Lokalsport

Die Bugwelle flacht ab

Im November sollen die letzten Flüchtlinge aus der Kirchheimer Kreissporthalle ausziehen

Erst Nürtingen, dann Kirchheim: Aus Notquartieren für Flüchtlinge sollen wieder Sporthallen werden. Der Landkreis lässt Druck aus dem Kessel.

Aus einer öffentlichen Halle wurde ganz schnell eine private Einrichtung mit Betretungsverbot. Das soll sich wieder ändern, doch
Aus einer öffentlichen Halle wurde ganz schnell eine private Einrichtung mit Betretungsverbot. Das soll sich wieder ändern, doch es dauert, bis hier wieder Sport betrieben werden kann. Foto: Jean-Luc Jacques

Esslingen. Die letzten Trennwände sind abgebaut, jetzt sind die Gutachter am Werk. Was muss erneuert werden, was wird das Ganze kosten und vor allem: Wann herrscht hier wieder Normalbetrieb? Genau sagen kann das zur Stunde noch niemand. Nur so viel: Bis Schulbeginn wird es eng. Die Halle auf dem Nürtinger Säer, wo zuletzt noch 185 Flüchtlinge ein notdürftiges Zuhause fanden, ist die erste, die in diesen Tagen wieder zu dem gemacht wird, was sie eigentlich ist: ein Ort, an dem Sport getrieben wird. Spätestens Ende November soll auch die Kirchheimer Kreissporthalle geräumt sein. Anfang September wohnten dort noch 165 Menschen, zeitweilig waren es knapp 300.

Bis in der Halle wieder Schulsport stattfinden kann, wird es auch hier dauern. Ulrike Hauke-Kubel, Schulleiterin an der benachbarten Schöllkopf-Schule, geht fürs neue Schuljahr vom Ist-Zustand aus. Soll heißen: Der Sportunterricht wird weiterhin in Einrichtungen der Stadt, überwiegend in der Ötlinger Mörikehalle, stattfinden. Der Landkreis hat eine Busverbindung eingerichtet, die reibungslos funktioniert. Unterrichtsausfälle gab es bisher keine. „Es bedeutet mehr Aufwand, aber es ist alles machbar“, sagt die Rektorin, die erst ab dem Schuljahr 2017/18 wieder mit der Kreissporthalle plant.

Für den Landkreis bedeutet die Räumaktion, die mit der Sporthalle in Esslingen-Zell zum Jahresende abgeschlossen sein soll, den Eintritt in eine neue Phase. Weg von sogenannten prekären Massenlagern, hin zu festen Quartieren. Einfacher ausgedrückt: wohnen statt hausen. Ein mühsamer Weg. Noch immer leben im Kreis Esslingen 700 der insgesamt 5 400 Flüchtlinge in Großzelten und Gewerbehallen. Dass der Schritt zu mehr Normalität überhaupt möglich ist, hat zweierlei Gründe. Seit Jahresbeginn ziehen monatlich im Schnitt etwa 200 Menschen aus den Sammelunterkünften aus. Im Juni waren es 161, von denen 141 mit einem bewilligten Asylantrag in die Anschlussunterbringung wechselten. Der Rest ist unbekannt verzogen, freiwillig in die Heimat zurückgekehrt oder wurde abgeschoben. Der wohl bedeutendste Grund aber ist: Seit August kommen deutlich weniger Hilfesuchende hier an. Lag im Juli die Zahl der Neuzuweisungen im Kreis Esslingen noch bei 522, waren es vergangenen Monat gerade noch 50. Nur Atempause oder dauerhafter Trend? Diese Frage kann zurzeit niemand beantworten. „Im Moment haben wir sehr stabile Zahlen“, sagt Landratsamts-Sprecher Peter Keck. „Die vom Land prognostizierte Entspannung scheint tatsächlich einzutreten.“ Dass die Zuweisungszahlen für den Kreis entgegen dem landesweiten Trend im Frühjahr noch relativ hoch waren, liegt daran, dass der Kreis seiner Aufnahmeverpflichtung im Vorjahr nicht in vollem Umfang nachkommen konnte und noch immer dabei ist, diese Restschuld zu begleichen.

Wohin die Bewohner der Kirchheimer Kreissporthalle im Herbst ziehen werden, ist noch ungewiss. Nur so viel steht fest: Kirchheim allein verfügt derzeit über nicht ausreichend Plätze. Man müsse abwarten, wie viele bis dahin aus Quartieren in der näheren Umgebung ausziehen, sagt Keck. Auch die neue Unterkunft im Gewerbegebiet in Oberlenningen hat der Landkreis dabei im Blick. „Wenn es gar nicht anders geht, werden wir einen Teil in der Esslinger Weststadt unterbringen müssen.“ Dort soll im November ein neues Containerdorf mit Platz für 147 Schutzsuchende bezugsfertig sein.

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