Lokalsport

„Der Abstieg ist realistisch“

Straßenumfrage in Weilheim über die Chancen des VfB Stuttgart im heutigen Bundesliga-Finale

Der VfB Stuttgart wohl vor dem Abstieg: Heute Nachmittag droht Schwabens Fußball-Stolz nach 39 Jahren Erstklassigkeit der Absturz in die Zweite Liga.

Weilheim. Dass der VfB Stuttgart sich durch einen Auswärtssieg in Wolfsburg und zeitgleicher Niederlage von Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt noch in die zwei Spiele der Abstiegs-Relegation retten könnte, glaubt nach der jüngsten Niederlagenserie kaum einer der Bundesliga-Beobachter. Selbst VfB-Sympathisanten und -Fans haben den Wasen-Club praktisch abgeschrieben, wie unsere Umfrage in der Weilheimer Innenstadt belegt.

Horst Brandt, 78, Weilheimer Egelsberg-Bewohner: Ich stamme ursprünglich aus Wuppertal und bin seit frühester Kindheit Schalke-Fan. Über den VfB und seine starken Leistungsschwankungen wundere ich mich immer wieder. Erst dieser Höhenflug, als Trainer Jürgen Kramny für Alexander Zorniger gekommen war, jetzt dieser Absturz bis ans Tabellenende. Wenn ich samstags mit meiner Frau Gerlinde Sportschau gucke, fragen wir beide uns immer wieder: Wie sind solche wechselhaften Leistungen möglich? Ich glaube, der Verein hat das falsche Spielerpersonal eingekauft. Und VfB-Sportvorstand Robin Dutt ist meines Erachtens auch fehl am Platz. Die Chance auf den Klassenerhalt ist äußerst gering.

Christine Buchter, 50-jährige kaufmännische Angestellte aus Neidlingen: So wie der VfB zuletzt gespielt hat, wird er keine Chance auf die Relegations-Teilnahme haben. Vor vielen Jahren gab es beim VfB einmal das Spielerduett Fredi Bobic/Giovane Élber, das super hamoniert hat. Leider sind derart gute VfB-Zeiten längst vorbei. Der Verein betreibt für mein Empfinden falsche Personalpolitik. Dabei hat er sehr gutes Potenzial in der eigenen Jugend.

Michele Zeccola, 35, stadtbekannter Friseur aus Jesingen („Figaro von Weilheim“): Ich hoffe zwar, dass am letzten Bundesliga-Spieltag noch alles gut wird für den VfB und er die Relegation schafft, aber, ehrlich gesagt, ich glaube nicht mehr daran. Der Abstieg ist realistisch. Die Ursachen dafür sehe ich in unmotivierten Spielern, einem VfB-Vorstand, der nicht gut ist, und einem Trainer, der versagt hat. Dass nach einen VfB-Abstieg große wirtschaftliche Einbußen entstehen werden, glaube ich nicht. Die Anhänger werden auch in der Zweiten Bundesliga VfB-Fanartikel kaufen.

Nicolas Vogt, 36, Finanzberater aus Weilheim: Ich wette 100 Euro da­rauf, dass der VfB absteigen wird – die Relegations-Chancen sind minimal. Ich meine: Ein „Weiter so“ darf es bei diesem Verein nicht geben, irgendwie hat die VfB-Führungsspitze den richtigen Weg nicht gefunden. Wenn ich VfB-Präsident Bernd Wahler wäre, würde ich den Trainer auswechseln. Die Zweite Liga kann für den VfB auch eine Chance zur Erneuerung sein, denn die Sponsoren werden im ersten Jahr wohl kaum wegbrechen. Vielleicht bewirkt der Abstieg ja auch so etwas wie eine Jetzt-erst-recht-Stimmung, die dann verstärkt wird, wenn der VfB wieder öfters Spiele gewinnt.

Ilse Burk, 64, Verwaltungsangestellte: Ein VfB-Abstieg würde eine Veränderung unserer persönlichen Freizeitgestaltung am Samstagnachmittag mit sich bringen. Einen Bundesliga-Spieltag ohne VfB-Beteiligung können wir uns nicht vorstellen. Sollte der VfB wirklich absteigen, tut das natürlich weh. Ich fürchte aber, es kommt so. Wenn Werder Bremen noch mal so gut spielt wie vor zwei Wochen beim 6:2-Kantersieg über den VfB, hat Eintracht Frankfurt keine Chance. In diesem Fall würde selbst ein VfB-Sieg in Wolfsburg nicht mehr helfen.

Achim Götz, 37, Angestellter: Dass die Stuttgarter noch die Relegations-Teilnahme schaffen, glaube ich nicht. Dazu müsste schon ein Wunder passieren. Als Bayern-Fan sage ich: Schade, dass solch ein Traditionsverein wie der VfB absteigen muss! Aber die Mannschaft kraxelt seit Jahren in der Tabelle unten rum, das ist bezeichnend. Offenbar legt der Verein das Geld, das er einnimmt, immer wieder falsch an. Dafür verantwortlich sind in erster Linie die Funktionäre. In der Führungsspitze müsste beim VfB aufgeräumt werden.

Andre Oliva, 48, Eiscafé-Betreiber: Ich bin Fan des SSC Neapel und des FC Nürnberg, aber für den VfB als Heimatverein interessiere ich mich natürlich auch. Ich befürchte, dass die Stuttgarter in Wolfsburg gewinnen werden und trotzdem absteigen. Als Grund für den VfB-Niedergang habe ich früher immer den ehemaligen Sportvorstand Fredi Bobic ausgemacht. Doch ich habe mich getäuscht. An der Situation sind andere schuld.

Fotos: Jean-Luc Jacques

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