Lokalsport

Der lange Weg nach Rio

Kirchheims Sprinter Alex Schaf denkt trotz Achillessehnenriss noch lange nicht ans Karriereende

Zum Zuschauen verdammt der Achillessehne wegen: Wenn am Wochenende in Nürnberg die deutschen Leichtathletikmeister gekürt werden, guckt Alex Schaf in die Röhre: Der 100-Meter-Spezialist mit WM-Erfahrung aus Kirchheim kann die Titelkämpfe nur am Fernseher verfolgen. Grund genug, nach erfolgreich verlaufener OP wieder ans Comeback zu denken.

Außer Gefecht, aber nicht außen vor: Alex Schaf hat die Olympia-Teilnahme fest im Visier.Foto: Ralf Görlitz
Außer Gefecht, aber nicht außen vor: Alex Schaf hat die Olympia-Teilnahme fest im Visier.Foto: Ralf Görlitz

Kirchheim. Die Krücken stehen in der Ecke, der Spezialschuh im Schrank und nur ein leichtes Humpeln lässt darauf schließen, dass der Mann mit den raspelkurzen Haaren vor zehn Wochen am Tiefpunkt seiner ohnehin schon von etlichen Nackenschlägen gepflasterten Karriere angekommen war.

Dabei wollte Alex Schaf im Mai unter der Sonne Floridas eigentlich den Grundstein für eine erfolgreiche Freiluftsaison legen. Doch statt im Trainingslager in Clermont nach drei verletzungsbedingten Seuchenjahren wieder auf Kurs zu kommen, schlug das Pech mit voller Wucht zu: Ein Achillessehnenriss im rechten Fuß verhinderte, dass Schaf an die Erfolge seines bestens Wettkampfjahres 2011 anknüpfen konnte, als er mit 10,20 Sekunden schnellster Deutscher über 100 Meter war, bei der DM zu Bronze sprintete und als Schlussläufer der DLV-Staffel bei der WM in Südkorea dabei war. „Ich hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit der Achillessehne, darum kam die Verletzung nicht wirklich überraschend“, sagt der 28-Jährige.

Für seinen um markige Worte nie verlegenen Trainer ohnehin nicht. „Wenn du ohne Doping an der Spitze mitlaufen willst, musst du permanent am Limit trainieren. Und das macht anfällig für Verletzung“, verweist Micky Corucle auf etliche Leidensgenossen von Schaf wie den aktuell schnellsten DLV-Mann, Sven Knipp­hals aus Wolfsburg, oder den Deutschen Rekordhalter Julian Reus vom TV Wattenscheid, die sich ebenfalls mit Achillessehnenbeschwerden herumplagen.

Am prominentesten Opfer dieser Verletzung kann sich Schaf übrigens getrost orientieren, zumal er es bestens kennt: Sein langjähriger Trainingskollege und Vereinskamerad Tobias Unger schaffte trotz zweier Achillessehnenoperationen noch den Sprung zu den Olympischen Spielen. „Klar nimmt man sich das zum Vorbild“, sagt Schaf, „die Spiele in Rio sind auf jeden Fall mein Ziel.“

Wann er mit den Vorbereitungen dafür beginnen kann, steht derweil noch in den Sternen. Frühestens nach einem halben Jahr empfehlen die Ärzte ernsthafte Trainingsbelastungen, in Schafs Fall also im November. „Wenn alles gut läuft, kann ich vielleicht schon in der Hallensaison starten“, sagt der Deutsch-Ukrainer zuversichtlich. Micky Corucle hat seinen Zögling ebenfalls noch nicht abgeschrieben. „Optimismus und Glaube sind berechtigt, weil andere nach so einer Verletzung auch schon zurückgekommen sind.“

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