Lokalsport

Der Zusammenhalt ist größer denn je

Virusfolgen Wie Betreiber lokaler Fitnessstudios die aktuelle Situation empfinden.

Leere Studios – ein Bild, das die Fitnesscenter, so wie hier imKirchheimer „SL Sports“, noch eine Weile begleiten wird. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem. Doch mittlerweile bleibt einem nur noch der Sport in den eigenen vier Wänden oder das Joggen an der frischen Luft. Denn seit Anfang der Woche ist neben dem Training der Sportvereine auch der Betrieb von Fitnessstudios untersagt. Doch wie gehen die lokalen „Mucki-Buden“, deren Betrieber zu den vielen Leidtragenden der Corona-Krise gehören, mit dieser Situation um?

Uwe Wedekind, Geschäftsführer des „in motion“, ist angesichts der aktuellen Lage im Zwiespalt: „Einerseits habe ich großes Verständnis für die drastischen Maßnahmen, andererseits leidet der Einzelhandel extrem darunter. Und es ist kein Ende in Sicht, weil sich täglich alles ändert.“

Ob und wie der Staat beziehungsweise die Banken die Fitnessstudios in der nächsten Zeit unterstützen werden, ist unklar. Nicht zuletzt deshalb bemängelt Wedekind klare Ansagen: „Zurzeit sind alle etwas überfordert. Ich denke, die Regierung hat gute Ideen, an der Umsetzung hapert es aber noch.“

Da im „in motion“ auch Reha-Sport für Patienten mit Rezept angeboten wird, zieht Wedekind in Betracht, den Betrieb eingeschränkt fortzusetzen. „Wir müssen noch abklären, inwiefern das möglich wäre“, schildert der Inhaber des 1000 Mitglieder großen Studios, „vielleicht geht das ja in kleinen Gruppen, schließlich benötigten die Patienten ihre Übungen.“ Doch trotz der undurchsichtigen Lage gibt es für Wedekind auch positive Nachrichten: Die Mitglieder hätten bereits ihre Unterstützung mitgeteilt. Massenhaft Rückforderungen der Monatsbeiträge bleiben dem Studio somit wohl weitestgehend erspart.

Bedrückendes Gefühl

Auf Loyalität der Trainingsgäste hofft auch Silke Unverdruß, Gesundheitsmanagerin des „SL Sports“. Der Zusammenhalt der gesamten Branche jedenfalls sei besser denn je. „Es gibt Whatsapp-Gruppen mit ganz vielen Teilnehmern, in denen wir uns unterstützen, informieren und zur Seite stehen - egal ob in rechtlichen Fragen oder einfach nur im zwischenmenschlichen Bereich.“

Wie es finanziell weitergeht, vermag die 47-Jährige momentan noch nicht einzuschätzen. Zwar könne erstmal alles so weiterlaufen wie gehabt, dann würde es allerdings drauf ankommen, ob der Staat die Studios unterstützt. „Und in der Hinsicht bin ich jetzt eher mal skeptisch“, sagt Unverdruß, die im „SL“ Leasinggeräte mit jährlichen Kosten von 300 000 bis 400 000 Euro besitzt. Auch Versicherungen, die Vorkommnisse der „höheren Gewalt“ finanziell auffangen, gebe es bislang nicht.

Um den Kunden aber auch in Krisenzeiten einen Mehrwert zu bieten, versorgt das „SL“ die Mitglieder online mit Trainingsprogrammen oder Infos. „Wir arbeiten tagtäglich hart an der Gesundheit des Menschen. Dass das Coronavirus dann auch noch ausgerechnet diese so stark trifft, ist für uns sehr bedrückend“, schildert Silke Unverdruß.

Verständnis zeigen

Durchaus vernünftig findet derweil Joe Öhrle, Inhaber von „Joe‘s Fitness Center“, die Schließung der Studios. „Natürlich ist es für uns eine blöde Situation. Aber es geht hier um das Allgemeinwohl und den Schutz der älteren Menschen, insofern sollte man da schon Verständnis zeigen.“ Was den 40-Jährigen allerdings ärgert, ist die mangelnde Transparenz der Regierungsentscheidungen. „Wieso dürfen denn Friseure und Bäckereien, in denen alles viel dichter gedrängt ist, offen bleiben? Dann könnte man mit gewissen Einschränkungen eigentlich auch Fitnessstudios geöffnet lassen.“

Welche finanziellen Einbußen das Ganze mit sich bringt, kann Öhrle noch nicht abschätzen. Eine Möglichkeit sei auf jeden Fall Kurzarbeit. „Aber da müssen wir erst noch abwarten, in welche Richtung sich das alles entwickelt“, sagt er, der dennoch allen Menschen empfiehlt, trotz der schwierigen Phase möglichst aktiv zu bleiben.

Ausgiebige Spaziergänge oder Joggingeinheiten sorgen schließlich auch ohne Fitnessstudio für sportliche Aktivität. Denn wer fit und gesund ist, ist auch weniger anfällig - und selten gab es Zeiten, in denen das von so großer Bedeutung ist. Max Pradler

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