Lokalsport

Das Virus setzt den Vereinen zu

Stadtverband für Leibesübungen Die Corona-Pandemie sorgt durch ausgefallene Veranstaltungen und fehlende Einnahmen in vielen Vorständen von Kirchheimer Klubs für Sorgenfalten. Von Helge Waider

Die lange Schließzeit schmerzte zwar, aber die Zahl der Austritte aus dem VfL-Sportvereinszenztrum hielt sich offenbar in Grenze
Die lange Schließzeit schmerzte zwar, aber die Zahl der Austritte aus dem VfL-Sportvereinszenztrum hielt sich offenbar in Grenzen. Foto: Markus Brändli

Das Corona-Virus und dessen pandemiebedingte Auswirkungen stellten und stellen auch die sporttreibenden Vereine in Kirchheim vor große Herausforderungen. Veranstaltungen wurden abgesagt, notwendige handwerkliche Arbeiten liegen brach, dringende Sachthemen bleiben unbehandelt. Einnahmequellen, obwohl in den Vereinshaushalten fest eingeplant, sind zunächst versiegt und über allem schwebt auch noch das Damoklesschwert möglicher, wirtschaftlich begründeter Sponsorenrückzüge.

All das treibe den Vereinsvorständen laut Hans-Joachim Brenner die Sorgenfalten ins Gesicht. Direkt hilfesuchend an den Vorsitzenden des Stadtverbands für Leibesübungen (SfL) hat sich freilich kein Mitgliedsverein gewandt. Brenner geht davon aus, dass entsprechende Anliegen bei den Dachverbänden der jeweiligen Sportarten platziert wurden.

Sechs Vereine klagen ihr Leid

Vergangene Woche traf sich eine Gruppe aus dem erweiterten SfL-Vorstand zu einem rein informellen Meeting, um sich die jeweiligen Sorgen und etwaige Lösungen anzuhören. Es waren Vertreter des VfL Kirchheim, des TSV Ötlingen, des SV Nabern, des RKV Wanderlust, des Reit- und Fahrvereins und der Tauchgruppe Teck, die quasi kollektives Wundenlecken betrieben und nach Lösungen suchten.

Eine große Sorge der Vereine, so Hans-Joachim Brenner, hatte die Stadtverwaltung bereits im Vorfeld genommen. Die befürchtete Legionellengefahr in den Duschen der Sportstätten sei gebannt, weil seitens der Stadt während der pandamiebedingten Schließung eine gründliche Reinigung vorgenommen worden war. Bei Wiederinbetriebnahme der Nasszellen seien die Duschen lediglich gründlich zu spülen.

Hinsichtlich pandemiebedingter Schwierigkeiten erwischte es den TSV Ötlingen besonders schwer. Hier musste nicht nur lange auf die Reparatur des neuwertigen Flutlichts gewartet werden. Mit den Stadt-Waldlaufmeisterschaften und dem Teckbotenpokal mussten auch zwei nicht nur sportlich sondern auch wirtschaftlich wichtige Großereignisse abgesagt oder verschoben werden. Immerhin: das Fußballvorbereitungsturnier wird, weil alle nachfolgenden Vereine sich solidarisch erklärten und nun auch mit einem Jahr Verzug planen, 2021 im Rübholz stattfinden.

Im Großverein VfL Kirchheim schmerzt vor allem die lange Schließung des Sportvereinszentrums (SVZ). Zehn Wochen waren die Pforten des Prestigeobjekts von Amts wegen geschlossen. Einen Monat wurden die Kunden von den Gebühren befreit. Die VfL-Vorsitzende Doris Imrich freut sich, dass es nur wenige Austritte in der folgenden, kostenpflichtigen aber geschlossenen Periode gab. Mittlerweile ist das SVZ mit Einschränkungen, wie nicht nutzbare Umkleiden, Duschen und der Sauna wieder unter Volldampf in Betrieb. Darüber hinaus stellte der VfL nach den ersten Lockerungen der Beschränkungen einen sehr erfolgreichen Sporttag für Jugendliche und Kinder mit der Möglichkeit des Sportabzeichen-Erwerbs auf die Beine (wir berichteten).

Während der RKV immerhin seine vereinseigene Minigolfanlage am Waldheim wieder in Betrieb genommen hat, läuft beim Reit- und Fahrverein der Betrieb wieder fast normal. Lediglich das Voltigieren ist aufgrund der nicht einzuhaltenden Abstandsregel noch nicht möglich. Und nach langer Durststrecke ist seit zwei Wochen auch die Tauchgruppe Teck wieder im Freibad aktiv.

Größere Sorgen plagen noch den SV Nabern. Nach dem lange angekündigten Pächter-Ausstieg im Sportheim, stehen dort dringende Renovierungs- und Umbauarbeiten an. Die liegen derzeit mangels regelmäßiger Einnahmen bei Sportveranstaltungen aber auf Eis.

Sorgen um Sponsorengelder

Überhaupt ist das Thema „Sponsoring“ in aller (Vereins-)Munde. Durchgängige Frage: „Wird der Sponsor uns weiterhin unterstützen oder kann er es aus wirtschaftlichen Gründen vielleicht nicht mehr oder nicht mehr im gewohnten Umfang?“ Hans-Joachim Brenner weiß: „Alle Vereine haben Angst, dass Sponsoren abspringen.“ Bis die individuellen Entscheidungen getroffen sind, werden sich die Clubbosse mit Investitionen wohl in Zurückhaltung üben müssen.

Am Rande des informellen Treffens vergangene Woche wurde übrigens bekannt, dass Hans-Joachim Brenner, der im vergangenen Jahr für den langjährigen „Chef“ Hermann Schnizler übernommen hatte, für eine weitere komplette Legislaturperiode von drei Jahren als SfL-Vorsitzender zur Verfügung stehen würde. Die entsprechende Mitgliederversammlung, die für April angesetzt war, soll nun im August oder September nachgeholt werden.

Gesprächsbedarf mit dem neuen Oberbürgermeister

Pandemiebedingt gab es bislang noch keine offizielle Möglichkeit für den Stadtverband für Leibesübungen, sich mit Kirchheims neuem Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader auszutauschen. Dies soll laut SfL-Chef Hans-Joachim Brenner, baldmöglichst nachgeholt werden.

Dem Stadtverband liegen hierbei „harte“ Themen, wie die Belegungskriterien der Sportstätten und die Höhe der künftigen Zuschüsse und Fördergelder für die Vereine ebenso am Herz wie eher „weiche“ Punkte. Hierzu zählen die Planungen und das Zeitmanagement für das neu zu erstellende Hallenbad, die Nutzung der Sporthallen, das Verhältnis von Leistungssport zu Breitensport und die Fortschreibung der Sportentwicklungsplanung, die einst auf der sogenannten „Kanzelwandtagung“ im VfL-Haus in Riezlern im Kleinwalsertal angeschoben wurde.

Diese Art des Austausches zwischen Stadtverwaltung, Gemeinderat und Vereinen soll bei dem Treffen offenbar ebenfalls angesprochen werden. wai

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