Lokalsport

Der rasende Friseur sagt „Servus“

Ski Mit Philipp Hauff beendet einer der erfolgreichsten Rennläufer der Teckregion seine Karriere

Kirchheim. Die Meldung mag überraschen, doch spätestens mit der Geburt seines Sohnes Vito hat Philipp Hauff vom VfL Kirchheim die Prioritäten neu gesetzt und seine aktive Laufbahn beendet.

Rund 20 Jahre hatte der 28-jährige Kirchheimer den alpinen Rennsport intensiv gelebt und für den Erfolg alles gegeben. Zu seinen größten sportlichen Meriten gehörte der vierte Platz bei den deutschen Schülermeisterschaften im Vielseitigkeitslauf und einige Jahre später die deutsche CIT-Fis-Vizemeisterschaft.

Begonnen hat Hauffs Karriere als Fünfjähriger mit den VfL-Vereinsmeisterschaften. Sein Vorbild damals war seine drei Jahre ältere Schwester Lena, die übrigens den ersten schwäbischen Meistertitel in die Familie holte. Über die damalige Nachwuchs-Rennserie „Märklin-Cup“ des Bezirks Mittlere Alb empfahl er sich für den Bezirkskader und kurze Zeit später für den Schülerkader des Schwäbischen Skiverbandes.

Herausragende Ergebnisse bei Verbandsrennen und Landesmeisterschaften führten ihn dann in den D-Kader des Deutschen Skiverbandes. Im Jahr 2002 war Hauff achtbester Deutscher seines Jahrgangs. Im Jahr 2003 fuhr Hauff als 15-Jähriger beim „National Junior Race“ seine ersten Rennen gegen ausländische Konkurrenz. Ein Jahr später folgten erste FIS-Einsätze und die Tür in den C-Kader des DSV stand weit offen.

Nun kam es jedoch zu einer folgenschweren Entscheidung. Wer es so weit bringt, kommt um das Thema Ski-Internat nicht he­rum. Biathlet Simon Schempp (SZ Uhingen), der übrigens gleich alt ist wie Hauff und bis zu seinem zwölften Lebensjahr im alpinen Bezirkskader stand, entschied sich für den Profisport und wechselte mit 14 Jahren nach Furtwangen.

Dies kam für Hauff jedoch nicht infrage. Vielmehr versuchte er, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen. Vater Max unterstützte ihn dabei. Erste Konsequenz: Die Ausbildung zum Friseur machte Philipp Hauff im elterlichen Betrieb. Damit war gewährleistet, dass er an den zeitraubenden Trainingsmaßnahmen und am regelmäßigen Rennbetrieb teilnehmen konnte.

Philipp Hauff gilt als exzellenter Techniker mit einer „Alles oder Nichts-Mentalität“. Deshalb findet man ihn in den Ergebnislisten entweder auf den vorderen Plätzen oder gar nicht.

Insgesamt gewann er sechs schwäbische und neun baden-württembergische Meisterschaften. Über 50 Mal stand er nach Verbandsrennen auf dem Siegerpodest. Dass der Weg in die deutsche Spitze ihm verwehrt blieb, war der Entscheidung, nicht ans Skiinternat zu gehen, geschuldet. Doch dies hat er nie bereut.

Sicherlich wird Hauff noch das eine oder andere Rennen fahren, der Reußensteinpokal und die Leki Race Challenge zum Beispiel. Die Verbundenheit zu seinem Heimatverein VfL Kirchheim, in dem die Familie Hauff bereits über Jahrzehnte eine tragende Rolle einnimmt, war immer von großer Bedeutung und wird vielleicht bald durch Vito in die vierte Generation getragen.Martin Moll

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