Lokalsport

Corucle-Kritik schlägt Wellen

Köngener Sprinttrainer reagiert harsch auf Olympia-Aus von Julian Reus

„Die Meetings in Weinheim, Mannheim und Regensburg gehören verboten.“ Der Kommentar von Sprinttrainer Micky Corucle schlägt Wellen bis Rio.

Köngen. Corucle formulierte den Zündstoff am PC in seinem Köngener Sportlershop als Reaktion auf das blamable Ausscheiden von DLV-Sprinter Julian Reus (Wattenscheid) in der ersten Runde des olympischen 100-Meter-Laufs vergangenen Samstag. „Ich bin jetzt der Buhmann. Aber es ist meine Pflicht, als Landestrainer auf Dinge hinzuweisen, die nicht in Ordnung sind. Auch wenn sie gegen zwei Meetings in unserem Verbandsgebiet gerichtet sind“, betont er.

Was der ehemalige Coach des früheren Kirchheimer Topsprinters und Olympiasiebten von 2004 über 200 Meter, Tobias Unger, damit genau sagen will, bleibt unausgesprochen, weil ihm handfeste Beweise fehlen. Er redet hintergründig nur von „Launen der Natur“.

Was er meint, dürfte klar sein: Bei den Meetings in Weinheim, Mannheim und Regensburg werden seit Jahren mit Rückenwind und fragwürdiger Windmessung Fabelzeiten erzielt, die hohen Erwartungsdruck erzeugen. Dem seien sensible Athleten nicht gewachsen. Corucle: „Die Läufer sind psychisch belastet, gehen mit einem Riesenrucksack in die folgenden Wettkämpfe. Sie sind nicht frei im Kopf. Bei Tobias habe ich das früher immer vermieden. Und das war gut so.“

Die Bestätigung für Corucles These lieferte Julian Reus gleich doppelt. Vor der Abreise nach Brasilien war er in Weinheim mit 10,01 Sekunden deutschen Rekord gelaufen. In Rio hinkte er in enttäuschenden 10,34 hinterher, wurde 45. von 68 Startern. Vor der EM in Zürich waren die Zeitunterschiede ähnlich eklatant – wie übrigens auch bei den deutschen Sprinterinnen im Vergleich zwischen Generalprobe auf heimischem Boden und Wettkampf in Rio.

Das Echo auf Corucles Meinungsäußerung war gewaltig. Er bekam viel Zuspruch, musste aber auch heftige Kritik einstecken. Aus Rio meldete sich Staffelsprinter Aleixo Platini mit Ironie: „Deine Athleten haben doch auch davon profitiert, oder?!“

Fazit des Unkenrufers: „Wenn ich gewusst hätte, was das auslöst, hätte ich es bleiben lassen. Aber ich war einfach verärgert, dass Julian Reus so unter Druck gesetzt wird.“

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