Lokalsport

Der Glückliche macht Station in Kirchheim

Autogrammstunde Der Auftritt von Felix Neureuther lockt die Massen zu Sport Räpple, wo der langjährige Ski-Star aus dem Nähkästchen plauderte. Von Klaus Schlütter

Gute Stimmung in der Dettinger Straße: Die Fans freuen sich über den Besuch von Felix Neureuther bei Sport Räpple, wo der ehemal
Gute Stimmung in der Dettinger Straße: Die Fans freuen sich über den Besuch von Felix Neureuther bei Sport Räpple, wo der ehemalige Ski-Rennprofi fleißig Autogramme für seine Fans schrieb. Fotos: Markus Brändli

Riesengedränge bei Sport-Räpple in der Dettinger Straße - gab‘s am Dienstagnachmittag Kaffee und Kuchen zur Neueröffnung des renovierten Sportgeschäfts? Oder Angebote zum Schnäppchenpreis? Nichts dergleichen. Allein die auffallend vielen jungen Damen unter den Besuchern ließen erahnen, was hier geboten wurde: Der Auftritt eines sympathischen, erfolgreichen und darüber hinaus sehr attraktiven Sportlers.

Entsprechend herzlich und mit viel Beifall wurde Stargast Felix Neureuther von den Massen begrüßt. Kurz geschnittene dunkle Haare, schwarzes T-Shirt, ein Lausbubenlächeln im Gesicht. Mit 35 Jahren hat der Sohn von „Gold Rosi“ Mittermaier und Christian Neureuther, beide Ski-Idole ihrer Zeit, unlängst seine Karriere beendet. Wie seine Eltern war er eine Generation lang das Aushängeschild des deutschen Skirennsports. Mehr als 30 Jahre, davon 17 als Profisportler, kurvte er durch die Slalomstangen. Er hat viel gewonnen, darunter fünf WM-Medaillen und 13 Weltcuprennen. „Ich habe meinen Kindheitstraum in vollen Zügen leben dürfen“, sagt er dankbar.

Hatten gut lachen: Felix Neureuther und Leki-Chefin Waltraud Lenhart. Foto: Markus Brändli

So gesehen trägt Felix seinen Vornamen zu Recht. Felix kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „der Glückliche“. Aber nicht immer lief es rund. Rücken- und Knieprobleme warfen ihn oft zurück. Die Olympischen Spiele 2014 verpasste er aufgrund eines Autounfalls bei der Anreise zum Flughafen - Schleudertrauma statt Medaillentraum.

Felix Neureuther gab sich bei Räpple volksnah. Foto: Markus Brändli

Vier Jahre später musste er bei den Spielen in Sotschi wegen eines Kreuzbandrisses passen. Dabei war er trotzdem - als Wintersport-Experte beim TV-Sender Eurosport. „Als ich wieder gut drauf war, habe ich mir einen Daumen gebrochen. Es folgte ein schwerer Sturz mit Gehirnerschütterung. Mit 35 merkst du halt das Alter immer mehr. Manchmal habe ich mich wie ein fahrendes Wrack gefühlt“, erzählt er. Herz und Körper hätten ihm in den vergangenen Monaten deutlich zu verstehen gegeben, dass es an der Zeit ist, „dieses für mich so wunderschöne Kapitel Skirennsport zu beenden“.

Ein Herz für den Ski-Nachwuchs

Doch der Neureuther-Stammbaum geht weiter. Das eineinhalb Jahre alte Töchterchen Matilda könnte mit den Genen der Großeltern, von Felix und von Mutter Miriam Gössner, einer Top-Biathletin, die nächste Olympiasiegerin werden. Die Unterstützung von Papa ist ihr gewiss. Felix kümmert sich schon länger intensiv um den Ski-Nachwuchs: „Kinder sollen sich wieder mehr bewegen und das möglichst in der Gruppe“, ist sein Leitgedanke. „Das ist eine gute Schule, um Zusammenhalt zu lernen.“

Neureuther unterstützt eine Stiftung, die Kindern im digitalen Zeitalter Lust auf Bewegung macht. Einmal im Jahr lädt er die besten Nachwuchs-Skifahrer ein, mitzutrainieren. Die Freude an seiner Sportart vermittelt er auch mit zwei Kinderbüchern: „Auf die Piste, fertig, los!“ und „Ixi und die coolen Huskys“. Beide hat er selber geschrieben, ersteres gemeinsam mit seinem besten Kumpel Bastian Schweinsteiger. Der Erlös der Bücher fließt in die Stiftung.

Wie sieht Neureuthers Zukunft aus? Eine Laufbahn als Sänger wie einst Hansi Hinterseer oder Toni Sailer ist nicht geplant, obwohl er vergangene Woche verkündet hatte: „Musik ist eine große Leidenschaft von mir. Deswegen werde ich am Montag meine erste Single rausbringen.“ Einige Medien sind darauf reingefallen. Ein Blick auf den Kalender hätte sie vor dieser „Ente“ bewahrt: Am Montag war der 1. April.

Konkret hat sich Neureuther über seine Zukunft noch nicht geäußert. Bis jetzt habe er ja erst mal die Vergangenheit abgearbeitet, meinte er. Dazu zählte der Abstecher unter die Teck, um vor der Autogrammstunde bei Räpple dem langjährigen Partner Leki - schon die Eltern fuhren mit Skistöcken aus Kirchheim - einen Besuch abzustatten. Nun will er sich erst mal eine Pause gönnen. „In irgendeiner Form werde ich dem Skisport erhalten bleiben“, versprach er und fügte verschmitzt lächelnd hinzu: „Dann werde ich vielleicht doch noch mal singen - auf dem Münchner Oktoberfest.“

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