Lokalsport

Der „kleine König“ von Leipzig

Der Ex-Kirchheimer Dominik Kaiser spielt mit Zweitliga-Aufsteiger RB die Saison seines Lebens

Der VfL Kirchheim im Sinkflug Richtung Bezirksliga. Das Kontrastprogramm dazu liefert ein ehemaliger Jugendspieler des VfL: Dominik Kaiser (25) vom Zweitliga-Aufsteiger RB Leipzig, von 2003 bis 2007 ein „Blauer“, wurde von den Usern der DFB-Homepage zum Spieler der Saison in der dritten Liga gewählt. „König“ Kaiser erhielt 29 243 von 55 111 abgegebenen Stimmen, mehr als 50 Prozent. Der Pokal dafür wurde ihm am Samstag beim 3:1-Sieg gegen die Stuttgarter Kickers auf der Waldau überreicht.

2007 noch gemeinsame Weggefährten im VfL-Trikot: Dominik Kaiser, die Brüder Feriz und Alban Meha (Letzterer feierte am Wochenend
2007 noch gemeinsame Weggefährten im VfL-Trikot: Dominik Kaiser, die Brüder Feriz und Alban Meha (Letzterer feierte am Wochenende mit dem SC Paderborn den Aufstieg in die Bundesliga) und Michel Kutscher (von links). Foto: Skalak

Leipzig/Kirchheim. Waldstetten ist eine 7 000-Seelen-Gemeinde bei Schwäbisch Gmünd. Die Fußballmannschaft des TSV ist im vergangenen Jahr in die Landesliga aufgestiegen und spielt dort eine bemerkenswert gute Rolle. Bundesweite Berühmtheit erlangte das Dorf durch den Olympiasieg seiner Skispringerin Carina Vogt in Sotschi. Und nun bringt auch noch ein junger Fußballer seinen Heimatort in die medialen Schlagzeilen.

Toni Ferrazano, damals B-Jugend-Trainer des VfL, war es, der das Jungtalent Dominik Kaiser vor elf Jahren nach Kirchheim lockte. Vater oder Mutter chauffierten den Sohn mit dem Auto zum Training – für 50 Euro Fahrtkostenzuschuss im Monat -, bis er selber den Führerschein hatte. „Es war eine durchweg positive Zeit, die ich in Kirchheim verbringen durfte. Leider sind wir im ersten A-Jugend-Jahr knapp am Aufstieg in die Junioren-Bundesliga gescheitert“, erinnert er sich. Trainer dieser erfolgreichen Mannschaft war Gunther Baisch.

Kaisers zweite Leidenschaft galt dem Tennis. Im Umgang mit dem kleinen Filzball ist er ebenfalls ein Ausnahmekönner. Er spielte in der württembergischen Auswahl und europaweit bei Turnieren. Als der Tennisbund auf eine Entscheidung drängte, ganz auf die Karte (Profi-)Tennis zu setzen, entschied er sich für den Fußball.

Mit 18 wechselte Kaiser zu Normannia Gmünd. Norbert Krumm, zu jener Zeit schon Sportlicher Leiter beim VfL, hatte Verständnis dafür: „Dominik wollte dort mit seinem älteren Bruder zusammen spielen.“ Dr. Steffen Kaiser (38) hat seine Karriere bei Gmünd, Kirchheim, Aalen und Bonlanden inzwischen beendet. In Schwäbisch Gmünd führt er mit seiner Schwester, ebenfalls Ärztin, eine gemeinsame Praxis.

Ralf Rangnick aus Backnang und sein „Trainervater“ Helmut Groß aus Geislingen lotsten den jüngeren Kaiser 2010 zur TSG Hoffenheim. Nach einem erfolgreichen Lehrjahr in der Oberliga-Elf von Markus Gisdol, an deren Aufstieg in die Regionalliga er als Mittelfeldstratege maßgeblich beteiligt war, schaffte er den Sprung in den Bundesligakader und erhielt seinen ersten Profivertrag. Parallel zu seiner Fußballkarriere setzte Kaiser sein Mathematik- und Sportstudium in Heidelberg fort.

Den endgültigen Durchbruch zum Klassemann schaffte er in dieser Saison bei RB Leipzig, der wie der österreichische Meister RB Salzburg von Ralf Rangnick gemanagt wird. Der „Kicker“ schrieb, nachdem der Leipziger Aufstieg feststand: „Dominik spielt die Saison seines Lebens. Er brilliert als Vorbereiter und Torschütze. Die Position hinter den Spitzen Frahn/Poulsen lässt sein Können voll zur Geltung kommen.“ Im vorletzten Spiel beim 5:1 gegen Saarbrücken traf Kaiser gleich dreimal und schraubte seine Saisonquote auf 13 Treffer. Für den ehemaligen Gmünder Trainer Alexander Zorniger, ebenfalls ein Rangnick-Vertrauter, war Kaiser der „Schlüsseltransfer“ der Leipziger.

Auch bei diesem Transfer hatte Helmut Groß, der auch schon den VfL Kirchheim trainiert hat, seine Finger im Spiel. Seit mehr als 30 Jahren ist er Berater von Rangnick, zieht im Hintergrund die Fäden. Offiziell ist der 67-Jährige an drei Tagen pro Woche bei Red Bull tätig. Doch seine vielfältigen Aufgaben in der Weiterentwicklung der Spielphilosophie, der Ausbildung der Trainer und im Endscouting an beiden Standorten halten ihn die ganze Woche auf Trab. „Ich bin gesundheitlich fit, und wenn man Erfolg hat, fällt alles leichter“, sagt der gelernte Bauingenieur. So konnte das Gespann Rangnick/Groß mit diversen Mannschaften schon 15 Aufstiege bejubeln.

Das Urteil von Groß hat Gewicht. Er sagt über seinen Zögling Kaiser: „Dominik bringt unwahrscheinlich gute Voraussetzungen mit, obwohl er nur 1,69 Meter groß ist. Er ist schnell, technisch stark, ausdauernd, torgefährlich, im Pressing ein Vorbild. Das ganz Besondere: Er ist sehr intelligent. Als anerkannter Leader reißt er die anderen mit, ohne abzuheben.“ Dominik Kaiser – der (kleine) König von Leipzig.

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