Lokalsport

Der „Ballstreichler“ holt sich den Titel

Tischtennis Dauud Cheaib vom TB Untertürkheim und Laura Henninger vom TSV Untergröningen haben bei der 53. Auflage der Kirchheimer Stadtmeisterschaften jeweils die Nase in den Königsklassen vorn. Von Jan Eder

Matthias Gantert und Simon Geßner vom gastgebenden VfL wurden im Doppel Dritte, verpassten aber im Einzel jeweils den großen Cou
Matthias Gantert und Simon Geßner vom gastgebenden VfL wurden im Doppel Dritte, verpassten aber im Einzel jeweils den großen Coup - erstmals seit 28 Jahren stand kein Kirchheimer im Halbfinale oder Endspiel. Foto: Mirko Lehnen

Die heiße Phase der Vorbereitung auf die Rückrunde im lokalen Tischtennis hat mit dem Ende der 53. Kirchheimer Stadtmeisterschaften begonnen. Dauud Cheaib vom TB Untertürkheim und Laura Henninger vom TSV Untergröningen haben sich in der LUG-Sporthalle die Kronen in den jeweiligen Königsklassen aufgesetzt.

Bereits in den Gruppenspielen der insgesamt 14 Einzelkonkurrenzen, den Doppeln und dem Mixed waren aufgrund der Setzliste hochkarätige Begegnungen garantiert, und der eine oder andere vermeintliche Favorit kam gehörig ins Straucheln oder gar unter die Räder.

Für die erste Überraschung sorgte gleich ein Kirchheimer. Sven Körner aus dem Landesliga-Team des VfL behielt in seiner Partie gegen den Regionalligaspieler Nico Wenger vom Sportbund Stuttgart die Oberhand und mischte so auch gleich mal die Setzliste für die K.-o.-Runde auf. Neben den vom TTR-Ranking her absoluten Topspielern konnten sich zusammengerechnet sieben Spieler des VfL Kirchheim für die Hauptrunde der letzten 22 qualifizieren, was für die Leistungsdichte der Kirchheimer spricht.

Im Viertelfinale war jedoch für die letzten verbliebenen VfL-Spieler Matthias Gantert, Simon Gessner und Klaus Hummel das Turnier zu Ende, sodass erstmals seit 28 Jahren kein Kirchheimer im Halbfinale oder Endspiel vertreten sein sollte.

Furore in die Halle und einen weiteren Rekord auf die Anzeigetafel brachte im Hauptfeld der 19-jährige Marius Henninger (Sportbund Stuttgart). Alle seine Matches, einschließlich des Finales, spielte der Junge von der Ostalb am Limit, was die Anzahl der Sätze und die Dauer im Rahmen der Turnierplanung anging. Gegen Materialspieler Mark Neef (TTF Neckartenzlingen) im Achtelfinale wähnte man Henninger bereits auf der Verliererstraße, doch der Kommentar seines früheren Mannschaftskameraden Manuel Mangold von der Spvgg Gröningen-Satteldorf („Der gibt nie, aber auch gar nie auf“) sollte noch bezeichnend werden.

In der anderen Hälfte des Tab­leaus spielten sich der Linkshänder Mangold durch sein athletisches Power-Tischtennis und der „Ballvirtuose“ Dauud Cheaib in den Fokus und schließlich auch ins Halbfinale. Sichtlich entkräftet musste Mangold hier allerdings mit 0:3 die Segel streichen, sodass der Turnierfavorit noch eine kleine Pause genießen konnte. Zu diesem Zeitpunkt erst noch im Viertelfinale, setzte sich Henninger in weiteren fünf kampfbetonten Sätzen gegen VfL-Crack Simon Gessner und dann in der Vorschlussrunde in einem packenden Spiel gegen seinen Vereinskameraden Sven Happek durch.

Das letzte Match des Turniers sollte auch gleichzeitig das beste werden. Entgegen aller Erwartungen spielte Marius Henninger trotz der kräfteraubenden Begegnungen bis zum Finale erneut von Beginn an groß auf und hatte beim Stande von 2:0 und 10:9 gar einen Matchball. Diesen konnte Dauud Cheaib jedoch mit einem sensationellen Rückhand-Topspin abwehren und sich dann in der Verlängerung erst diesen und dann tatsächlich auch noch die nächsten beiden Durchgänge sichern.

Ein etwas wackliger, aber verdienter Stadtmeister 2019 ziert somit nun die bislang bereits mit deutschen und internationalen Meistertiteln gespickte Tischtennis-Vita des „Ballstreichlers“, wie Cheaib auch in der regionalen Szene aufgrund seines Gefühls für Ball und Schläger genannt wird.

Marathon-Mann Mangold

Von den vier Halbfinalisten bei den Herren A trat nur Manuel Mangold auch im Doppel und Mixed an. Mit Klaus Hummel an seiner Seite konnte die Links-Rechts-Kombination souverän diesen Wettbewerb gewinnen. Auch im Mixed kämpfte sich der 24-Jährige ins Endspiel. Da sowohl seine Partnerin Lea Feirer (TSV Lichtenwald) mit ihrer Schwester Sara (TSV Lichtenwald) als auch Mangold mit Matthias Gantert auf der anderen Seite des Tischs bekannte Gegner wiederfanden, hingen die Trauben hoch. Feirer/Gantert holten sich hier die Stadtmeisterschaften, und Mangold komplettierte mit einem zweiten Platz seine Medaillenliste.

Mit zwei Mal Gold und ein Mal Bronze im Gepäck durfte die beste Spielerin des Turniers, Laura Henninger, die Heimreise nach Untergröningen antreten. Zusammen mit ihrem Bruder Marius sicherte sie sich erst den dritten Platz im Mixed, bevor sie mit Petra Landfried vom TV Rechberghausen das Doppelfinale gegen die Feirer-Schwestern gewinnen sollte.

Im Einzel führte der Weg der Spielerin aus der Kochergemeinde dann im Halbfinale über ihre Doppelpartnerin, sodass im Finale ein 3:1-Sieg über Anne Dufner (SV Deuchelried) den Titel bedeutete.

Favoritensiege en masse

Während der Sonntag ganz im Zeichen der Königsklassen stand, hatten am Samstag traditionell die Jugendklassen Fahrt aufgenommen und in jeweils vier Konkurrenzen ihre Titelträger gesucht. Mit Jasmin Magino vom TSV Neckartailfingen und Kilian Steinhübl vom gastgebenden VfL Kirchheim konnten sich jeweils die an Position eins Gesetzten ganz oben auf dem Podest platzieren. Bei den U13-Wettkämpfen das gleiche Bild: Sowohl Fanny Günther (TSV Sielmingen) als auch Matej Haspel (GSV Hemmingen) ließen keinen Zweifel an ihren Erfolgen aufkommen.

Auch eine Altersklasse höher pflügten die Favoriten durchs Turnier, sodass mit Julia Feger (SV Nabern) und Erik Lacher (GSV Hemmingen) die auch vom TTR-Ranking besten Spieler das Rennen machten. Einzig und allein die Mädchen und Jungen der U18 wollten eine Ausnahme darstellen. Zwar wurde Lena-Sophie Locher (TV Bissingen) ihrer Favoritenrolle gerecht, doch Niclas Vild (SF Wernau) konnte den Topgesetzten Alexander Wagner (SPV 05 Nürtingen) im Finale besiegen.

Die B-Klassen bei den Damen und Herren folgten dem Muster der anderen Wettbewerbe: Favoritensiege durch und durch. Viviane Schnell (SV Nabern) und Markus Klein (SF Dornstadt) dominierten das Feld in ihren Einzeln und sicherten sich die Titel. Markus Klein war außerdem noch im Doppel mit Rudolf Geiger (VfL Gerstetten) erfolgreich.

Simon Bauknecht (TSV Georgii Allianz Stuttgart) meldete als ungesetzter Spieler noch kurzfristig nach und gab auf seinem Weg zum Turniergewinn bei den Herren D keinen einzigen Satz ab. Teilweise führte seine spielerische Überlegenheit dazu, dass seine Gegner im Spaß meinten: „Eigentlich könnte ich doch auch abschenken, bin ich schon früher daheim.“

Andreas Strauss (TSV Scharnhausen) wurde Stadtmeister bei den Herren C.

Die meisten Teilnehmer spielen die meisten Sätze

Die Resonanz auf die Stadtmeisterschaften war rekordverdächtig: Insgesamt gingen in der Sporthalle des Ludwig-Uhland-Gymnasiums an beiden Turniertagen wieder deutlich mehr als 300 Teilnehmer auf Punktejagd. Die meisten Akteure schickten mit dem SV Nabern (36) und dem VfL Kirchheim (30) die beiden derzeit stärksten Vereine der Region ins Rennen.

Mit mehreren Rekorden schrieb die 53. Auflage des Turnier ein weiteres Kapitel in der Geschichte des VfL Kirchheim: Neben der größten Anzahl an Spielerinnen und Spielern im Jugend- und Aktivenbereich wurden die meisten Sätze überhaupt gespielt. Folge: an beiden Turniertagen dauerten die Wettbewerbe deutlich länger, als vom Zeitplan vorgesehen.jce

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