Lokalsport

Debütantinnenball in Oberbayern

Turnen Jung, talentiert und unerfahren: Für die Mädchen des VfL Kirchheim beginnt morgen in Waging am See der Überlebenskampf in der zweiten Liga – noch ohne Neuzugang Oksana Chusovitina. Von Bernd Köble

Laboriert noch immer an einer Fußverletzung: Lea Voith. Foto: Georg Hrivatakis
Laboriert noch immer an einer Fußverletzung: Lea Voith. Foto: Georg Hrivatakis

Im Umgang mit Leistungsdruck hat jeder seine eigene Sichtweise. Ob viel auf dem Spiel steht oder man nichts zu verlieren hat - vor dem morgigen Saisonauftakt in der 2. Bundesliga wird sich VfL-Turntrainerin Michaela Pohl mit ihren Mädchen vielleicht auf die Zielformel einigen: Den Schaden auf dem ersten Wegdrittel in Richtung Klassenerhalt so gut es geht in Grenzen halten.

Der erste Wettkampftag im Chiemgau, er wird für die Riege des VfL Kirchheim vermutlich der schwierigste der gesamten Saison. Danach geht es erst im Oktober weiter. Mit einer Mannschaft, die dann mit etwas Glück ein anderes Gesicht haben wird. Nicht nur, weil VfL-Neuzugang Oksana Chusovitina direkt von der WM in Kanada dazustoßen wird. Mit der noch immer angeschlagenen Lea Voith (Fußverletzung) und Joana Varro (Schulter) wird zudem wieder mit zwei erfahrenen Stammkräften zu rechnen sein. Voith wird morgen an den Start gehen, aber wohl nur ein eingeschränktes Programm absolvieren. Von Chusovitina, dem spektakulärsten Transfer der Saison, verspricht sich Michaela Pohl mehr als Top-Resultate. Die 41-jährige Weltmeisterin und Olympiasiegerin soll der Mannschaft Halt geben und Druck nehmen von den schmalen Schultern ihrer Teamkolleginnen, die von ihr mehr trennt als drei Jahrzehnte Sporterfahrung. „Die Mädchen haben enorm große Achtung vor ihr“, beschreibt Michaela Pohl das Verhältnis der Generationen.

Maike Halbisch, Noemi Rapp und Sarah Widmann - gleich drei Debütantinnen im Alter zwischen elf und zwölf Jahren, die morgen zum Auftakt Verantwortung übernehmen müssen. Die zwei Jahre ältere Maike Brey war zwar vergangene Saison schon als Ersatz mit dabei, blieb allerdings ohne Einsatz. Damit gilt die 13-jährige Nele Rüping, die ihre zweite Bundesliga-Saison turnt, neben Lea Voith bereits als die Erfahrenste in einer blutjungen Kirchheimer Riege. Dass sie mit Druck umgehen kann, hat sie am vergangenen Wochenende beim Spieth-Cup in Berkheim bewiesen. Mit drei Landestiteln war Nele Rüping beste Turnerin im Dress des VfL.

Abgänge schmerzen

Es ist eine Mannschaft im Umbruch. Im Vergleich zum Vorjahr, als der VfL für viele überraschend Platz vier belegte, ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Pia Pohl und Sarina Maier haben ihre Karriere endgültig beendet. Toptalent Kim Ruoff turnt inzwischen erstklassig beim MTV Stuttgart. „Es wird schwer, aber wir sind nicht chancenlos“, meint die Trainerin zum Abstiegskampf in der zweiten Liga, der in diesem Jahr immerhin dadurch erleichtert wird, dass es nur einen direkten Absteiger gibt. Ein Klassenerhalt, der allein deshalb so wichtig wäre, weil das junge Team großes Potenzial zeigt, aber noch braucht, was es im Moment nicht hat: Zeit. Daher die Hoffnung auf die beiden Wettkämpfe im Herbst und daher die umstrittene Entscheidung, mit Oksana Chusovitina eine Weltklasse-Turnerin als Lebensversicherung an Bord zu holen.

Eine Garantie ist das nicht. Die Konkurrenz ist stark. Mit Erstliga-Absteiger Eintracht Frankfurt ist das Fahrstuhlteam schlechthin zurück in der Liga. Dresden, Ulm und der letztjährige Dritte aus Heidenheim zählen zu den arrivierten Kräften. Die beiden Aufsteiger aus Berkheim und Tittmoning dürften es ähnlich schwer haben wie die Kirchheimer.

Die haben am Wochenende noch ein ganz anderes Problem: Am Sonntag geht es in den Relegations-Wettkämpfen in Berkheim um den Klassenerhalt in der Oberliga. Die Klasse, in der die Bundesliga-Debütantinnen des VfL eigentlich zum Stammpersonal zählen. „Das kommt zum völlig falschen Zeitpunkt“, seufzt Michaela Pohl. Sie weiß: Um die Liga zu halten, müsste die zweite Garde einen Glanztag erwischen. Am Montag haben beide Teams Gewissheit. Und dürfen sich über etwas freuen, was im Turnen äußerst selten ist: trainingsfrei.

Die Turnsaison 2017 in der 2. Bundesliga

Die Mannschaft des VfL Kirchheim Oksana Chusovitina, Joanna Varro, Lea Voith, Nele Rüping, Maike Brey, Maike Halbisch, Noemi Rapp, Sarah Widmann, Lara Rüping.

Die Termine Samstag, 20. Mai, 12 Uhr, Bergader Sportarena, Waging am See.

Samstag, 14. Oktober, 12 Uhr, Karl-Rau-Halle, Heidenheim.

Samstag, 11. November, 12 Uhr, Margon-Arena, Dresden.

Die Gegner Eintracht Frankfurt (Absteiger), Dresdner SC, Heidenheimer SB, TT Unterhaching-Ries, SSV Ulm, TSV Berkheim (Aufsteiger), TSV Tittmoning 2 (Aufsteiger).

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