Lokalsport

Der TTC in völlig neuem Gewand

Tischtennis-Zweitligist Frickenhausen peilt mit vier Neuzugängen den Klassenerhalt an – Altlasten abgetragen

Neues Team, neue Klubspitze: Mit einer total umgekrempelten Mannschaft startet Tischtennis-Zweitligist TTC Frickenhausen im September in die neue Saison.

Der einzige Spieler, der aus der letztjährigen TTC-Mannschaft übrig geblieben ist: Alfredas Udra Foto: Ralf Just
Der einzige Spieler, der aus der letztjährigen TTC-Mannschaft übrig geblieben ist: Alfredas Udra Foto: Ralf Just

Frickenhausen. Der TTC Frickenhausen ohne seinen Präsidenten Rolf Wohlhaupter-Hermann? Für Kenner der Tischtennis-Szene ist das noch immer unvorstellbar. Seit der Vereinsgründung 1971, seit 45 Jahren also, war „RWH“ TTC-Vorsitzender, jetzt hat sich der 78-Jährige vom operativen Geschäft zurückgezogen und einem Jüngeren Platz gemacht.

Bei der Hauptversammlung am 30. Mai wurde Sebastian Koch zum neuen Vereinsboss gewählt und RWH zum Ehrenpräsidenten ernannt. Koch, 31 Jahre alt, kümmert sich seit 2014 als Physiotherapeut und Betreuer um die erste Mannschaft und wird dies auch als Vereinspräsident weiterhin tun. Wohlhaupter-Hermann wird dem Verein erhalten bleiben, in beratender Funktion und als Bindeglied zu den Sponsoren. Koch – „ein positiv Tischtennis-Verrückter“ wie TTC Manager Jürgen Veith ihn nennt, will verstärkt Anstrengungen unternehmen, damit wieder mehr Zuschauer in die Sporthalle Auf dem Berg pilgern. Denn eines ist für Veith klar: „Die neue Saison wird genauso spannend und attraktiv wie die letzte.“ In der war der TTC Abschluss-Vierter, nur zwei Zähler hinter dem punktgleichen Spitzentrio.

Was die Mannschaft des TTC Frickenhausen ab September zu leisten in der Lage sein wird, lässt sich schwer abschätzen. Denn das Team präsentiert sich in einem völlig neuen Gewand. Drei Spieler haben den Verein verlassen: Kazuhiro Yoshimura und Filip Zeljko schlagen künftig für den Klassenkameraden TSV Bad Königshofen auf, und Marton Szita ist in seine ungarische Heimat zurückgekehrt. Der Einzige, der aus der vergangenen Saison übrig geblieben ist, ist der 22-jährige Litauer Alfredas Udra, der in der neuen Serie an Position zwei spielen wird.

Vier Neue verstärken den Zweitligisten aus dem Täle. Zwei blutjunge Japaner wechseln sich in der kommenden Saison an Position eins ab: Ryotaro Ogata, der im April 18 Jahre alt geworden ist und zuletzt in seinem Heimatland gespielt hat, und Yuki Matsuyama, der erst im Juli 18 wird und vom Meister der Regionalliga Südwest, TV Leiselheim, kommt. Position drei nimmt der Däne Tobias Rasmussen ein. Der 19-Jährige kommt von BTK Amager und trug zuletzt das Trikot des Drittligisten TTC Weinheim. Position vier bekleidet Jesper Hedlund, ein 24-jähriger Schwede, der bislang für BTK Rekord Sportklubb Helsingborg gespielt hat. Sie alle trainieren zusammen mit anderen Weltklassespielern im Butterfly-Tischtennis-Center bei Frickenhausens ehemaligen Trainer Jian Xin Qiu, dem der TTC auch die Neuzugänge zu verdanken hat. A-Schein-Inhaber Derd Soos fungiert weiterhin als Chef-Coach.

„Es ist überhaupt nicht gesagt, dass wir schwächer sind als letzte Saison“, sagt Jürgen Veith, „da wussten wir auch nicht, wie stark die Truppe ist, und plötzlich hat sie super gespielt.“ Dennoch hat der TTC-Manager nur eines im Sinn: Nicht in den Abstiegssog geraten. „Unser Ziel ist der Klassenverbleib“, sagt Veith, „die Liga ist extrem stark, alle haben aufgerüstet.“ Dass im neuen TTC-Team keine Deutschen stehen, ist für Veith ein Manko – „aber das sind alles Beißer, junge Talente, mit denen sich unsere eigenen Jugendlichen identifizieren können.“ Über den eigenen Nachwuchs will der TTC auch wieder die Halle füllen.

Die erste Liga ist für den Verein aus dem Neuffener Tal nach wie vor erstrebenswert. „Momentan aber nicht“, stellt Veith klar, „erst wenn finanziell alles abgesichert ist, wird der Aufstieg ein Thema.“ Immerhin hat der TTC seinen Schuldenberg gegenüber den Banken und der Berufsgenossenschaft abgetragen. Im Mai wurde die letzte Rate getilgt. „Jetzt haben wir die schwierige Phase ziemlich hinter uns“, so Veith.

Zwischen 100 000 und 120 000 Euro beträgt der Etat des TTC für die neue Saison, des entspricht etwa einem Viertel gegenüber den Erstliga-Zeiten. Nach wie vor gleicht die Finanzierung einem Tanz auf der Rasierklinge. Neue Sponsoren und Gelder zu generieren, ist schwieriger denn je. Der Fußball als übermächtige Konkurrenz grabe den anderen Sportarten das Wasser ab. „Als ich gelesen habe, was der Fußball in den nächsten Jahren bekommt, ist mir schier die Kaffeetasse aus der Hand gefallen“, stöhnt Veith, „und wir müssen um jeden Euro kämpfen.“ Das sei das Los der anderen, „wir müssen akzeptieren, dass es für unseren Sport nicht einfach ist.“

Ein „Alarmsignal für den gesamten Sport“ bezeichnet Veith Entwicklungen wie bei der TG Nürtingen, die ihre Tischtennis-Mannschaft zurückgezogen hat. Gleichwohl weiß der TTC-Manager auch, dass sich „seine“ Sportart hier und da auch selbst im Wege steht. Unterschiedliche Spielsysteme, kein Zweitspielrecht und keine Spielgemeinschaften sind nur einige Aspekte. „Das Kribbeln und der Reiz sind in der zweiten Liga trotzdem vorhanden“, sagt Veith fast trotzig und hofft, dass der „neue“ TTC wieder Tischtennis-Fans mit einer attraktiven Spielweise anlockt.

TTC muss zum Auftakt zum Titelfavoriten

Frickenhausen. Für Tischtennis-Zweitbundesligist TTC Frickenhausen beginnt die Saison 2016/17 am Sonntag, 4. September, mit einem Auswärtsspiel bei Titelfavorit TSV Bad Königshofen – die Verantwortlichen des Klubs aus der Kleinstadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld haben bereits angekündigt, das Aufstiegsrecht in die Erste Liga im Falle der Meisterschaft wahrnehmen zu wollen.

In der vergangenen Runde wollte kein Zweitligist aufsteigen, und weil der TTC Hagen aus finanziellen Gründen aus der Bundesliga zurückgezogen hat, spielt die deutsche Eliteliga in der anstehenden Runde nur noch mit neun Mannschaften.uba

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