Lokalsport

Das Kirchheimer Wintermärchen

Handball Der VfL wirft mit Unterensingen den vierten haushohen Favoriten aus dem HVW-Pokal und drängt sich nun als Gastgeber fürs Final Four auf. Von Bernd Köble

Die Abwehr, so lautet eine alte Sportlerweisheit, gewinnt Spiele. Beim VfL Kirchheim sorgte sie am Donnerstagabend für die viert
Die Abwehr, so lautet eine alte Sportlerweisheit, gewinnt Spiele. Beim VfL Kirchheim sorgte sie am Donnerstagabend für die vierte Pokalsensation in Serie. VfL-Torhüter Oliver Latzel (links), seit Wochen in Bestform, ist Teil dieses Erfolgs.Fotos: Carsten Riedl

TSV Schmiden, RW Laupheim, HSG Langenau/Elchingen, VfL Kirchheim - Welcher Verein passt nicht in diese Reihe? Wer diese Frage richtig beantworten will, braucht weder ein Übermaß an Allgemeinbildung noch einen Telefonjoker. Ein wenig Handball-Fachwissen reicht völlig. Bezirksligist VfL zählt zu den vier Überlebenden im Verbandspokal und scheint dort von nichts und niemandem zu stoppen zu sein. Nach dem 28:21 am Donnerstagabend gegen den Württembergligisten SKV Unterensingen - dem vierten Streich in Folge - stehen die Kirchheimer im Final Four am 7. Januar und haben nun beste Aussichten, die Rolle des Gastgebers zugeschanzt zu bekommen. „Für den Handball in Kirchheim wäre das eine richtig geile Sache“, meint VfL-Trainer Engelbert Eisenbeil. Im württembergischen Verbandsgebiet heißt es: Kirchheim rockt.

Vier verschiedene Abwehrsysteme hatte der Coach in der Walter-Jacob-Halle gegen seinen Unterensinger Ex-Klub in der Schatulle. Immer wenn der Gegner glaubte, den Schlüssel gefunden zu haben, war der Deckel wieder zu. Dabei lagen die Kirchheimer bis zum 13:12 durch Simon Latzel Sekunden vor der Pause kein einziges Mal in Führung. Erst nach Wiederanpfiff brachten Rechtsaußen Latzel und der neunfache Torschütze Martin Rudolph die Blauen deutlicher in Front. Der Favorit kämpfte, wurde von einer aggressiven Kirchheimer Defensive aber vor immer neue Probleme gestellt. Wieder war es die Abwehr, die den Unterschied ausmachte. In den letzten knapp vier Minuten des Spiels erzielte der SKV keinen einzigen Treffer mehr - die Kirchheimer dagegen drei.

Der VfL nervt gewaltig. Und er lässt die Entnervten nach Erklärungen suchen. Dabei sind die meist weniger komplex als vermutet: Kirchheim ist die bessere, auf jeden Fall die kämpferischere Mannschaft auf dem Spielfeld. Gegen den Württembergligisten TSV Heiningen war das so, gegen die beiden Baden-Württemberg-Oberligisten aus Söflingen und Plochingen ebenfalls - und auch am Donnerstag gegen den Tabellensiebten der Württembergliga Süd trug vieles zum Erfolg bei, nur eines nicht: Glück. Eisenbeil genügen vier Worte: „Wir waren taktisch besser.“

Woran also liegt es, dass die Teams aus dem württembergischen Oberhaus gegen den Bezirksvertreter anscheinend kein Mittel finden? An mangelndem Respekt oder fehlender Ernsthaftigkeit jedenfalls nicht. „Wir sind konzentriert an die Aufgabe herangegangen, ich glaube, das konnte man in den ersten zwanzig Minuten sehen“, sagt SKV-Trainer Steffen Rost. „Wir haben dann nicht nachgelegt und die entscheidenden Zweikämpfe verloren.“

Schon am Montag ist der VfL wieder im Pokal gefordert. Der amtierende Cupsieger empfängt im Bezirkspokal den Ligarivalen TSV Denkendorf. Vielleicht die schwerste Aufgabe bisher.

Spielstenogramm

VfL Kirchheim: O. Latzel, Beck - Pradler (1), Rudolph (9/1), Böck (1), Merkle (3), Habermeier (5/3), Schwarzbauer (3), Real (3), S. Latzel (3), Hamann

SKV Unterensingen: Camovic - Hihn (1), Rapp (1), Benz (2), Krämer(4/1), Mäntele (2), Glöckler, Hablizel(4), Buck, Schlau(2), Klenner (1), Bürker (2), Brändle (2)

Die Abwehr, so lautet eine alte Sportlerweisheit, gewinnt Spiele. Beim VfL Kirchheim sorgte sie am Donnerstagabend für die viert
Die Abwehr, so lautet eine alte Sportlerweisheit, gewinnt Spiele. Beim VfL Kirchheim sorgte sie am Donnerstagabend für die vierte Pokalsensation in Serie. VfL-Torhüter Oliver Latzel (links), seit Wochen in Bestform, ist Teil dieses Erfolgs.Fotos: Carsten Riedl
Anzeige