Lokalsport

Dettingerinnen schreiben Geschichte

Volleyball Die TTV-Frauen ziehen nach einem 3:2-Thriller gegen den Ligakonkurrenten FV Tübinger Modell erstmals ins württembergische Pokalfinale ein, in dem Ende April ein Oberligist wartet. Von Reimund Elbe

Der Fan-Support hat geholfen: Auch dank der Unterstützung von der Tribüne hatten die TTV-Volleyballerinnen im Pokalhalbfinale Gr
Der Fan-Support hat geholfen: Auch dank der Unterstützung von der Tribüne hatten die TTV-Volleyballerinnen im Pokalhalbfinale Grund zum Jubeln. Foto: Carsten Riedl

Am Schluss hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen: Sekunden vor dem Matchball erreichte die Phonzahl in der Dettinger Sporthalle am Dienstagabend ihren Spitzenwert. Der anschließende Punkt zum 15:12 im fünften und damit entscheidenden Satz für den TTV Dettingen wurde nicht nur mit kollektivem Jubel plus Trommelunterstützung quittiert, sondern seitens der TTV-Spielerinnen zudem mit einem Spontantanz inklusive der obligatorischen „Finale“-Rufe. „Wir haben heute etwas Historisches erreicht“, ordnete Teamführerin Clarissa Preuß den 3:2-Krimi im Pokal-Semifinale gegen den Regionalliga-Konkurrenten FV Tübinger Modell nach einem Zwei-Stunden-Spielmarathon freudig lächelnd ein.

Nuancen hatten dabei die Story am Dienstagabend für die Halbfinale-Gastgeberinnen so richtig rund gemacht. Das TTV-Team bewies gegen den in der Liga einen Tabellenplatz und drei Punkte besser dastehenden Gegner vor allen Dingen eines: Nehmerqualitäten. Zwar gelang den Dettingerinnen zunächst der Satzgewinn zum 1:0, verbunden mit steigender Euphorie auf und neben dem Feld, doch die beiden nächsten Spielabschnitte gingen relativ ungestreift an das Team aus der Unistadt. „Wir konnten dann allerdings unser Niveau nicht halten“, klagte FV-Trainer Gordon Eske nach dem Pokal-Aus, das nach drei Sätzen und 2:1-Führung für die Tübingerinnen noch kein Thema zu sein schien.

Was auch am TTV lag. Wenige Wochen zuvor hatte er den FV Tübinger Modell im Ligabetrieb mit 3:0 glatt besiegt, und im vierten Satz feierten die Gastgeberinnen diesmal eine regelrechte Wiederauferstehung. „Der Durchhänger in den vorangegangenen Sätzen, verbunden mit dem 1:2-Rückstand, hatte uns natürlich zurückgeworfen“, rekapitulierte Außenangreiferin Lyubka Sharalieva, „doch dann haben wir uns einfach gesagt, jetzt oder nie.“

Dieses Motto setzten die TTV-Frauen wirklich mit großer Leidenschaft um. Der 2:2-Ausgleich nach Sätzen waren Ausrufezeichen und Hoffnungsbringer. Und selbst ein 0:4-Blitzrückstand im entscheidenden fünften Satz warf das Team von Roland Hunger nicht um. „Klar war am Schluss auch ein wenig Nervosität vorhanden“, blickte Sharalieva auf die entscheidenden Minuten zurück, doch der Wille zum Sieg habe überwogen. Ziemlich genau um 22 Uhr war das Pokalmatch hauchdünn zugunsten des TTV entschieden. Clarissa Preuß richtete spontan einen speziellen Dank ans Publikum. „Diese Unterstützung hat uns sehr geholfen“, befand sie. Die Gesamtzahl der Zuseher war zwar mit rund 70 absolut überschaubar, doch die Unterstützung der TTV-Sympathisanten dafür stetig und lautstark.

Nach großzügigem Applaus von der Tribüne plus Jubelszenen auf dem Hallenboden widmeten sich die TTV-Spielerinnen abschließend anderen Aufgaben: Sie bauten pflichtbewusst selbst Netz, Werbebanner und andere Utensilien ab. Eine sprintete allerdings nach Vollzug der Tätigkeit sofort gen Hallenausgang: TTV-Akteurin Johanna Resch musste am Mittwoch beim Sport-Abi ran - das nächste Sport-Highlight für die Pokalfinalistin.

Das nächste sportliche Volleyball-Highlight lässt für Resch und Co indes noch ein Weilchen auf sich warten: Erst am 28. April geht das württembergische Pokalfinale in Biberach über die Bühne: TTV-Gegner ist der Gewinner der Partie zwischen den Oberligisten MTV Ludwigsburg und VfB Ulm.

Spielstenogramm

TTV Dettingen: Babinger, Frank, Herdtle, Kehle, Nestel, Pinar, Preuß, Resch, Sharalieva FV Tübinger Modell: Finkbeiner, Kuhn, Otto, Peters, Schilke, Single, Stockinger, Suhonjic, Tilmann, Wickler, Wutzler Schiedsrichter: Ferenc Weilandt (Reutlingen/Jascha Hommel (Wendlingen) Zuschauer: 70

Drei Fragen an TTV-Trainer Roland Hunger

Roland Hunger. Foto: Carsten Riedl
Roland Hunger. Foto: Carsten Riedl

Herr Hunger, Glückwunsch zum Einzug ins württembergische Pokalfinale. Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg für den Verein und das Team?
Natürlich sind wir alle sehr glücklich. Es ist ein ganz besonderer Erfolg, der die positive Entwicklung des Volleyballsports in den vergangenen Jahren hier in Dettingen unterstreicht. Dettinger Volleyball ist mittlerweile über die Gemeindegrenzen hi­naus bekannt geworden. Dazu trägt der Finaleinzug natürlich weiter bei.

Was hat gegen Tübingen den Ausschlag gegeben?
Nach dem Verlust des zweiten und dritten Satzes und dem daraus resultierenden 1:2-Rückstand hat unser Team hervorragend gekämpft, zudem stellten wir im vierten Satz taktisch um. Unsere Spielerinnen haben dann im entscheidenden fünften Satz gezeigt, dass sie unbedingt gewinnen wollten.

Wie sieht das Programm bis zum Endspiel am 28. April aus?
Nach unserem letzten Punktspiel am kommenden Samstag in Umkirch machen wir eine Erholungspause. Etwa 14 Tage vor dem Endspiel steigen wir wieder in den Trainingsbetrieb ein. Dann gilt die volle Fokussierung dem Finale. Reimund Elbe

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