Lokalsport

Der Turnbetrieb blutet aus

Während des 1. Weltkriegs (1914 – 1918) ruhte der Sportbetrieb im damaligen deutschen Reich naturgemäß auf breiter Ebene. Sportliche Aktivitäten gab es nur dort, wo man es am wenigsten erwartete: An der Westfront spielten verfeindete britische und deutsche Soldaten am ersten Weihnachtsfeiertag 1914 in einer Waffenpause Fußball gegenei­nander. Zwei Jahre später, als auf den blutigen Schlachtfeldern von Verdun bei Giftgas-Attacken Hunderttausende Menschen ihr Leben verloren, erschien im Teckboten unter der Rubrik „Tagesneuigkeiten“ neben den Berichten zur politischen Lage auch eine kurze Sportnotiz – eine Meldung über die Deutsche Turnerschaft (DT). Demnach waren rund 750 000 oder 88 Prozent der männlichen Verbandsmitglieder im wehrpflichtigen Alter seit Kriegsbeginn in den Heeresdienst eingetreten. Es war der Beleg dafür, wie effektiv die Kriegspropaganda-Maschinerie in jenen wirren Tagen arbeitete. Nach dem Waffengang der Jahn-Jünger blutete der Turnbetrieb aus, doch die üppige Vereinslandschaft im „Reich“ blieb erhalten: 11 580 Turnvereine in 9 821 Orten und Städten waren am 1. Januar 1916 gemeldet. top


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