Lokalsport

Der Lotse ist wieder an Bord

Tischtennis Jian Xin Qiu kehrt als Sportlicher Leiter zum Zweitligisten TTC Frickenhausen zurück und will mit dem Verein an glorreiche Zeiten anknüpfen. Von Uwe Bauer

Steigt beim TTC als Sportlicher Leiter ein: Jian Xin Qiu. Foto: Deniz Calagan
Steigt beim TTC als Sportlicher Leiter ein: Jian Xin Qiu. Foto: Deniz Calagan

Totgesagte leben länger, auch im Tischtennis. Beim Zweitligisten TTC Frickenhausen, den viele im Falle des drohenden Abstiegs in die Dritte Liga bereits völlig von der Bildfläche verschwinden sahen, hat sich neuer Optimismus breitgemacht. Für die Aufbruchstimmung sorgt einer, der für die erfolgreichste Zeit des TTC maßgeblich verantwortlich war: Ex-Trainer Jian Xin Qiu wird als Sportlicher Leiter im Neuffener Tal tätig. Selbst wenn der TTC in die Dritte Liga absteigen sollte, geht Qiu als Leitfigur vorneweg.

„Es gab nur zwei Varianten“, sagt Frickenhausens Manager Jürgen Veith, „entweder wir hören mit dem Spitzensport auf oder wir greifen wieder voll an.“ Jetzt steht fest: Der TTC will wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen. „Wir wollen wieder in die Erste Liga“, sind sich Jürgen Veith und Jian Xin Qiu, der künftig als Sportlicher Leiter und nicht als Trainer der ersten TTC-Mannschaft fungieren wird, einig. Beide hoffen, dass die Mannschaft durch die drei Punkte aus den letzten beiden Spielen so viel Selbstvertrauen getankt hat, um den direkten Abstieg zu verhindern und den Klassenverbleib über die Relegation perfektzumachen.

In der neuen Saison will der TTC in der Zweiten Liga ganz vorne mitmischen und in der Saison 2018/19 wieder der deutschen Beletage angehören. Sollte wider Erwarten doch der sportliche Super-GAU eintreten, hieße das Ziel „sofortiger Aufstieg in die Zweite Liga“. Dann würden sich die Planungen um ein Jahr verschieben.

Bevor der TTC wieder große sportliche Sprünge machen kann, müssen freilich auch die Finanzen stimmen. „Wir können das Ganze nur in Angriff nehmen, wenn wir es vorsichtig machen“, sagt der Manager. Soll heißen: überschaubare Größenordnung und ohne Risiko. Zu frisch sind noch die Vorkommnisse, die die TTC-Verantwortlichen vor gut zwei Jahren zum Rückzug aus der Bundesliga bewogen haben. Auch hier hat Jian Xin Qiu seine Kontakte genutzt - und einen zusätzlichen Sponsor ins Boot geholt. „Shakehands“, ein japanisches Unternehmen, das mit Tischtennis-Bewegtbildern im Internet Geld verdient, sorgt dafür, dass der TTC finanziell wieder besser aufgestellt ist. „Für uns ist es ein Glücksfall, dass Qiu so gute Verbindungen nach Japan hat“, sagt Veith.

Die finanzielle Seite ist ein Aspekt in Qius Konzept, die Zusammensetzung der Mannschaft die andere. Denn das Team aus dem Neuffener Tal wird in der kommenden Saison ein gänzlich neues Gesicht haben. Tobias Rasmussen (zum TTC Jülich), Jesper Hedlund (zurück nach Schweden), Alfredas Udra (zu einem Drittligisten), Ryotaro Ogata und Yuki Matsuyama (beide zurück nach Japan) verlassen den TTC, fünf neue Spieler werden kommen. Drei Neue stehen bereits fest: Hibiki Tazoe, ein 20-jähriger Japaner, Diago Chen, ein 20-jähriger Portugiese (er kommt allerdings bloß beim Nichtabstieg), und Qius Sohn Liang (22), der nach zwei Jahren beim TTC Grenzau zurückkehrt. Zwei weitere Akteure stehen noch auf der Agenda des neuen Sportlichen Leiters. Die Strippen hat er längst gezogen. Denn eines ist klar: Spiele kampflos abschenken will man nicht mehr. „Wir werden mit fünf Spielern in die Runde gehen“, verspricht Jian Xin Qiu.

Jetzt muss nur noch die Suche nach einem neuen Präsidenten für den zurückgetretenen Sebastian Koch erfolgreich beendet werden. Jürgen Veith hofft, dass sich durch Qius Engagement auch andere Mitglieder neu motivieren lassen.

Mit besten Kontakten nach Fernost

Seit 25 Jahren lebt Jian Xin Qiu im Schwabenland, 23 Jahre davon prägte er den Aufstieg des TTC Frickenhausen. Zunächst als Spieler, dann als erfolgreicher Trainer, der die Mannschaft unter anderem zu zwei deutschen Meisterschaften führte.

Der 51-Jährige hat ein Gespür für hoch talentierte Spieler. Und ganz nebenbei pflegt der gebürtige Chinese beste Verbindungen in sein Heimatland und hat hervorragende Kontakte nach Japan aufgebaut. Ein Umstand, der dem TTC schon mehrfach zugutegekommen ist.

Die Talfahrt des TTC beschäftigt Qiu in zunehmendem Maße. Einfach tatenlos zuzusehen, wie der Verein vor die Hunde zu gehen droht, wollte Qiu nicht und ergriff die Initiative. Anfang März wurde Qiu bei TTC-Manager Jürgen Veith vorstellig und bot seine Hilfe an - ehrenamtlich. Die beiden wurden sich schnell einig, und bei einer Präsidiumssitzung Ende vergangener Woche segnete auch die TTC-Vorstandschaft die Pläne ab.uba

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