Lokalsport

Das Wetter spielt verrückt – und Boll um den Aufstieg

Eine Gewitterfront zwingt die Fußballer der Region zu Zwangspausen – Blumensträuße und salbungsvolle Worte für die Weilheimer Abgänger

Das Wetter spielt verrückt – und Boll um den Aufstieg
Das Wetter spielt verrückt – und Boll um den Aufstieg

Jede Menge Unbill von oben: Dieser Landesliga-Spieltag war dank Wetterkapriolen einer jener Sorte, der Gesprächsstoff wie am Fließband produzierte.

Kirchheim. Einer möglichen Wettbewerbsverzerrung vorbeugend, haben die Terminplaner wohlweislich die letzten beiden Spieltage in den hiesigen Fußball-Ligen seit vielen Jahren auf eine jeweils gleiche Anstoßzeit gelegt. Am vergangenen Samstag führte freilich eine höhere Macht Regie. Als um 15.30 Uhr auf den Plätzen die Partien auf Touren kommen sollten, waren nämlich viele Kicker und Zuschauer gerade mit einer Sprinteinlage beschäftigt: In Scharen flüchteten Freund und Feind einträchtig Richtung Unterstände oder Kabinen – ein gewaltiger Gewittersturm fegte über einige Plätze hinweg. Die Schiedsrichter mussten dabei ein feines Gespür und das richtige Timing für die Situation haben.

„Der Regen war anfangs nicht das Problem“, berichtete beispielsweise Manuel Hellwig, der das Match zwischen dem FV 09 Nürtingen und dem TV Echterdingen zunächst bei Starkregen anpfiff, jedoch bereits nach knapp vier Minuten den Marschbefehl Richtung Kabine gab. Hellwig („die Blitze kamen immer näher“) lag goldrichtig: Kurz nach der erzwungenen Unterbrechung tobte sich das Gewitter über dem Wörth intensiv aus (Foto: Reimund Elbe) – Gefahrenlage erkannt und gebannt. In Köngen hatte Schiedsrichter Jochen Rottner eine andere Variante gewählt – der Referee aus Ludwigsburg pfiff angesichts der herannahenden Gewitterfront zunächst erst gar nicht an. Ähnlich vorsichtig agierte Referee Michael Haas bei der Partie zwischen Meister Calcio Leinfelden-Echterdingen und dem abstiegsgefährdeten SV Bonlanden. Die Bedrohlichkeit der aktuellen Wetterlage zeigte sich daran, dass bei einem Jugend-Fußballspiel in Rheinland-Pfalz rund 35 Personen durch einen Blitzschlag verletzt wurden und der Schiedsrichter sogar direkt vom Blitz getroffen wurde.

Von solch einer Dramatik blieben die Fußballer in der Region verschont. Gespielt wurde nach Wetterberuhigung doch noch. Besonders in Nürtingen und Köngen herrschte darüber eitel Frohsinn. Während der FV 09 mit einem 2:1-Heimsieg, mit dem spielentscheidenden Tor durch Joker Simon Kottmann, den Ligaerhalt vollzog, verbesserte der TSV Köngen mit einem glatten 3:0 über den SC Geislingen seine Perspektiven im Kampf um den Klassenerhalt. Trainer Ralf Rueff ist sein großes Ziel („ich will den TSV Köngen als Landesligist meinem Nachfolger übergeben“) nähergerückt. Beim einstigen Oberligisten SV Bonlanden, nunmehr punktgleich mit dem TSV Köngen, herrscht dagegen ein Reizklima. Nicht nur die 1:4-Pleite beim Lokalrivalen Calcio nervte SVB-Trainer Klaus Kämmerer, sondern auch die Tatsache, dass mit Nico Presthofer und Benjamin Taubald zwei Kicker am vergangenen Wochenende im Kurzurlaub weilten.

Relativ glimpflich kam der TSV Weilheim an diesem denkwürdigen Nachmittag in meteorologischer Sicht davon. Jene Spielunterbrechung, die das Stadionsprecher-Duo Stefan Hein und Helge Waider („von Kirchheim her rückte eine schwarze Wolkenwand heran“) in der 40. Minute verkünden musste, belief sich letztendlich auf lediglich zehn Minuten – das Unwetter machte doch noch einen Bogen um die Limburg. Die letzte Saison-Heimaufgabe arbeiteten die Limburgstädter gegen den SC Stammheim übrigens sauber ab, inklusive eines Treffers des scheidenden Mittelfeldakteurs Emrah Polat. Lob erhielt der Ex-Kirchheimer von Abteilungsleiter Hans-Peter Bauer ebenso, wie die vor dem Anpfiff mit Blumensträußen und salbungsvollen Worten offiziell verabschiedeten Alexander Hübbe, Michele Latte, Bastian Treiber und Hannes Ihring. Einer, der dem TSV Weilheim im Januar 2015 Adieu sagte, ging derweil am Samstag in Bad Boll in einer jubelnden Spielertraube unter: Marcel Mettang schoss im Hit gegen den SV Ebersbach vor über 400 Zuschauern in der dritten Minute einer dramatisch verlaufenden Nachspielzeit das 3:3. Für die Bad Boller – deren am 8. Mai abgebrochene Partie gegen den TSV Köngen wurde vom Spielgericht mittlerweile mit 3:0 gewertet – ist die Aufstiegsrelegation ganz nah.

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