Lokalsport

Der Meistermacher hat den Dreh raus

Leichtathletik Peter Salzer ist vom Landessportverband als Trainer des Jahres ausgezeichnet worden. Der Nürtinger betreut unter anderem Paralympics-Sieger Niko Kappel. Von Klaus Schlütter

An der Pinnwand über seinem Schreibtisch in der Stuttgarter Molly-Schauffele-Halle steht „Make things happen“. Ein Wahlspruch, den Peter Salzer aus Nürtingen seit Jahrzehnten wörtlich nimmt. Der Landestrainer für Kugelstoßen und Diskuswurf hat schon viele Athleten und Athletinnen zu Meistern gemacht, etwa Petra Lammert, Lena Urbaniak, Marco Schmidt oder Tobias Dahm. 14 Medaillen waren es allein auf internationalem Parkett. Gestern Abend wurde Salzer vom Landessportverband LSV zum Trainer des Jahres in Baden-Württemberg gekürt.

Die Krönung für den 58-Jährigen war die Goldmedaille des von ihm betreuten Niko Kappel bei den Paralympics 2016. Als er den nur 1,40 Meter großen Kugelstoßer mit den versteiften unteren Rückenwirbeln vor zwei Jahren und zwei Monaten unter seine Fittiche nahm, hatte der eine Bestleistung von kaum mehr als zehn Metern. Salzer: „Er war ein fauler Hund, hat nur einmal die Woche trainiert. Im ersten Jahr musste er bei mir erst mal trainieren lernen.“ Spätestens seit Rio hat Kappel begriffen, dass der große Preis nur mit viel Schweiß zu gewinnen ist. Seither kommt er fünf Mal die Woche von seinem Wohnort Welzheim zum Training nach Stuttgart.

Kappels zweiter Erfolgsgarant ist die neue Stoßtechnik, die ihm Salzer beigebracht hat. Nach der Umstellung von der Wechselschritt- auf eine Fünf-Viertel-Drehtechnik im Ring hat sich Kappel um 3,12 Meter auf 13,57 Meter gesteigert. „Wir sind mit seiner Technik noch nicht fertig. Ziel ist eine Sechs-Viertel-Drehung. Dann ist eine weitere Leistungssteigerung drin“, so der Coach.

Salzer versichert, es mache „brutal Spaß, mit Niko zu arbeiten“. Er habe ein hohes Bewegungstalent, sei kreativ, bringe oft eigene Vorschläge ein und wäre immer gut drauf. Umgekehrt weiß Kappel auch, was er an seinem Trainer hat: „Ich bin glücklich, dass ich bei Peter gelandet bin. Ohne ihn wäre ich nichts geworden.“

Im Gegensatz zu seinem Schützling ist Salzer ein Bär von einem Mann: 1,88 m groß, 110 Kilo schwer. Er war früher selber Spitzensportler, mit einer Weite von 17,96 Metern deutscher Jugendmeister im Kugelstoßen. Wie die ganze Familie: Frau Anke, geborene Köninger, war eine vielseitige Leichtathletin, 1984 deutsche Meisterin im Siebenkampf. Sohn Michael (25) warf den Diskus als Jugendlicher 65,42 Meter weit, ist jetzt Junioren-Weltmeister im Zweierbob. Sohn Marc (21) gewann vor seiner Ausbildung zum Sport- und Gymnastiklehrer die deutsche Jugendmeisterschaft im Steinstoßen, ebenso Schwester Birgit.

Im Mai 1981 machte der damalige Landestrainer Rüdiger Zentgraf Vater Salzer zu seinem Assistenten. Der blieb noch fünf Jahre sportlich aktiv, war quasi Spielertrainer, bis er alleinverantwortlich wurde. „Ich hatte viele Lehrmeister, habe von jedem etwas mitgenommen und meinen eigenen Stil entwickelt“, sagt er. Unter seinen Mentoren waren auch zwei prominente Bundestrainer: Heiner Brand und Peter Peters. Für die Handballer arbeitete Salzer bei den Europameisterschaften 1998 und 2000 als Videoscout und Analysetrainer. Für Teile von Peters Hockey-Nationalkader leitete er das Krafttraining.

Im Olympiastützpunkt Stuttgart betreut er aktuell sieben Athleten des Bundes- und zwei des Landeskaders. Sie ziehen ihren Nutzen aus seiner reichhaltigen Erfahrung und schätzen ganz besonders sein umgängliches Wesen. Von diesen positiven Eigenschaften profitieren auch Wolfgang Hoppe, der ihm im Büro als „Azubi“ gegenübersitzt, und Co-Trainer René Struensee. Und weil der aus der Teckregion kommt (wohnt in Weilheim, trainiert die LG Teck), haben ihm seine Kollegen den Spitznamen „Teckbote“ verpasst.

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