Lokalsport

Der König der Athleten ist ein Weilheimer

Leichtathletik Ricko Meckes von der LG Teck gewinnt völlig überraschend den Zehnkampf-Titel bei den Landesmeisterschaften in Leinfelden. Von Martin Moll

Wo landet der Speer? Ricko Meckes hat in Leinfelden nicht nur in seiner Paradedisziplin geglänzt. Foto: Christian Hilgenhaus
Wo landet der Speer? Ricko Meckes hat in Leinfelden nicht nur in seiner Paradedisziplin geglänzt. Foto: Christian Hilgenhaus

An diesen Wettkampf wird sich Ricko Meckes noch lange erinnern. Nicht, weil der 25-jährige Weilheimer am Ende minutenlang völlig ausgepumpt von Freundin Steffi, Papa Steffen und Opa Loui im Zieleinlauf betreut werden musste, sondern wegen der Art und Weise, wie er sich diesen Sieg erkämpft hatte und als neuer baden-württembergischer Zehnkampfmeister der „König der Athleten“ wurde.

Bereits als Schüler galt Ricko Meckes als großes leichtathletisches Talent. Seine Leidenschaft war immer der Mehrkampf. Doch der Körper verhinderte eine längere Entwicklungsphase. So waren es hauptsächlich punktuelle Highlights in Einzeldisziplinen, mit denen er aufhorchen ließ. 2009 warf er als 17-Jähriger den Speer zum ersten Mal über 60 Meter. Die größten Erfolge verbuchte er im Jahr 2011, als er Dritter bei den Deutschen A-Jugendmeisterschaften im Speerwerfen wurde (66,25/Kreisrekord). Im gleichen Jahr absolvierte er als baden-württembergischer Zehnkampf-Jugendmeister (6 722 Punkte) seinen letzten Mehrkampf.

Sechs Jahre später steht Ricko Meckes wieder ganz oben auf dem Podest. „Ich wollte es einfach nochmals versuchen, denn der Mehrkampf lässt mich einfach nicht los.“ Wer ihn kennt, weiß, dass er genau einschätzen kann, was geht und was nicht. Auch das Okay seines Trainers Ralf Mutschler war ihm wichtig.

Bei idealen Bedingungen startete Meckes über 100 Meter in 11,66 Sekunden, ließ 6,88 Meter im Weitsprung folgen und erzielte anschließend im Kugelstoßen mit 13,21 Metern eine neue persönliche Bestweite. Nach 1,80 Metern im Hochsprung lief Meckes die 400 Meter in 53,15 Sekunden so schnell wie nie und setzte sich nach dem ersten Tag hinter Jan Schenk (VfL Sindelfingen) an die zweite Position mit 3 486 Punkten.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Sindelfingers ging Meckes als Führender in den zweiten Tag. Nur zwei Athleten, Maik Merle (VfL Sindelfingen/3 297) und Matthias Laube (LG Neckar-Enz/3 279) waren noch am Weilheimer dran. Nachdem auch der 110-Meter-Hürdenlauf überraschend gut verlaufen war (16,15 Sekunden), stiegen die Chancen auf eine Medaille immer mehr. Trotz mäßigen 32,97 Metern im Diskuswerfen blieb er 38 Punkte vorn. Trotzdem schien der Titel weg - sechs Jahre hat er keinen Stabhochsprung mehr absolviert und Laube war mit einer Bestleistung von 4,20 Metern angereist.

Doch Meckes gelang das Unglaubliche und schaffte sogar eine persönliche Bestleistung mit 3,90 Metern. Zwar hatte Laube, der 4,10 überquerte, Meckes in der Gesamtwertung nun um 17 Punkte überholt, doch der Weilheimer war mit 63,33 Metern gegenüber den 55,03 von Laube der bessere Speerwerfer und setzte sich wieder an die Spitze.

Der Vorsprung vor dem abschließenden 1 500-Meter-Lauf betrug 108 Punkte, was umgerechnet 18 Sekunden bedeutete. Meckes versuchte in der ersten Runde am schnelleren Laube dranzubleiben, der dann aber kontinuierlich den Vorsprung auf rund 20 Sekunden ausbaute. Der Titel schien weg. Am Ende war es Meckes’ unbändiger Wille auf den letzten 150 Metern, sich nochmals bis auf 15 Sekunden an Matthias Laube heranzukämpfen. Erst bei der Siegerehrung erfuhr Meckes, dass er mit 6 667 Punkten knapp vor Matthias Laube (6 649) und Maik Merle (6 401) gewonnen hatte.

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