Lokalsport

Der Nachbar hat noch Perspektive

Weilheims Nachbar TSV Bad Boll träumt noch vom Erreichen des Aufstiegsrelegationsplatzes

Acht Kilometer Distanz auf der Landkarte, nun zehn Punkte Vorsprung in der Tabelle: Weilheims Nachbar TSV Bad Boll ist auf der Saisonzielgeraden unverhoffter Aufstiegskandidat in der Landesliga.

Bad Boll. Während für den TSV Weilheim spätestens seit der gestrigen 0:1-Niederlage bei Calcio Leinfelden-Echterdingen die Runde gelaufen ist, sind die Kurörtler weiter dick im Aufstiegsgeschäft. Dem 3:1 beim SC Geislingen am vergangenen Mittwoch ließ der einstige Abstiegskandidat am Samstagabend ein 4:2 gegen den unbequemen TSGV Waldstetten folgen. Mit Marcel Mettang, Torschütze zum 2:0, legte dabei ein Ex-Weilheimer bei Schmuddelwetter und Außentemperaturen von lediglich sechs Grad Celsius den Grundstein zum Sieg.

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Die Maximalpunktzahl kassierten die Boller ab, obwohl Trainer Benjamin Geiger auf den gelb-rot-gesperrten Mittelfeldakteur Michael Heilemann verzichten musste. „Die Mannschaft musste auch gegen ein Team wie Waldstetten an ihr Limit gehen“, konstatierte der Coach. Selbst Abteilungsleiter Adolf Schöllkopf, schon viele Jahre an Bord und entsprechend sturmerprobt, kann sich an eine komfortablere und schönere sportliche Situation nicht erinnern. „Unglaublich“ sei es, was die Mannschaft in dieser Saison leiste.

Es könnte somit durchaus sein, dass unweit der Limburg in der kommenden Saison tatsächlich Verbandsliga-Fußball zu sehen ist. Dem einstigen Teckbotenpokal-Triumphator (2007) aus Bad Boll könnte nämlich zumindest noch der Sprung auf den Relegationsplatz zwei gelingen. „Für uns ist es eine Ehre, dass wir kurz vor Saisonende in diesem Kreis von Titelanwärtern wie Ebersbach und Calcio stehen und sogar in Punkten weit vor Weilheim und Geislingen“, relativiert Benjamin Geiger die Situation, „doch wir wissen nur zu gut, dass wir immer noch Schwächen haben.“

Der einstige Geislinger gibt sich in der Aufstiegsfrage diplomatisch. Klar sei es schön, dass es im Umfeld eine Euphorie gebe, „doch müssten wir nach fünf Siegen am Stück wohl auch noch alle restlichen sechs Partien gewinnen, um noch eine echte Meisterschaftschance zu haben.“

Bereits die Partie am kommenden Samstag beim TSV Weilheim werde „extrem schwierig“. Sein Rat: „Die Situation genießen, und wenn wir am Ende Dritter werden, wäre das auch ein Riesenerfolg.“ Sechs Spieltage vor Saisonende ist der TSV Bad Boll auf jeden Fall dran, Clubhistorie zu schreiben. Die beste Landesliga-Platzierung aller Zeiten wird es wohl auf jeden Fall werden. Bisher gilt noch der unter Geiger-Vorgänger Mirko Doll erreichte fünfte Platz aus der Saison 2012/13 als Nonplusultra.

Beim Tabellenführer SV Ebersbach ist die Aufstiegssehnsucht etwas intensiver. Jürgen Schorstädt, in den Neunzigerjahren Sportlicher Leiter beim VfL Kirchheim, hat den TSV Bad Boll dabei noch fest auf der Rechnung – vor allem im Hinblick auf das Restprogramm. „Boll hat noch Heimspiele sowohl gegen uns als auch gegen Calcio“, weiß Schorstädt.

Die Ebersbacher erledigten gestern die Pflichtaufgabe bei der TSG Hofherrnweiler-Unterrombach mit 2:1. Der TSV Weilheim wird derweil nach der 0:1-Niederlage bei Calcio Leinfelden-Echterdingen wohl zwischen Tabellenplatz vier und sechs ins Ziel eintrudeln. Trost für die Weilheimer gab es von deren Ex-Spieler Fatih Özkahraman. „Sie haben vor allen Dingen in der zweiten Halbzeit viel Druck gemacht“, sagte der Stürmer, „das war wie erwartet eine schwere Aufgabe für uns.“ Das Wiedersehen sei übrigens, von 90 kampfbetonten Spielminuten abgesehen, „sehr herzlich“ gewesen.

Im Landesliga-Abstiegskampf haben der FV 09 Nürtingen und der TSV Köngen wichtige Auswärtssiege eingefahren. Die Nürtinger nutzten beim TSV Buch in der Schlussphase einen schnellen Gegenstoß zum 1:0. Manuel Rothweiler drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. „Großes Kompliment an die Mannschaft, das war die richtige Antwort nach dem 0:6 gegen Bonlanden“, freute sich 09-Trainer Daniel Teufel, „aber trotz dieses Sieges brauchen wir noch weitere Punkte bis zum endgültigen Klassenerhalt.“

Mit 34 Punkten ist Nürtingen allerdings in einer komfortableren Situation als der TSV Köngen, der sich mit einem 2:0 beim Absteiger SV Ebnat an Waldstetten vorbei mit 28 Zählern auf den fünftletzten Tabellenplatz schob. Das Ziel des scheidenden TSVK-Trainers Ralf Rueff, einen Nichtabsteiger an seinen Nachfolger zu übergeben, rückt näher.