Lokalsport

Der „Wildschütz“ mit dem Linksdrall

Ex-Nationalspieler und VfB-Idol Karl Allgöwer als Gast beim TSV Oberlenningen in Plauderstimmung

20 Fragen stellte Moderator Karl-Heinz Beck beim Frühschoppen-Interview des TSV Oberlenningen im Wielandstein-Stadion. Partygast Karl Allgöwer (58) blieb keine Antwort schuldig – bis auf eine: Wie kann der TSV, der im 60. Fußballjahr in der Sicherheitsliga krebst, endlich wieder aufsteigen? Dazu der Ex-Nationalspieler des VfB Stuttgart: „Wenn ich das wüsste, würde ich es als Patent anmelden.“

Gut gelaunt in lockerer Atmosphäre. Karl Allgöwer (rechts, mit Interviewer Karl-Heinz Beck) hat es in Oberlenningen sichtlich ge
Gut gelaunt in lockerer Atmosphäre. Karl Allgöwer (rechts, mit Interviewer Karl-Heinz Beck) hat es in Oberlenningen sichtlich gefallen. Nach einer Stunde ging es schnurstracks auf den Tennisplatz.Foto: Markus Brändli

Lenningen. Als Karl Allgöwer, begrüßt vom Vorsitzenden Ulrich Maier, das Stadiongelände betrat, stand die E-Jugend in den roten TSV-Trikots Spalier. Den Jungs war wohl nicht wirklich bewusst, wen sie da ins Geleit nahmen. Hat doch der drahtige Held früherer Tage, inzwischen grau meliert und fast so alt wie die Oberlenninger Fußballabteilung, seine schillernde Laufbahn bereits vor 24 Jahren beendet.

Etwa 60, vorwiegend ältere Herrschaften, die den „Wasen-Karle“ im Neckarstadion noch live haben spielen sehen, hörten aufmerksam zu, was der kompetente Kenner der Fußballszene zur Lage im Allgemeinen und beim VfB Stuttgart im Besonderen zu sagen hatte. Unter ihnen Edelfan „Edi“ im Original Brustring-Trikot.

Allgöwer – ein Freund offener Worte, der Konfrontationen nicht scheut. „Mit mir macht keiner den Bären“, hat er einmal gesagt. Und deshalb gab es beim VfB intern manch heftigen Disput, wenn er sich politisch äußerte, für eine Friedensinitiative oder für den Umweltschutz einsetzte und sich dafür auf einer Müllkippe fotografieren ließ. Die links gerichtete Einstellung seines Führungsspielers war dem Vereinspräsidenten und CDU-Minister Gerhard Mayer-Vorfelder oft ein Dorn im Auge. Als einmal ein Wechsel nach Frankreich im Gespräch war, machte MV deutlich: „Ich würde ihn am liebsten mit der Schubkarre an die Grenze fahren“. Allgöwer denkt mit einem Lächeln daran zurück: „MV wurde damals von Journalisten provoziert. Wir haben uns, wie immer bei solchen Gelegenheiten, ausgesprochen und keiner war nachher beleidigt.“

Viele fragen sich noch heute, warum Allgöwer bei seinem Können nur zehn Länderspiele bestritten hat. Technik, Schnelligkeit und vor allem die Schusskraft, die ihm auch die Spitznamen „Knallgöwer“, „Ballermann“ oder „Wildschütz“ eintrugen, waren ihm reichlich mitgegeben. Doch sein Intellekt bremste ihn aus. „Ich dachte, in der Nationalelf spielen nur die Besten. Aber ich war zu naiv. Leider spielen auch andere Kriterien eine Rolle. 1982 wurde ich vor der WM ausgebootet. Danach habe ich gesagt, ich konzentriere mich nur noch auf dem VfB. Das war gut so. 1984 sind wir Deutscher Meister geworden.“

Wann kann der VfB endlich wieder an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen? Gelingt das den Roten unter ihrem neuen Trainer Alexander Zorniger? Eine Frage, die nicht nur die Lenninger, sondern alle im Ländle brennend interessiert, deren Herz für den schwäbischen Traditionsklub schlägt. „Es kommt darauf an, wie der Verein die Visionen des Trainers umsetzen kann“, sagt Allgöwer. „Geld ist nicht vorhanden. Eine schwere Aufgabe für Robin Dutt, den Spielerkader trotzdem umzubauen und schlagkräftiger zu machen.“ Ein lukrativer Verkauf von Antonio Rüdiger – 18 Millionen Ablöse sind aufgerufen – könnte dabei sehr hilfreich sein.

Dass es der VfB bisher versäumt hat, versierte Ex-Profis wie einen Karl Allgöwer in die Vereinsarbeit einzubinden, wird dem Klub vielfach zum Vorwurf gemacht. Wäre er grundsätzlich bereit dazu? „Das kommt auf die Konzeption an. Bisher hatte der Verein keine Verwendung für mich. Es gab die Idee, mich in den Sportausschuss aufzunehmen. Aber das wollte Fredi Bobic nicht“, sagt er und fährt fort: „Robin Dutt wünscht mehr Engagement ehemaliger Spieler. Mit Günther Schäfer als Teammanager und Guido Buchwald als Scout für den asiatischen Raum ist ja schon ein Anfang gemacht.“

Der „Wasen-Karle“ ist dem VfB immer noch eng verbunden – als regelmäßiger Besucher der Heimspiele und als Mitglied der Traditionsmannschaft. „Leider fehlt uns der Nachwuchs“, bedauert er. Kein Wunder, wenn die aktuelle Profitruppe vorwiegend aus Ausländern besteht, die nach ihren VfB-Gastspielen den Abflug machen. Neben Fußball gehören Joggen, Golf (Handicap 12) und Tennis zu seinen Fitmachern.

Tennis war auch der Grund, warum es Allgöwer nach einer fast einstündigen Talkrunde eilig hatte, ins Eybacher Tal zu kommen. Dort stieg der Abstiegskrimi der Herren 40 des TV Geislingen in der Bezirksoberliga gegen den TC Neuhausen. Karl spielte im Doppel, wie immer seit einer Hüft-OP 2006, und unterlag nach spannendem Kampf im Match-Tiebreak. Dennoch konnte er am Ende jubeln. Der 6:3-Gesamtsieg sicherte seiner Mannschaft den Klassenerhalt.

Karl Allgöwer (58), wohnt in Gingen/Fils. Zehn Länderspiele. 338 Bundesliga-Einsätze für den VfB Stuttgart, 129 Tore. 1984 Deutscher Meister. 1986 Vize-Weltmeister. 116 Zweitligaspiele für die Stuttgarter Kickers. Vorher SC Geislingen, TV Altenstadt. Spielt Golf beim Eagle Charity Golf Club, Tennis beim TV Geislingen. 2006 Opfer einer Geiselnahme in Stuttgart, die unblutig endete. Der 19-jährige Täter musste dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Beruflich organisiert Allgöwer seit 17 Jahren Sportevents für Firmen.

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