Lokalsport

Dem Budenzauber fehlt die Magie

Fußball Turniere unter dem Hallendach verlieren auch in der Teckregion immer mehr an Bedeutung und Zuspruch. Das liegt auch an den speziellen Futsalregeln. Von Reimund Elbe

Packende Zweikämpfe unterm Hallendach, wie hier in Frickenhausen, werden in der Teckregion mangels Ausrichtern kaum noch geboten
Packende Zweikämpfe unterm Hallendach, wie hier in Frickenhausen, werden in der Teckregion mangels Ausrichtern kaum noch geboten. Archiv-Foto: Ralf Just

Das waren noch Zeiten, als in der Winterpause Bundesliga-Topstars dafür sorgten, dass unter anderem die Stuttgarter Schleyer-Halle aus allen Nähten platzte. Der Deutsche Fußball-Bund trug ab 1988 den offiziellen Hallen-Pokal aus. Damals noch als „Hallenmasters“, war dies Ausgangspunkt für eine 13 Jahre lang währende Epoche, die in der ligalosen Zeit ein Renner war. In der absoluten Hochzeit wurde bei bis zu 18 Qualifikationsturnieren um Masters-Punkte für das Endturnier gekämpft. Heutzutage muss sich der zahlende Zuschauer bei Hallenturnieren mit Ex-Profis und Entertainern wie Ailton zufrieden geben, während die aktuellen Stars in Trainingslagern oder auf Promotiontour in fernen Ländern weilen. Wachsende Terminhatz im zunehmenden Vermarktungsinstrument Fußball-Bundesliga besiegelte das Aus des Budenzaubers.

Nicht nur auf nationaler Ebene hat die Magie des Hallenfußballs längst nachgelassen. Beispiel ist die Teckregion. In der Kirchheimer Ecke gibt es zur Winterzeit nur noch ein Turnier für aktive Mannschaften beim TSV Notzingen. Die TG Kirchheim und die Sportfreunde Dettingen haben als Veranstalter längst das Handtuch geworfen. „Wir machen nur noch Turniere für Hobbymannschaften“, sagt SFD-Abteilungsleiter Christian Renz, „die können wir meist mit 24 Teams bestreiten, während es beim Aktiventurnier immer schwieriger wurde, überhaupt Mannschaften zu finden.“ Immerhin starteten die Dettinger jahrelang noch beim Hallenturnier im Sindelfinger Glaspalast. „Aber auch dort sind wir nicht mehr dabei, weil wir immer weniger Leute gefunden haben, die spielen wollten“, so Renz.

Verletzungsgefahr macht Sorge

Nicht nur die Dettinger haben in der Winterzeit ein massives Personalproblem. VfL-Trainer Markus Schweizer ist alles andere als ein Fan der Kickerei in Hallen. „Wegen der Verletzungsgefahr“, betont der Bezirksliga-Coach. Turniere in der Teckregion vermisse er deshalb nicht. Unverhofft traten die Kirchheimer in der Winterpause doch an - weil Anfang Januar beim Turnier in Frickenhausen Mannschaften kurzfristig abgesagt hatten. „Wir hatten jedoch Probleme, genügend Spieler zu aktivieren“, gibt Schweizer offen zu, das Interesse der Mannschaft sei „überschaubar“ gewesen.

Dass Futsal die Attraktivität des Hallenfußballs zudem mindert, ist für Schweizer aus Trainersicht ausgemachte Sache. „Bereits der ursprüngliche Hallenfußball hat aus meiner Sicht wenig Trainingseffekt, beim Futsal ist der Effekt noch geringer, weil nicht mit dem normalen Ball gespielt wird“, findet der Kirchheimer Chefcoach.

Rentschler wirbt für Futsal

Ganz anders sieht dieses Thema Michael Rentschler, Fußball-Lehrer und Ex-Trainer des VfL Kirchheim zu Verbands- und Oberligazeiten. „Starke wie schwache Akteure profitieren technisch vom Futsal“, betont der 47-Jährige in einem Beitrag auf der Homepage des Württembergischen Fußballverbandes, „genau die Elemente, die den Futsal ausmachen - Anbieten, Freilaufen, schnelles Umschalten - sind taktische Verhaltensweisen, die draußen über Sieg und Niederlage entscheiden.“ Der Verbandssportlehrer coacht das württembergische Futsal-Team.

Rentschlers Botschaften scheinen allerdings noch nicht überall durchgedrungen zu sein. Selbst beim FC Frickenhausen, einem der wenigen noch übrig gebliebenen Hallenturnier-Veranstalter im Bezirk, hält sich die Freude über das neue Spielgerät und die Regeln in Grenzen. „Wir sind nicht scharf auf Futsal“, sagt Werner Schmid, Pressewart des FC Frickenhausen. Im Neuffener Tal wird bereits in einer abgespeckten Form der Futsal-Bestimmungen gekickt. An den beiden Veranstaltungstagen, traditionell in der ersten Januarwoche gelegen, pilgerten auch dieses Jahr wieder weit über 1 000 Zuschauer - trotz Futsal. „Wahrscheinlich liegt der Zuspruch daran, weil wir uns über die Jahrzehnte ein gutes Renommee erarbeitet haben“, vermutet Schmid. Anders als die SF Dettingen hatte der FCF 1986 mit Hobbyturnieren begonnen, wechselte später in den Aktiven-Modus. Zumindest in Orten wie Frickenhausen verbreitet der Budenzauber noch einen Hauch von Magie.

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