Lokalsport

„Der Verein gehört in die erste Bundesliga“

Straßenumfrage Kirchheimer Passanten zur Frage, in welcher Spielklasse der VfB Stuttgart besser aufgehoben ist

Kirchheim. Der Kontrast könnte größer nicht sein. Am 14. Mai 2016 stand der VfB Stuttgart in der Bundesliga als Direktabsteiger fest, heute grüßt er nach satter Zweitliga-Siegesserie von der Tabellenspitze und kann sich morgen mit einem Heimspiel gegen Altmeister FC Kaiserslautern weiter absetzen. Dem Absturz folgte der Höhenflug, der Pleitenwelle die Siegesserie - die Leidenszeit des VfB-Fans ist endgültig vorbei. Derzeit ist er happy, und Viele träumen vomWiederaufstieg. Eine Frage bleibt: Ist Schwabens Fußballstolz nach den jahrelangen Frust-Erlebnissen im Oberhaus eine Etage tiefer vielleicht doch besser aufgehoben? Die etwas provokante Frage hat Sportredakteur Thomas Pfeiffer in der Kirchheimer Innenstadt Passanten gestellt.

Tim Hastenteufel, 16: „Der VfB sollte unten bleiben. In der Bundesliga hat er ein Spiel nach dem anderen verloren, kämpfte über Jahre hinweg gegen den Abstieg. Ich bin VfB-Fan seit dem elften Lebensjahr, doch die vergangene Saison hat überhaupt keinen Spaß mehr gemacht. An manchem Samstagnachmittag habe ich manchmal sogar umgeschaltet und im Fernsehen BVB geguckt. Inzwischen gewinnt der VfB wieder, und der Spaß ist zurück. Jetzt schaue ich wieder jedes Spiel, entweder im Stadion oder bei Sky. Meine Meinung ist, dass der VfB in der zweiten Liga besser aufgehoben ist. Dort kann er dauerhaft an der Spitze mitspielen, in der ersten Liga nicht.“

Sebastian Jakob, 37: „Ich bin Spanier, Hausmeister in der Paulinenpflege und Fan des FC Barcelona. Über den VfB Stuttgart weiß ich noch nicht so viel. Die erste Liga ist für einen Verein immer attraktiver als die zweite, weil es nur dort die Chance auf höhere Einnahmen durch die Champions League gibt. Auch den Menschen in der Region bringt ein erstklassiger Verein viel mehr wirtschaftliche Vorteile als ein Zweitligist - weil mehr Publikum kommt. Übrigens: Mein ältester Sohn heißt Alejandro, ist dreieinhalb Jahre alt und spielt im Garten Fußball schon wie ein kleiner Messi. Sie sollten sich den Namen merken (lacht).“

Bea Hertel, 51: „Als eingefleischter VfB-Fan seit 20 Jahren sage ich: Der VfB Stuttgart gehört klar in die erste und nicht die zweite Bundesliga. Dies ist eine Prestigesache. Der Dämpfer mit dem Abstieg letztes Jahr war verdient und auch notwendig, weil der Verein jetzt gesunden kann und sich neu aufstellen. Es ist phänomenal, wie sich die Fans in dieser Saison verhalten haben: Fast 50 000 kamen im Schnitt zu den bisherigen Zweitliga-Heimspielen. Trotz dieser Zahl muss der Aufstieg her.“

Lisette Keden, 51: „Ich bin zwar VfB-Sympathisantin, aber beileibe kein Fan. Meine Freundin Tanja, die eine Dauerkarte hat und zu jedem Heimspiel fährt, ist da ganz anders. Aus der Distanz betrachtet, glaube ich, dass die VfB-Mannschaft aus psychologischen Gründen vielleicht besser in der zweiten Bundesliga bleiben sollte, weil mehr Siege den Spielern automatisch mehr Selbstvertrauen bringen. So was ist immer von Vorteil.“

Jaliba Wally, 24: „Ich bin Asylbewerber aus Gambia und spiele selber Fußball: rechter Verteidiger bei der TG Kirchheim. Wir sind Tabellenführer. Für den VfB Stuttgart interessiere ich mich auch. Im Moment ist die zweite Bundesliga für den VfB sicherlich die beste Liga. Dort gewinnen sie ja fast alle Spiele!“

Doreen Mildemann, 36: „Welche Spielklasse für den VfB besser ist, weiß ich wirklich nicht. Der nationale Städte-Fußball interessiert mich nicht so sehr, mein Mann ist als Bayern-Fan an der Bundesliga viel eher interessiert. Mich interessieren vor allem Länderspiele von Deutschland bei Welt- und Europameisterschaften. Zum VfB kann ich nur sagen, dass es doch schön ist, wenn sie wie in dieser Saison fast jedes Spiel gewinnen.“ Fotos: Mirko Lehnen

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