Lokalsport

Das große Zittern: Bonifatius, Sophie und Ebersbach

Calcio auf dem Weg in die Verbandsliga – Schwächelnder SVE hat Platz zwei im Visier – Umbruch in Weilheim

Wochenende der Entscheidungen in der Fußball-Landesliga. Nicht nur an der Spitze, auch beim Thema „Personalumbruch“ in Weilheim.

Kirchheim. Bonifatius und Sophie – die kalendarisch letzten Eisheiligen sorgten am Pfingstwochenende für temperaturbedingte Zitterpartien unter den wenigen Zuschauern in der Fußball-Landesliga. Kein Interesse in der entscheidenden Saisonphase? Es ist ein hausgemachtes Pro-blem. Denn wer sein Pflichtspiel parallel zum letzten Bundesligaspieltag plant, muss sich nicht wundern, wenn die Fans lieber vor dem Fernseher sitzen und vergeblich auf das Wunder des VfB Stuttgart hoffen.

Nur der TSV Köngen hatte sein Derby gegen Bonlanden auf Freitagabend vorgezogen. Köngens scheidender Trainer Ralf Rueff verzichtete jedoch auf die Möglichkeit, Gentner, Kostic und Co. die Daumen zu drücken. Dienstbeflissen beobachtete er lieber den nächsten Gegner – und der spielte (wie immer in dieser Saison) in Weilheim gegen den TSV. Rueff und die Köngener plagen nach wie vor große Abstiegssorgen. Die Nullnummer am Freitag gegen Bonlanden brachte das Team aus der Fuchsgrube, das immer noch auf einem Abstiegsplatz steht, keinen Schritt weiter. Dazu kommt die Sorge um Akteur Jan Horeth. Der Abwehrspieler hatte sich eine Woche zuvor beim Spiel in Bad Boll das Schien- und Wadenbein gebrochen und wird nach Komplikationen nun zum dritten Mal operiert.

Nachfolger von Rueff wird in Köngen übrigens Mario Sinko. Der Kroate entstammt der Köngener Jugend, spielte anschließend bei verschiedenen Vereinen von der Kreis- bis zur Landesliga und ist im Dunstkreis der Teck aus seinem fünfjährigen Gastspiel in den 1990er-Jahren als Stürmer des TSV Notzingen bekannt. Rueff hingegen wird wohl auch weiterhin in Weilheim als Zuschauer auftauchen. Schließlich ist sein Spross Robin einer der Akteure beim TSV, die bereits für die neue Spielzeit zugesagt haben. Desgleichen taten auch seine Abwehrkollegen Daniel Heisig und Christoph Bauer sowie die Mittelfeldakteure Can Kanarya, Felix Stolz, Lennart Zaglauer, Allrounder Ferdi Er, Torspieler Philipp Uttikal und die Stürmer Mike Tausch und Tim Sternemann.

Definitiv nicht mehr in der neuen Saison zur Verfügung stehen wird, wie bereits bekannt, Michele Latte, der sich mit weniger Trainingsaufwand wohl dem TSV Oberensingen anschließen wird. Ihre Karriere beenden werden die Torspieler Bastian Treiber (nach 23 Jahren beim TSVW) und Hannes Ihring sowie Abwehrspieler Martin Kirschmann und Mittefeldakteur Emrah Polat. Der Spielerpass dieser vier bleibt jedoch, wie der designierte Weilheimer Cheftrainer Chris Eisenhardt bestätigte, beim TSV.

Eisenhardt war nach dem 4:1 gegen den TSV Buch aufgewühlt: „Ich habe in meiner langen Karriere noch nie ein Spiel mit gleichermaßen Unvermögen, Pech und Glück erlebt.“ Für Klarheit sorgte Eisenhardt, was die Zuständigkeiten in der neuen Saison betrifft. Zuvor war noch über eine über die Saison hinausgehende Rolle Alexander Hübbes als Teammanager gemunkelt worden. Fakt sei, so Eisenhardt, dass Hübbe in einer inoffiziellen Position im Hintergrund ehrenamtlich weiter mitarbeiten werde. In Budgetfragen beispielsweise oder beim Scouting. Dies sei, so der künftige TSV-Trainer weiter, auch ein Baustein dafür, dass das Umfeld professioneller werde. Auch die ausscheidenden Spieler sollen dazu beitragen. Bastian Treiber etwa wird künftig zusammen mit Torspieler-Trainerlegende Walter Eschenbächer die Junioren-Keeper trainieren.

Verhandelt werden soll in dieser Woche mit André Kriks, Felix Hummel, Steffen Kuch, Yücel Uluköyli, Lukasz Majovski, Servet Isik, Salvatore DeRosa, Marvin Kreck und Marvin Heth. Als Neuzugänge haben die Weilheimer bislang die Ex-Göppinger Domenic Brück (Allrounder) und Georgios Natsis (zentrales Mittelfeld), Innenverteidiger Patrick Demaili (Ex-Kickers-A-Junioren) sowie die Außenspieler Dennis Netzer (FC Rechberghausen) und Timo Mader (09 Nürtingen) verpflichtet. Eisenhardt: „Einen Torspieler, einen Stürmer und einen Innenverteidiger suchen wir noch.“

Abgerundet werden soll der Kader durch Perspektivspieler aus der eigenen Jugend wie Samuel Lopez, Jannik Leonhardt, Jonas Schmidt, Johannes Hartig, Sven Dobler, Tobias Salzer und Tim Stiefelmeyer. Der TSV Weilheim steckt zweifellos mitten im Umbruch. Der findet aber augenscheinlich sehr strukturiert statt.

Während unter der Limburg schon fleißig am neuen Kader gebastelt wird, stecken andere noch mitten im Titelkampf. Das Spitzenspiel zwischen dem SV Ebersbach und Calcio Leinfelden entschieden die Gäste von den Fildern per Strafstoß durch den Ex-Weilheimer Fatih Özkahraman für sich. SVE-Multifunktionär Jürgen Schorstädt: „Wir hätten einen Punkt verdient gehabt und peilen nun Platz zwei an.“ Für den einstigen Oberliga-Interimscoach ist klar, dass die Tabellenführung daheim verspielt wurde: „Wir haben alle vier Saisonniederlagen bei Heimspielen kassiert.“

Am kommenden Wochenende geht es für die Filstäler zum TV Echterdingen. Deren Trainer Aleks Kalic verspricht, dass es für den SVE kein Spaziergang werden wird. Das Team von den Fildern gewann am Samstag 5:3 gegen Dorfmerkingen und steht mit 36 Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Marcel Helber, einstiger Kirchheimer Jungstar, steuerte ein Tor selbst bei und gab zwei Assists. Noch steht nicht fest, ob der Blondschopf bleiben wird. Kalic: „Ich würde ihn gerne binden, aber offenbar liegen ihm andere Angebote vor.“ Zunächst gilt es für Helber und Kalic aber, mit dem TVE die Klasse zu halten. Der Echterdinger Coach malt schon mal den sprichwörtlichen Teufel an die Wand: „Wenn es dumm läuft, reichen 40 Punkte dieses Jahr nicht mal für die Relegation.“

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