Lokalsport

Der Aufstand der Hinterbänkler

Kreisliga-Fußball Die „Wunder-Elf“ aus Nabern nimmt mit nur zehn Mann auch die Hürde in Dettingen. Kreisliga-A-Aufsteiger TSV Ötlingen feiert den Titel in Rimini. Von Klaus Schlütter

Die Grün-Weißen marschieren unbeirrt. Auch der Tabellenführer kann die Naberner Aufholjagd nicht stoppen.Foto: Markus Brändli
Die Grün-Weißen marschieren unbeirrt. Auch der Tabellenführer kann die Naberner Aufholjagd nicht stoppen.Foto: Markus Brändli

Wenn‘s läuft, na läuft‘s, sagt der Schwabe. Das gilt seit der Rückrunde uneingeschränkt für den SV Nabern. Vorläufiger Höhepunkt einer beispiellosen Aufholjagd: Der sensationelle 2:1-Sieg beim Aufstiegsfavoriten SF Dettingen. Ein sportlicher Paukenschlag, der bei den Beteiligten ganz unterschiedliche Reaktionen auslöste.

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Bei Dettingens Spielleiter Thomas Beller mag die Enttäuschung über die völlig unerwartete Niederlage mitspielen, wenn er feststellt: „Der Gegner war uns spielerisch klar unterlegen und hatte viel Glück. Ich habe es immer noch nicht kapiert, wie wir dieses Spiel verlieren konnten. Der Spielverlauf wurde total auf den Kopf gestellt.“ Dagegen sein Kollege Axel Maier aus Nabern: „Dettingen hatte nicht eine herausgespielte Torchance, versuchte es immer nur mit langen Bällen. Von uns war das eine sensationelle kämpferische Leistung.“

Zumal Nabern ersatzgeschwächt antreten und ab der 66. Minute mit zehn Mann auskommen musste. Bei seiner Auswechslung ging Tim Gall auf der falschen Seite vom Platz und sah dafür Gelb-Rot. Das Schlitzohr wollte zusätzlich Zeit gewinnen. Das 1:2 fiel zehn Minuten vor Schluss. Auch ein kleines Wunder, wie die Siegesserie seiner Mannschaft. Torschütze Tony Kuke hatte sich einwechseln lassen, obwohl er erst vor zwei Wochen am Blinddarm operiert worden ist.

Tröstlich für die Dettinger war die Tatsache, dass sich Konkurrent Grafenberg ebenfalls einen Fehltritt leistete. Trotz zweier Tore von Carmelo Sessa nur ein Remis zuhause gegen den TSV Grötzingen. Nochmal Beller: „Für uns heißt es nun, Mund abputzen und am Donnerstag das Nachholspiel gegen Unterlenningen gewinnen, dann sind wir wieder drei Punkte voraus.“

Für den SV Nabern hat sich die Lage nur unwesentlich gebessert. Denn gestern war Aufstand der Hinterbänkler. Es herrscht Rudelbildung im Keller. Die Abstiegszone zieht sich hoch bis Platz sieben. „Alles ist brutal eng. Es gibt keine einfachen Spiele mehr“, sagt Abteilungsleiter Wolfgang Maier von den Jesinger 2:1-Siegern gegen Schlaitdorf. Und Trainer Robert Walter, der mit Weilheim II in Raidwangen (1:5) am meisten überraschte: „Es bleibt spannend bis zum Schluss.“

Ötlingen macht sein Meisterstück

Die Spannung gelöst hat sich in der Kreisliga B. Der TSV Ötlingen machte gestern sein Meisterstück. Bereits zwischen 1955 und 1980 spielte der rührige Klub ununterbrochen in der Kreisliga A. Der zweite Höhenflug war nur von kurzer Dauer. Nach dem Titelgewinn 2009 und Platz drei folgte 2011 der jähe Absturz in die B-Klasse. Seither, also seit sieben langen Jahren, geistert die Elf aus dem Rübholz mit zwei Mannschaften durch die Sicherheitsliga.

Das ist nun Geschichte. Der 3:0-Erfolg bei der SGM Neuffen/Linsenhofen II brachte den TSV drei Spieltage vor Schluss endlich ans Ziel. Zur Belohnung gibt es von zwei Sponsoren Bares, mit dem eine viertätige Belohnungsreise nach Rimini finanziert wird. „Bis dahin werden wir uns an die Kaderplanungen machen. Wir suchen zwei bis drei Verstärkungen für die A-Klasse“, sagt Erfolgstrainer Benedetto Savoca und fügt gleich den Hinweis hinzu: „Aber bei uns gibt es kein Geld zu verdienen.“ Savoca betreut die erste Mannschaft seit zwei Jahren, war vorher ein Jahr Trainer der zweiten Garnitur.

Zum guten Schluss die gute Tat des Spieltags: Im Kreisliga-B-Spiel Jesingen II gegen SGEH II (4:1) blieb in der 69. Minute beim Stande von 0:0 ein Gästespieler verletzt am Boden liegen. Die Jesinger stoppten ab, weil sie dachten, der Schiri würde die Partie unterbrechen. Tat er aber nicht. Max Stapf marschierte durch und markierte das 0:1. Als Jesingen Anspiel machte, blieben im Gegenzug die SGEH-Spieler stehen und ließen Calvin Cleves ungehindert zum Ausgleich einschießen. Beifall für diese Fairplay-Aktion.