Lokalsport

Das Brüder-Quartett mit Karten und Pfeife

Fußball Die Celkin-Geschwister aus Neidlingen haben ihre fußballerische Berufung als Schiedsrichter für den TSV Jesingen gefunden. Von Sebastian Großhans

Vier Brüder für die Schiedsrichterei: Enis, Soner, Ibrahim und Ersin Celikn. Foto: Sebastian Großhans
Vier Brüder für die Schiedsrichterei: Enis, Soner, Ibrahim und Ersin Celikn. Foto: Sebastian Großhans

Mit dem zwölfjährigen Enis haben die Celkin-Brüder aus Neidlingen das Quartett komplett. Bald steht er gemeinsam mit Ersin, Soner und Ibrahim für den TSV Jesingen als Fußball-Schiedsrichter auf dem Platz. Sein letzter Lehrgang lief gut, „ich hab viel gelernt“, so Enis. Zur Rückrunde wird er wohl bei der D-Jugend pfeifen dürfen. Seine drei Brüder haben ihn schon gut vorbereitet - zusammen bringen sie schließlich einiges an Erfahrung mit und wissen, was auf Unparteiische so zukommt.

Auch, dass es eine Bereicherung in anderen Lebensaspekten sein kann. „Als Schiedsrichter lernt man, schnell Entscheidungen zu treffen. Wenn man anfängt, groß nachzudenken, hat man eigentlich schon verloren“, sagt Ibrahim Celkin. Der 25-Jährige ist seit 2010 Schiedsrichter. Die Erfahrung bringe viel im Leben und lasse die Persönlichkeit reifen. „Man ist auch außerhalb des Platzes Schiri. Auch im Café wird man noch wiedererkannt“, sagt der 20-jährige Soner Celkin. Bruder Ersin ergänzt: „Und man lernt, wie man viele Dinge und Termine organisiert.“

Angefangen hat es bei Ibrahim Celkin über einen Freund und ehemaligen Trainer, der ihn auf die Schiedsrichterlaufbahn aufmerksam machte. „Anfangs hätte ich nicht erwartet, dass mir das Spaß macht.“ Gerade der Beginn sei das Schwierigste, und als junger Referee sei es nicht leicht, mit dem Druck umzugehen, der von außen kommt. Zudem fehle manchen Fußballern und Zuschauern der Respekt vor den Unparteiischen. Nach negativen Erlebnissen wird so manches hinterfragt. Der heute 19-jährige Ersin bekam mit 16 den Ellenbogen eines Spielers ins Gesicht. Die Wochen danach fragte er sich: „Will ich das noch machen?“

Auf jeden Fall gebe es ein Nachwuchsproblem, mahnt Soner Celkin an. Da kann man beim TSV Jesingen froh sein, dass die Celkin-Brüder ihre fußballerische Berufung als Referee gefunden haben. „Es ist für die Teckregion sehr wichtig, solche jungen Leute im Sport zu haben“, lobt Peter Martsch, der seit 17 Jahren für Jesingen pfeift.

Neben schwierigen Situationen gibt es im Referee-Dasein aber auch positiven Erfahrungen. Soner Celkin, der ein Jahr nach dem ältesten Bruder zur Pfeife griff, leitet Partien der Aktiven in der Landesliga, ist aber auch Assistenz in der Bundesliga der A- und B-Jugend. „Das ist eine coole Erfahrung. Man kommt rum. Ich war jetzt öfters bei Bayern, in Unterhaching, war mal in Offenbach.“ Spektakulär sei auch ein Hochsicherheitsspiel im WFV-Pokal vor drei Jahren gewesen - das Halbfinale zwischen dem FSV 08 Bissingen und dem SSV Reutlingen. Direkt hinter Soner Celkin waren die SSV-Fans - mit Bauzäunen abgesperrt.

Und da ist die Kameradschaft unter den Referees. „Das Coolste sind die Spiele, bei denen man zu dritt unterwegs ist“, sagt Ibrahim Celkin. „Wenn man alleine auf dem Sportplatz ist, alleine hinfährt, alleine in der Kabine ist, da stehen halt keine zehn Mitspieler hinter dir.“ In der Gruppe dagegen fange es schon vom Treffpunkt aus an, lustig zu werden, und man gehe nach dem Spiel auch gerne mal auf ein Bierchen ins Vereinsheim. „Je nachdem, wie das Spiel gelaufen ist“, fügt der 25-Jährige schmunzelnd hinzu. Manchmal waren die drei ältesten Brüder auch schon zusammen als Gespann auf dem Platz. So leiteten Ibrahim, Soner und Ersin vor zwei Jahren das Finale des Sennerpokals.

Alles in allem werben die Brüder sehr selbstbewusst für ihre Schiedsrichtertätigkeit. „Am Anfang ist es ungewohnt, auf der anderen Seite zu stehen. Aber es ist auch ein gutes Gefühl, ein Spiel zu leiten“, meint Ibrahim Celkin. Gerade für die jüngeren Schiedsrichter sei auch die Vergütung ein nettes Taschengeld.

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