Lokalsport

Das verkannte Talent

Leichtathletik Nachwuchs-Zehnkämpfer Leo Neugebauer holt in Nairobi WM-Bronze

Mit einem Riesensatz über 7,25 Meter legte Leo Neugebauer in Nairobi den Grundstein für eine WM-Medaille.Archivfoto: Ralf Görlit
Mit einem Riesensatz über 7,25 Meter legte Leo Neugebauer in Nairobi den Grundstein für eine WM-Medaille.Archivfoto: Ralf Görlitz

Nairobi. Leo Neugebauer von der LG Leinfelden-Echterdingen hat bei den U18-Weltmeisterschaften in Nairobi/Kenia Bronze im Zehnkampf gewonnen und sich damit früh einen Kindheitstraum erfüllt.

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Vor sieben Jahren wusste der heute 17-Jährige noch nicht so recht, ob er Fußball spielen oder lieber Leichtathletik betreiben soll. Inzwischen ist aus dem Burschen ein selbstbewusster Leichtathlet mit Gardemaß (1,97 Meter) geworden. Zu verdanken ist diese steile Entwicklung in erster Linie Hans-Joachim Budach, der sich als Trainer bei der LG des Talents intensiv annahm.

Als sich Neugebauer 2016 bei einem Quali-Wettkampf für die DM schwer verletzte, kümmerte sich von Verbandsseite niemand so recht um ihn. Selbst für eine Sonderstartgenehmigung für die Hallen-Mehrkampf-DM im März in Hamburg, die Budach beantragt hatte, fühlte sich niemand verantwortlich. Bei den Regionalmeisterschaften in Bernhausen überbot Neugebauer mit 7 080 Punkten plötzlich die Qualifikationsnorm für die U18-WM und steigerte sich vier Wochen später auf 7 337 Punkte. Am U18-Nationalteam führte damit kein Weg mehr vorbei. Da die Heimtrainer vom DLV keine Akkreditierung bekommen, reisten Budach und Papa Neugebauer privat nach Nairobi. Es sollte sich lohnen.

Mit 7,25 Metern im Weitsprung - 19 Zentimeter über seinem seitherigen Rekord - legte der 17-Jährige den Grundstein für eine Medaille. Mit 3 842 Punkten ging er als Dritter hinter dem überragenden Franzosen Steven Fauvel Clinch (4 084 Punkte) und dem Litauer Olegs Kozjakovs (4 053 Punkte) in den zweiten Wettkampftag, den er über 110 Meter Hürden mit einer weiteren Bestmarke (14,86 Sekunden) eröffnete.

Nach einer Schwächephase im Speerwerfen und mit dem Diskus geriet Bronze noch einmal in Gefahr. Doch Neugebauer behielt die Nerven, lief mit 4.59,67 Minuten persönliche Bestzeit über 1 500 Meter und sicherte sich mit 7 204 Punkten die Bronzemedaille. „Die Medaille bedeutet mir alles. Die Stimmung im Stadion und unter den Athleten war unglaublich“, meinte Neugebauer stolz nach dem Wettkampf.

Ehrenrunde mit deutscher Fahne

Nach einer bewegenden Medaillenzeremonie ging es für ihn zusammen mit den Gold- und Silbermedaillengewinnern Steven Fauvel Clinch (7 559 Punkte) und Olegs Kozjakovs (7 377 Punkte) auf eine emotionale Ehrenrunde mit wehender Fahne.Martin Moll