Lokalsport

Das Biken wird zur Seltenheit

Lado Fumic in Aktion. 2010 beendete er sein Karriere.
Lado Fumic in Aktion. 2010 beendete er sein Karriere.

Serie Was macht eigentlich . . . Lado Fumic? Er sagt über sich: „Ich bin ein kleiner Generalist mit dem Fokus auf das große Ganze.“ Ein kritischer Geist. Kein Ja-Sager. Sondern einer, der vehement und extrem wortreich seine Meinung vertritt. Aktuell zu den Begleiterscheinungen von Corona. „Jeder hat das Recht, Schutzmaßnahmen zu ergreifen“, meint er, „aber was gerade abgeht, ist blinder Aktionismus von Politikern.“ Mit dieser und jener Vorgehensweise kann er sich nicht anfreunden, fordert deshalb „eine Rückkehr zu einer gewissen Normalität“.

Das birgt Risiken. Aber schon im Radsport war er bereit, alles auf eine Karte zu setzen. Sonst wäre er nicht sechs Mal Deutscher Meister im Cross Country und einmal im Marathon geworden. Dazu zweimal Vize-Europameister (2002, 2004) und zweimal EM-Dritter (2001, 2003). Vor 20 Jahren war er Fünfter bei den Olympischen Spielen in Sydney.

Aber es gab auch schmerzvolle Stunden in der Karriere des mittlerweile 43-Jährigen. Ein Missgeschick verhinderte seinen möglicherweise größten internationalen Erfolg. Bei Olympia 2004 in Athen galt er als Mitfavorit. Er lag in Führung, als im steinigen Gelände der Sattel brach und ihn zur Aufgabe zwang. „Da bereitest du dich vier Jahre lang vor, um wegen einem solchen Mist auszuscheiden“, klagte er dem Schreiber dieser Zeilen, der damals zufällig dabei war, als es passierte. Mit dem Abstand von 16 Jahren sagt er nun: „Es war eine wertvolle Erfahrung, die mich geprägt hat.“

2010 hat sich der ältere der beiden Fumic-Brüder vom Leistungssport verabschiedet. Mit dem positiven Fazit: „Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte.“ Seither gelten andere Prioritäten, allen voran die Familie. Die beiden Jungs, dreieinhalb und zwei Jahre alt, treten schon fleißig in die Pedale. Im Gegensatz zum Papa, der statt seines Mountainbikes drei Firmen mit zehn Mitarbeitern durch die Corona-Krise steuert - zwei Beratungs-, eine Werbe- und eine Designagentur für Kunden aller Art, vom praktischen Arzt in Kirchheim bis zur Recyclingfirma „Kaatsch“ am Plochinger Neckar-Kai.

Das Fahrradfahren ist für den Vielbeschäftigten nur noch ein seltenes Vergnügen. Seine heutigen Fitmacher sind drei Jack-Russell-Terrier. Die sehr aktiven Jagdhunde bringen ihr Herrchen zweimal täglich beim Auslaufen mächtig auf Trab. Klaus Schlütter

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