichtathleten wieder trainieren. Symbolbild: Carsten Riedl
Schneller, weiter, höher - seit gestern dürfen Leichtathleten wieder trainieren. Symbolbild: Carsten Riedl

Die Leichtathletikszene erwacht aus dem Alptraum. Seit dem gestrigen Montag ist eingeschränkter Übungsbetrieb in Baden-Würt­temberg möglich. Doch vom Normalzustand sind die Vereine noch weit entfernt. So kehrten gestern Abend zwar nach rund zweimonatiger Zwangspause erste Sportler beispielsweise auf das Gelände im Weilheimer Lindachstadion zurück, wo die LG Teck beheimatet ist.

Doch wo sonst ein lockeres Abklatschen sowie Smalltalk auf engstem Raum Usus war, herrschten diesmal außergewöhnliche Bedingungen. Die LG Teck setzt die Vorgaben in Sachen Sicherheit und Hygiene nahezu wortgetreu um. So herrschte auf dem Gelände zum Beispiel Einbahnstraßenverkehr mit stark reduzierter Belegschaft. Nur vier Athleten plus Trainer durften je Übungseinheit durch den Haupteingang ins Stadion. Die erste Schicht bildeten ab 16 Uhr die Werfer. Desinfektionsmittel standen bereit, die Umkleidekabinen blieben tabu.

Der weitere Ablauf: Training im Stadion mit Sicherheitsabstand, Verlassen der Sportstätte nach Trainingsende ohne Duschen durch den Seiteneingang Richtung Sporthalle. „So gibt es keinen Kontakt zwischen den einzelnen Trainingsgruppen“, erläutert Martin Moll. Der LG-Vorsitzende machte sich gestern Abend bei regnerischem Wetter selbst ein Bild vor Ort. „Wir starten erst ab der U14, die Kleineren müssen sich noch gedulden“, betonte er.

Moll wirkte nach dem Comeback erleichtert. Noch am vergangenen Freitag hatte er mit Helmut Burkhardt, Chef des Weilheimer Ordnungsamtes, letzte Details für den Neustart geklärt. Doch Abstimmungsbedarf gibt es trotzdem noch reichlich - um die Belegungspläne der Sportplätze beispielsweise. Denn es kehren auch die Weilheimer Fußballer langsam ins Kleingruppentraining zurück. Übers vergangene Wochenende gab es jedenfalls viel vereinsinterne Korrespondenz. „In dieser ersten Phase nach dem Neustart geht es in erster Linie darum, zu stabilisieren“, sagt Martin Moll. Die Rekrutierung neuer Mitglieder gestalte sich angesichts der Gesamtsituation sowieso mehr als schwierig.

VfL schult Übungsleiter

Der Start bei den Leichtathleten des VfL Kirchheim verlief notgedrungen etwas überschaubarer. Am gestrigen Montag tauschten sich Stadt und VfL-Spitze über die weitere Vorgehensweise zur Umsetzung des Hygienekonzepts im Stadion an der Jesinger Allee aus - mit Erfolg: „Im Lauf der Woche wird unter Auflagen wieder Training möglich ein“, sagt Robert Berndt, Pressesprecher der Stadt Kirchheim, der damit für Freude bei den Betroffenen sorgt „Wir sind froh, dass wir nun zumindest den ersten Schritt Richtung Normalität tätigen können“, sagt VfL-Abteilungsleiter Moritz Hönig, „Natürlich scharren die Aktiven mit den Hufen“. Doch zunächst koche alles auf Sparflamme. Der Schülerbereich liegt noch bis mindestens Pfingsten auf Eis.

In Sachen Hygiene überlässt die VfL-Abteilungsspitze nichts dem Zufall. Alle Übungsleiter erhalten eine Schulung über die Inhalte eines seitenlangen Schutzkonzepts, das der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) entwickelt hat. Eins steht für Hönig unterdessen außer Frage: „An Wettkämpfe können wir derzeit noch nicht denken“, lautet seine Einschätzung.

Flutlichtprobleme in Ötlingen

Zusätzliche Sorgen plagen derweil die Leichtathleten der TSV Ötlingen. „Aktuell ist das Sportgelände seitens der Stadt noch gesperrt“, merkt Oliver Helstab an. An der neu aufgebauten Flutlichtanlage gebe es in Sachen Blitzschutz und Erdung noch Restarbeiten zu erledigen. „Wir brauchen aber dringend ein Zeitfenster, damit wir wieder starten können“, fordert der TSVÖ-Abteilungsleiter von der Stadt, nicht ohne bereits einen Plan B ausbaldowert zu haben. „Zur Not müssen wir eben in Kleingruppen in den Wald ausweichen“, sagt Helstab.

Mit Mini-Meetings die Saison retten?

Wettkämpfe werden nach Einschätzung des Leichtathletik-Kreisvorsitzenden Martin Moll in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden. „Die Wettkampfsaison ist kaum noch zu retten“, sagt Moll. Bis zum Beginn der Sommerferien sei an Wettkämpfe sowieso noch nicht zu denken, was danach kommt, ist mehr als ungewiss.

Zur Teilrettung der Saison bringt der Kirchheimer eine Idee ins Spiel. „Denkbar wären viele Mini-Meetings, eng begrenzt auf Teildisziplinen der Leichtathletik“, lautet Molls Idee. Statt großer Sportfeste („die würden wahrscheinlich bereits unter die Definition einer Großveranstaltung fallen“), mehr kleinere, überschaubare Treffen - zum Beispiel der Kugelstoßer oder Sprinter. Martin Moll: „Inwieweit sich solche Veranstaltungen durchführbar wären und sich finanziell rechnen würden, müssen wir natürlich prüfen“. Die Mini-Meetings würden den Athleten jedoch zumindest wieder Perspektive geben. Die Idee soll nun im Vorstand des Leichtathletikkreises diskutiert werden. rei

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